Freitag, 29. Jänner 2010

Zwei Dekaden im Modeuniversum und kein Ende in Sicht: FIRST über den Moss-Faktor

  • "Nichts schmeckt so gut, wie sich Dünnsein anfühlt"
  • Die Modeikone über ihre Tochter und ihre Pläne

Das Supermodel auf dem Sprung vom Catwalk in die Vorstandsetage. Nach zwei Dekaden im Modeuniversum ist ihr Kurs hoch wie nie. Ihr Business-Imperium, das Interview.

Sie plant nicht, sondern macht lieber Party. Modediktate kosten sie ein müdes Lächeln. In der Hochblüte des Manolo-Blahnik-Hypes ging sie auf Mokassins durch London und erhob die Durchschnittsmarke Minnetonka so über Nacht in den It-Label-Status. Auch die fragwürdige Gummistiefel-Renaissance haben wir ihr zu verdanken. Egal. Hochkonservative Multimillionen-Konzerne lieben sie trotz ihres Faibles für böse Jungs aus düsteren Rockschuppen, champagnergetränkte Nächte und Verirrungen im „Schneegestöber“. Nach einem bekennenden Drogensüchtigen, Babyshambles-Sänger Pete Doherty, liebt sie nun Jamie Hince, Gitarrist und Sänger der Band The Kills. Gleichgültig, das ist einfach die Welt von Kate Moss.

Im Universum des Supermodels waren eiserne Branchengesetze von jeher zahnlos. Ihnen zum Trotz wurde die nur 1,68 Meter kleine, flachbrüstige Göre aus Croydon, London, just in der Hochblüte der langbeinigen, kurvenbestückten Superfrauen wie Cindy Crawford, Linda Evangelista oder Helena Christensen zu „Kate the Great“. Nach 22 Jahren im schnelllebigen Modebiz hat dieser Titel noch immer keinen Staub angesetzt. Skandale, die Kolleginnen für immer in die ewigen Jagdgründe der Fashionindustrie verbannen würden, werden bei Moss zum Karriere-Boost: Zwölf Monate nach ihrem Kokainskandal 2005 sahnte sie 18 Modelverträge ab, unter anderen mit Donna Karan, Yves Saint Laurent und Roberto Cavalli, und verdiente mehr als je zuvor. 2007 brachte sie für die britische Modekette Topshop ihre erste eigene Kollektion in den Handel, sechs weitere Kollektionen folgten. Mit dem Parfum-Multi Coty entwickelt Moss erfolgreich ihre eigene Duftlinie, Hairstylist James Brown arbeitet mit ihr an einer eigenen Haarpflegeserie. Laut Business-Bibel Forbes war sie dank sechs Millionen Euro Jahresverdienst im vergangenen Jahr das bestverdienende Model hinter Gisele Bündchen. Vor allem hochkarätige Werbekampagnen für führende Modemarken wie Gucci, Dolce & Gabbana, Louis Vuitton, Versace, Calvin Klein, Roberto Cavalli, Chanel, Missoni, Longchamp, Dior, Yves Saint Laurent, Burberry, Stella McCartney oder Bulgari brachten der 36-Jährigen laut Sunday Times Rich List ein Vermögen von rund 45 Millionen Euro ein.

Kürzlich verstieg sich das Fliegengewicht zu der Aussage: „Nichts schmeckt so gut, wie sich Dünnsein anfühlt.“ Es sei eines ihrer Lebensmottos, verriet Moss leichtfüßig in einem Interview. Die öffentliche Kritik war bereits nach zwei Tagen verstummt.

Der Moss-Faktor gilt ungebrochen als Schlüssel zum Erfolg. Nach den ersten geglückten Schritten vom Catwalk in die Vorstandsetagen baut die Tochter einer Barkeeperin und eines Reisebüroangestellten ihr Imperium 2010 zur weltumspannenden Marke aus. Gemeinsam mit Musik- und TV-Mogul Simon Cowell (American Idol, Britain’s Got Talent, The X Factor) und dem britischen Milliardär Sir Philip Green arbeitet sie am Aufbau einer globalen Entertainmentfirma, die sich mit dem Disney-Konzern messen soll. Dank Greens finanziellem Background – er besitzt als neuntreichster Brite den Megakonzern Arcadia Group (Burton, Dorothy Perkins, Evans, Miss Selfridge, Outfit, Topshop/Topman, Wallis) – ein durchaus realistisches Vorhaben. Kate Moss wird Aushängeschild und Designchefin der neuen, noch namenlosen Marke, die laut Experten das Moss-Vermögen auf über 140 Millionen Euro vermehren könnte. „Kate Moss fungiert als Aushängeschild und Kreativchefin des Konzerns. Sie bringt ihr Designtalent ebenso ein wie ihr einzigartiges Netzwerk“, so der Businessbericht in der Daily Mail. „Kate hat Kontakte, die weder Simon Cowell noch Sir Philip Green haben, und beide wünschen sich, dass Kate ihnen beim Vernetzen hilft und dem Konzern den nötigen Hip-Faktor verleiht.“ Für Kate Moss ist es der logische Schritt aus dem Rampenlicht, das sie ohnehin nie liebte. „Menschen kaufen meine Kollektion nicht, weil sie aussehen wollen wie ich, sondern weil sie wissen, dass ich ein gutes Gespür für Trends und Mode habe. Ich weiß, was gut aussieht.“

Derart entspannt und selbstsicher blickt Kate Moss auch beim FIRST-Interview in die Zukunft. Ausführlich schwelgt sie in Anekdoten über ihre Tochter Lila Grace, 7, mit Magazin-Herausgeber Jefferson Hack, und schildert ihren unprätentiösen Alltag in ihrem Londoner Stadthaus in St John’s Wood.

LESEN Sie das Interview in FIRST 02/2010!

29.1.2010 16:02