Unser Bundesheer in der Krise: Desolate Zustände und immer weniger Wehrtaugliche
- Jeder siebente junge Mann fällt bei Musterung durch
- Volksanwaltschaft: Kasernen im schlechten Zustand

Immer mehr junge Männer fallen bei der Bundesheer-Stellung durch. Im Vorjahr waren von etwas mehr als 48.000 Stellungspflichtigen fast 14 Prozent untauglich. 2008 war diese Zahl mit 14,7 Prozent noch höher, 2007 fielen 12,8 Prozent bei der Musterung durch. Der längerfristige Vergleich zeigt einen ansteigenden Trend.
Die Zahl der Untauglichen ist von 10,6 Prozent im Jahr 1986 bis heute kontinuierlich gestiegen und lag in den letzen Jahren bei 13 bis 14 Prozent. Militärmediziner Wolfgang Gerl weiß zwei Gründe für diese Entwicklung: Einerseits werde die Jugend kränker und anderseits sei das Bundesheer bei den Stellungen sensibler und vorsichtiger als früher, auch die Diagnostik sei besser geworden.
Starker Anstieg von Übergewichtigen
Dass dem Bundesheer die Rekruten ausgehen, sei zwar nicht zu befürchten, Gerl ortet aber besorgniserregende Entwicklungen. Er berichtet von einem starken Anstieg der Übergewichtigen. In den letzen zehn Jahren sei das Durchschnittsgewicht um drei Kilogramm auf 75 kg angestiegen, die durchschnittliche Körpergröße habe sich gleichzeitig aber nur um einen Zentimeter nach oben bewegt. Der Anteil der Männer mit mehr als 100 kg hat sich in der gleich Zeit verdoppelt.
Insgesamt erhalten nur 20 Prozent der 18-Jährigen keine Diagnose, d. h. sie sind vollkommen gesund und haben nie eine ernstere Krankheit gehabt. Gerl schränkt zwar ein, dass auch eine Mandeloperation in die Diagnose kommt, diese Zahlen seien dennoch beunruhigend. Seine Beobachtungen würden sich insgesamt mit den jüngsten OECD-Studien decken, wonach die österreichische Jugend viel raucht, sich ungesund ernährt und dicker wird. Er plädierte daher für eine frühe Gesundheitsprävention schon in Kindergärten und Schulen.
Kasernen im desolaten Zustand
Die Volksanwaltschaft hat unterdessen den schlechten Zustand der desolaten Kasernen kritisiert: Keine Umkleiden für Spitalmitarbeiter, die einzigen Duschen im Nachbarhauskeller, keine Lifte für verletzte Soldaten im Feldspital. Das seien nur einige Beispiele, die bei Kasernenbesuchen im vergangenen Jahr die Haare zu Berge stehen ließen.
Darabos verweist auf Investitionen
Verteidigungsminister Norbert Darabos konterte mit einer Auflistung von Investitionen: "In meiner Amtszeit wurden bisher 311 Mio. Euro in Bauvorhaben investiert. Infrastrukturinvestitionen für die Truppe haben auch in Zukunft für mich klare Priorität. Erst vergangene Woche konnten wir neue Unterkünfte um 6,4 Mio. Euro in der Benedek-Kaserne in Bruckneudorf eröffnen", stellte Darabos in einer Aussendung fest.
(apa/red)










