Montag, 8. Februar 2010

Zu alt für Sühne? 82-jährige "Killer-Oma"
nach zwei Jahren Haft wieder entlassen

  • NEWS: Maria P. 2008 wegen Mordes verurteilt
  • "Ich wollte doch nur armen Menschen helfen"

2008 wurde die 82-jährige Maria P. wegen Mordes zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Jetzt kam sie frei. Weil sie als ,nicht mehr hafttauglich‘ gilt: In einer frisch gebügelten, blau gemusterten Bluse, die weiß-grauen Haare in weiche Wellen gelegt, und mit einem milden Lächeln um den Mund sitzt die alte Frau jetzt da, auf der gemütlichen Küchenbank in dieser kleinen Wohnung im niederösterreichischen Korneuburg; und freut sich schon ziemlich auf das Mittagessen.

Ich bin sehr gläubig – und ich bete viel.“ Eine kulinarische Spezialität „von zuhause“ soll es heute geben, gedünstetes Huhn mit Karotten und Kartoffeln, „mein Lieblingsgericht“. Und während es am Herd leise köchelt und ihre Tochter eifrig in den Töpfen rührt, fängt die 1927 Geborene bei einer Tasse Hagebuttentee über sich zu erzählen an. Über ihr entbehrungsreiches Leben, früher, in Polen. Über ihre harte Jugend am Land; über ihre spätere Übersiedelung „in die große Stadt“, nach Krakau. Über ihren Mann, der immer so fleißig gewesen sei, so viel gearbeitet habe, als Taxifahrer und Kfz-Mechaniker, und der leider schon so früh sterben musste.Über ihren tiefen Glauben an die Mutter Gottes; über die langen Gebete, die sie täglich spreche. Über ihre geliebten Kinder; über ihren Enkel, „auf den ich so stolz bin, weil er so brav lernt“.

„Ich wollte doch nur armen Menschen helfen.“
Die alte Frau in der frisch gebügelten, blau gemusterten Bluse – bescheiden wirkt sie, warmherzig, freundlich. Wie eine „liebe Oma“ halt. Aber wahr ist auch: Bronislawa Jarosz gilt als die „älteste Mörderin Österreichs“; wochen-, monatelang hatte das ihr angelastete, grauenhafte Verbrechen einst für Schlagzeilen gesorgt …

Fest steht: Als Maria P., eine 78-jährige, gehbehinderte Pensionistin, in ihrer Mezzanin-Wohnung – genau in jenem Gemeindebau, in welchem Bronislawa Jarosz mit ihrer Tochter und deren Sohn bis dato lebt – am 22. Oktober 2007 ermordet aufgefunden wurde, war der Verdacht rasch auf die betagte Nachbarin gefallen.

Drei Tage nach dem schrecklichen Verbrechen wurden Bronislawa Jarosz unter dringendem Tatverdacht und ihre Tochter wegen „vermuteter Mitwisserschaft“ festgenommen. Fest steht weiters: In der Untersuchungshaft legte die alte Frau ein Geständnis ab: Ja, sie habe am Abend des 22. Oktober 2007 auf Maria P. eingeprügelt, in deren Wohnung, weil diese sie zuvor „polnisches Schwein, das kein Recht hat, hier zu sein“, geschimpft hätte.

Verurteilt wegen Mordes
„Aber diese Aussage“, behauptet Tochter Elisabeth B. nun, „entsprach nicht der Wahrheit. Meine Mama hat sie nämlich einst nur gemacht, weil ihr im Gefängnis mehrere Zellengenossinnen zu solch einem Schuldbekenntnis geraten hatten …“

„Nein, ich war niemals in der Wohnung von Frau P.“ „Nein, ich habe sie nicht geschlagen.“ „Nein – ich bin doch keine Killerin.“ Beteuerte Bronislawa Jarosz bei ihrem Prozess im August 2008. Die Geschwornen glaubten ihr nicht. Das Urteil: 18 Jahre Haft – wegen heimtückischen Mordes.

Frei – nach zwei Jahren im Gefängnis
Aber dann übernahm die Grazer Anwältin Karin Prutsch, Spezialistin für Medizin- und Strafrecht, die Causa – und engagierte zwei Sachverständige, die den Gesundheitszustand der nunmehr 82-Jährigen überprüfen sollten. Das Resultat dieser beiden Ärzte: Aufgrund eines schweren Herzleidens und einer beginnenden Demenz sei die Täterin mittlerweile nicht nur „völlig ungefährlich“ – sondern auch haftunfähig.

Prutschs Antrag auf Entlassung der alten Dame aus der Justizanstalt Schwarzau wurde in der Folge von den Behörden stattgegeben – seit kurzem ist Bronislawa Jarosz damit also wieder in Freiheit …

Martina Prewein

Bilder vom Tatort und alle Fakten zum Tathergang finden Sie im NEWS 5/10!

8.2.2010 10:49
waldgaenger, 08. 02. '10 18:33
ungeheuerlich
Geradezu eine Einladung an alte Menschen, Schwerverbrechen zu begehen. Es gibt genügend alte Menschen die sich darauf verlassen , haftunfähig zu sein, wenn es aufkommen sollte
maierhofer____, 06. 02. '10 23:53
Nur
weil sie alt ist?
Die soll ihre Strafe absitzen wie jeder andere, sonst kommen noch ältere Leute auf den Gedanken sich irgendwo für vermeintliche Ungerechtigkeiten rächen zu können.