Zu alt für Sühne? 82-jährige "Killer-Oma"
nach zwei Jahren Haft wieder entlassen
- NEWS: Maria P. 2008 wegen Mordes verurteilt
- "Ich wollte doch nur armen Menschen helfen"

2008 wurde die 82-jährige Maria P. wegen Mordes zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Jetzt kam sie frei. Weil sie als ,nicht mehr hafttauglich gilt: In einer frisch gebügelten, blau gemusterten Bluse, die weiß-grauen Haare in weiche Wellen gelegt, und mit einem milden Lächeln um den Mund sitzt die alte Frau jetzt da, auf der gemütlichen Küchenbank in dieser kleinen Wohnung im niederösterreichischen Korneuburg; und freut sich schon ziemlich auf das Mittagessen.
Ich bin sehr gläubig und ich bete viel. Eine kulinarische Spezialität von zuhause soll es heute geben, gedünstetes Huhn mit Karotten und Kartoffeln, mein Lieblingsgericht. Und während es am Herd leise köchelt und ihre Tochter eifrig in den Töpfen rührt, fängt die 1927 Geborene bei einer Tasse Hagebuttentee über sich zu erzählen an. Über ihr entbehrungsreiches Leben, früher, in Polen. Über ihre harte Jugend am Land; über ihre spätere Übersiedelung in die große Stadt, nach Krakau. Über ihren Mann, der immer so fleißig gewesen sei, so viel gearbeitet habe, als Taxifahrer und Kfz-Mechaniker, und der leider schon so früh sterben musste.Über ihren tiefen Glauben an die Mutter Gottes; über die langen Gebete, die sie täglich spreche. Über ihre geliebten Kinder; über ihren Enkel, auf den ich so stolz bin, weil er so brav lernt.
Ich wollte doch nur armen Menschen helfen.
Die alte Frau in der frisch gebügelten, blau gemusterten Bluse bescheiden wirkt sie, warmherzig, freundlich. Wie eine liebe Oma halt. Aber wahr ist auch: Bronislawa Jarosz gilt als die älteste Mörderin Österreichs; wochen-, monatelang hatte das ihr angelastete, grauenhafte Verbrechen einst für Schlagzeilen gesorgt
Fest steht: Als Maria P., eine 78-jährige, gehbehinderte Pensionistin, in ihrer Mezzanin-Wohnung genau in jenem Gemeindebau, in welchem Bronislawa Jarosz mit ihrer Tochter und deren Sohn bis dato lebt am 22. Oktober 2007 ermordet aufgefunden wurde, war der Verdacht rasch auf die betagte Nachbarin gefallen.
Drei Tage nach dem schrecklichen Verbrechen wurden Bronislawa Jarosz unter dringendem Tatverdacht und ihre Tochter wegen vermuteter Mitwisserschaft festgenommen. Fest steht weiters: In der Untersuchungshaft legte die alte Frau ein Geständnis ab: Ja, sie habe am Abend des 22. Oktober 2007 auf Maria P. eingeprügelt, in deren Wohnung, weil diese sie zuvor polnisches Schwein, das kein Recht hat, hier zu sein, geschimpft hätte.
Verurteilt wegen Mordes
Aber diese Aussage, behauptet Tochter Elisabeth B. nun, entsprach nicht der Wahrheit. Meine Mama hat sie nämlich einst nur gemacht, weil ihr im Gefängnis mehrere Zellengenossinnen zu solch einem Schuldbekenntnis geraten hatten
Nein, ich war niemals in der Wohnung von Frau P. Nein, ich habe sie nicht geschlagen. Nein ich bin doch keine Killerin. Beteuerte Bronislawa Jarosz bei ihrem Prozess im August 2008. Die Geschwornen glaubten ihr nicht. Das Urteil: 18 Jahre Haft wegen heimtückischen Mordes.
Frei nach zwei Jahren im Gefängnis
Aber dann übernahm die Grazer Anwältin Karin Prutsch, Spezialistin für Medizin- und Strafrecht, die Causa und engagierte zwei Sachverständige, die den Gesundheitszustand der nunmehr 82-Jährigen überprüfen sollten. Das Resultat dieser beiden Ärzte: Aufgrund eines schweren Herzleidens und einer beginnenden Demenz sei die Täterin mittlerweile nicht nur völlig ungefährlich sondern auch haftunfähig.
Prutschs Antrag auf Entlassung der alten Dame aus der Justizanstalt Schwarzau wurde in der Folge von den Behörden stattgegeben seit kurzem ist Bronislawa Jarosz damit also wieder in Freiheit
Martina Prewein
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