Samstag, 6. Februar 2010

In Österreich geht der weiße Tod um: Sechs Menschen bei Lawinenabgängen gestorben

  • Erhöhte Lawinengefahr in weiten Teilen des Landes
  • Experten mahnen Wintersportler zu großer Vorsicht
    Ötschergebiet: Vermisster Tourengeher tot geborgen

In weiten Teilen von Österreichs Bergen herrscht weiter erhebliche bis große Lawinengefahr. Vom Bregenzerwald und dem Arlberg ganz im Westen über die Nordalpen bis zu den Ybbstaler und Türnitzer Alpen im Osten sollten Wintersportler vorsichtig sein, empfahlen Experten. Eine ernstzunehmende Warnung, denn Lawinenabgänge haben bereits sechs Todesopfer gefordert: Zwei Snowboarder kamen in Salzburg abseits der Piste ums Leben. Ein 22-jähriger Deutscher starb im LKH Feldkirch, nachdem er 45 Minuten lang verschüttet war. Eine 29-jährige Oberösterreicherin kam auf dem Kasberg um. Am Sonntagsköpfl im Zillertal starb eine Tourengeherin aus Bayern. Und ein vermisster Tourengeher ist in Niederösterreich tot geborgen worden.

Die beiden getöteten Männer in Werfenweng - vermutlich Oberösterreicher - waren im freien Gelände unterwegs gewesen. Die Bergrettung fand die beiden Männer tot in einer Tiefe von circa 30 Zentimetern, doch hatten sie keine Luft zum Atmen.Der junge Deutsche aus Baden-Württemberg, der in Vorarlberg verstarb, war ebenfalls Snowboarder. Er hatte das Schneebrett gemeinsam mit drei Begleitern im freien Skiraum des grenzüberschreitenden Skigebiets Kanzelwand-Fellhorn (Kleinwalsertal) ausgelöst.

Fünf Lawinenabgänge an einem Tag
Allein an einem Tag gingen in Vorarlbergs Skigebieten insgesamt fünf Lawinen nieder. Bei den anderen Lawinenabgängen im Kleinwalsertal wurden insgesamt fünf Wintersportler zum Teil verschüttet, blieben aber unverletzt. Im Skigebiet Lech am Arlberg gab es keine Verschütteten. Dutzende Rettungskräfte waren im Einsatz.

Bei der Lawine im Zillertal konnte der Begleiter der getöteten Frau nach ersten Informationen der Bergretter erst Stunden nach dem Unglück einen Notruf über Handy absetzen. Erst in den Abendstunden wurde der Skitourengeher, der sich erst nach Einbruch der Dunkelheit aus den Schneemassen befreien konnte, lebend geborgen und ins Krankenhaus geflogen. Die Leiche seiner Freundin wurde erst nach 21.00 Uhr geborgen.

Die Frau auf dem Kasberg in Oberösterreich hatte keinen Lawinenpiepser bei sich. Sie wurde nach einer Stunde geborgen. Reanimationsversuche blieben erfolglos. 50 Einsatzkräfte waren hier im Einsatz. Ihre beiden Begleiter hatten sich vor den herannahenden Schneemassen in Sicherheit gebracht.

Vermisster Tourengeher tot geborgen
Ein vermisster 40 Jahre alter Tourengeher ist im Gebiet des Kleinen Ötschers in Niederösterreich tot geborgen worden. Das hat die Bergrettung Niederösterreich-Wien bestätigt. Nach dem Mann hatte es zuvor im sogenannten Grünloch im Gemeindegebiet von Lackenhof am Ötscher eine groß angelegte Suchaktion gegeben.

Hohe Lawinengefahr in allen Bundesländern
In Vorarlberg herrschte weiter erhebliche Lawinengefahr der Stufe 3 auf der fünfstufigen Gefahrenskala. Experten warnten unerfahrene Wintersportler davor, die gesicherten Pisten zu verlassen. Auch in den Nordalpen der Obersteiermark hat bis zu einem halben Meter Neuschnee das Gefahrenpotenzial auf Stufe 4 anwachsen lassen. Auch in den Niederen Tauern war mit Stufe 3, also erheblicher Gefahr, hohe Vorsicht geboten.

Erhebliche bis große Lawinengefahr auch in den Bergen im südwestlichen Niederösterreich: In den Ybbstaler Alpen gilt seit Mittwoch Stufe 4, in den Türnitzer Alpen Stufe 3. Die Lawinengefahr in Oberösterreich wurde vom Warndienst des Landes über 1.400 Meter Höhe als groß (Stufe 4), darunter als erheblich (Stufe 3) eingestuft. Das Auslösen von Schneebrettlawinen sei bereits bei geringer Zusatzbelastung möglich.

In Kärnten herrschte in den Hochlagen, vor allem in den Hohen Tauern, Stufe 3 (erheblich), da dort bereits durch das geringe Zusatzgewicht eines Tourengehers eine Lawine ausgelöst werden könne.
(apa/red)

6.2.2010 11:47