Wenn zwei Politiker ein Plenum schwänzen:
Über die Ballausflüge von Graf und Öllinger
- "Ball der Burschis" wird zum heiklen Politikum
- Das ungleiche Gesinnungspärchen des Parlaments
Der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) in der Hofburg bekommt nun auch eine politische Konnotation, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Richtungen.
Martin Graf, quasi das täglich grüßende Murmeltier aus dem rechten Polit-Reservat, hat also den Ball des Wiener Korporationsrings in der Hofburg besucht. Das allein kommt nicht wirklich überraschend, schließlich fehlt Graf, selbst leidenschaftliches Mitglied in der rechtsextremen Olympia, nur selten auf einer Burschenschafter-Veranstaltung. Allerdings hat der dritte Nationalratspräsident wegen besagten Balls das Nationalratsplenum vorzeitig verlassen, wie ihm seine Kollegin Barbara Prammer nun zurecht vorwirft. Als ob der Ballbesuch an sich nicht schon heikel genug wäre, zieht Herr Graf damit nämlich auch noch das Parlament ins Lächerliche und macht sich selbst noch untragbarer als er sonst schon ist.
Der grüne Abgeordnete und Demo-Stammgast Karl Öllinger steht dem FPÖ-Recken aber bei heiklen Aktionen um nichts nach. Er verabschiedete sich ebenso wie Graf frühzeitig aus dem Parlament und gesellte sich zur lebhaften Demo gegen den WKR-Ball, in deren Verlauf es zu 14 Festnahmen durch die Polizei kommen sollte. Mit der Anwesenheit im Nationalrat nimmt es der Sozialsprecher der Grünen also auch nicht so genau.
Gesinnungszwillinge
Beide Aktionen zeugen nicht von politischem Fingerspitzengefühl, eines zeigen sie aber ganz deutlich: Offenbar gibt es in diesem Land tatsächlich noch Politiker mit glaub- und standhafter Gesinnung (über die sich, zugegeben, sowohl bei Graf als auch bei Öllinger trefflich streiten ließe). Graf und Öllinger - die ungleichen Gesinnungszwillinge, wenn man so will. Der eine wirbt unter Rechtsradikalen um Sympathien, der andere eben unter Linksradikalen. Die Zielsicherheit bei der Sympathiepirsch durch extreme Gefilde eint das blau-grüne Paar. Dass radikale Elemente in der Politik aber stets mehr Schaden als Nutzen angerichtet haben, muss an dieser Stelle aber hoffentlich nicht mehr erwähnt werden.
(jt)
