Andrea Breth an die Burg zurückgekehrt:
Mit grausamer Endzeitparabel "Quai West"
- Von den Salzburger Festspielen sie sie enttäuscht
- "Eugen Onegin" wird 2011 nicht wieder aufgenommen

Die Geschichte ist so heutig, dass man ihr Alter nicht für möglich halten will: Der Franzose Bernard-Marie Koltès schrieb Quai West 1985, vier Jahre, ehe er mit 41 an Aids starb. Es geht um den Bankier Maurice Koch, der eine riesige Summe veruntreut hat und sich im Hafenbecken von New York ersäufen will. Er lässt sich im Jaguar ans Wasser chauffieren, springt, wird gerettet und gerät in die Gegenwelt der Ausgestoßenen, die in den alten Lagerhallen hausen. Ein riesiger Schwarzer wird ihm zum Schicksal und tötet ihn am Ende. Quai West kommt am 6. Februar im Burgtheater heraus. Andrea Breth inszeniert, und das ist nicht selbstverständlich: Die geniale -Diagnostikerin menschlicher Grenzbefindlichkeiten wurde übel behandelt, als sie -erkrankungshalber eine Wallenstein-Produktion absagen musste. Nun, unter dem neuen Direktor Matthias Hartmann, stehen wieder große Breth-Zeiten an.
NEWS: Das Stück passt doch beängstigend in die Zeit.
Breth: Es ist zeitgenössisch, aber auch zeitlos. Auch wenn es sich scheinbar um ein Sozialdrama handelt, die Kluft zwischen Arm und Reich, den fahrlässigen Umgang mit Stiftungsgeldern, die Koch veruntreut hat, die soziale Kälte seiner Sekretärin oder Mitarbeiterin Monique, im Gegensatz zu den armen Bewohnern der Lagerhalle, die kein Wasser und keinen Strom mehr haben und insofern gezwungen sind, um das Überleben zu kämpfen mit halbkriminellen Mitteln. Es ist aber auch ein sehr poetisches Stück, die Welt der Dunkelheit, des Dschungels, der Nachtgebilde und der Schatten ist auch das Purgatorium, durch das alle Figuren hindurch müssen. (...) Trotz dieser Grausamkeiten ist das Stück kein Actiondrama. Kein leichtes Stück, viele Monologe, die dennoch Dialoge sind, keine durchgängige Alltagssprache, manchmal eine sehr schöne poetische Sprache, die sehr musikalisch ist, man muss es arbeiten wie ein Orchesterstück. Es gibt auch keinen ausdrücklichen Protagonisten. Es ist ein wunderbares Ensemblestück. Matthias Hartmann ist mutig, es in das große Haus zu nehmen.
NEWS: Kommt Ihr Wallenstein noch? Oder ist er weg?
Breth: Nein, der ist nicht komplett weg. Ich habe es im Kopf, in meinem inneren Kino. Aber das hat Zeit.
NEWS: Weshalb wird Ihr großartiger -Eugen Onegin 2011 in Salzburg nicht wiederaufgenommen?
Breth: Das war ja keine so schlechte Veranstaltung, dass man es einstampfen muss. Nur war Flimm zur Vertragsunterzeichnung nicht mehr Intendant, und ich unterstelle, dass der Interimsintendant Markus Hinterhäuser wenigstens eine Produktion selber definieren will, um sich zu profilieren. Leider geht das auf unsere Kosten. Man hat uns alle für vier Wochen blockiert. Ich bin verletzt.
Heinz Sichrovsky / Susanne Zobel
Das ausführliche Interview lesen Sie im NEWS 5/2010










