Forscher widerlegen Sprichwort "stumm wie ein Fisch": Tiere sehr kommunikativ
- Afrikanische Wels-Art erzeugt Laute von klein auf
- Bei Gefahr und Auseinandersetzungen wird "geredet"

Von wegen "stumm wie ein Fisch": Schon bisher wusste man, dass zahlreiche Fischarten Laute produzieren und so mit ihren Artgenossen kommunizieren. Bisher ging man aber davon aus, dass dies Jungfischen aufgrund ihres schlechteren Hörvermögens nicht möglich wäre. Ein Team um den Bioakustiker Walter Lechner vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien hat die Entwicklung des Hörvermögens und der Lautbildung an einer kleinen afrikanischen Wels-Art untersucht. Dabei zeigte sich, dass Fiederbartwelse aller Altersstufen miteinander kommunizieren können.
Fiederbartwelse können durch Reiben von Brustflossenstacheln in Gelenkspfannen des Schultergürtels knarrende oder quietschende Laute erzeugen. Daher kommt auch ihr englischer Name "Squeaker" (Quietscher).
Bei Gefahr und Streit wird kommuniziert
Sie produzieren diese Laute, wenn sie von Räubern angegriffen werden und auch bei Auseinandersetzungen um Weibchen oder Verstecke. Dieses Verhalten untersuchte Walter Lechner im Rahmen seiner Dissertation vom kaum 2,5 Zentimeter langen Baby bis zum über 15 Zentimeter langen ausgewachsenen Fiederbartwelsen (Synodontis schoutedeni). Seine Arbeit erschien nun in der Fachzeitschrift "BMC Biology".
In schallisolierten Räumen wurden die Laute der Tiere aller Größenstufen mittels hochempfindlicher Unterwassermikrofone aufgezeichnet und das Hörvermögen durch Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns getestet. So konnten die Wissenschafter zeigen, dass sich das Hörvermögen der Fiederbartwelse im Laufe der Individualentwicklung ändert. Im tiefen und mittleren Frequenzbereich verbessert es sich mit zunehmender Größe, im hohen Frequenzbereich hören allerdings überraschenderweise die kleinsten Tiere am besten. Dies steht im Gegensatz zu bisherigen Forschungen über die nahe verwandten Goldfische und Zebrafische.
Die Studienergebnisse sollen auch zum Verständnis eines bis jetzt relativ wenig beachteten Problems beitragen, nämlich des Lärms in Gewässern. So ist bisher noch wenig untersucht, inwieweit sich vom Menschen verursachter Lärm, etwa durch Schiffe oder Freizeitaktivitäten oder die Erhöhung des Lärmpegels der Gewässer durch Flussbegradigungen, auf die Kommunikation und das Verhalten der Fische auswirkt und ob Lärm mit ein Grund für das Verschwinden bestimmter Arten aus manchen Gewässern ist.
(apa/red)
