Montag, 25. Jänner 2010

Deutsche Forscher entdecken eine Galaxie:
Hier entstehen Sterne "wie am Fließband"

  • Eine der ältesten bisher bekannten Staubgalaxien
  • Moderne Teleskope sollen neue Erkenntnisse bringen

Ein Astronomen-Team unter Leitung der Universität Bonn hat in zwölf Milliarden Lichtjahren Entfernung eine der ältesten bisher bekannten Staubgalaxien entdeckt. Sie existierte schon zu einer Zeit, als das Universum erst 1,5 Milliarden Jahre jung war. Damit sei sie die älteste ihrer Art, die bisher gefunden wurde, berichteten die Forscher.

Den Blick in die Kinderstube des Weltalls ermöglichte den Forschern um die Astronomin Kirsten Knudsen eine Art "natürliches Teleskop": Zufällig befand sich die neu entdeckte Staubgalaxie hinter einer Formation von massereichen Vordergrund-Galaxien. Durch die Schwerkraft dieser Galaxien wurde das Bild der Staubgalaxie gewissermaßen wie durch ein Fernrohr vergrößert.

Die neu entdeckte Galaxie gehört zu den schwach leuchtenden Staubgalaxien. Sie ist nur ein Zehntel so groß wie unsere eigene Galaxie, die Milchstraße. Allerdings ist sie bei weitem produktiver: Wie am Fließband entstehen in ihr neue Sterne - 100 Mal schneller als in unserer Muttergalaxie.

Das Sternensystem zählt zu den sogenannten Submillimeter-Galaxien. Diese sind nur sichtbar, weil der interstellare Staub in ihnen durch große Mengen junger massereicher Sterne erhitzt wird. Man hat bereits Submillimeter-Galaxien im frühen Universum gefunden, aber keine, die so schwach leuchtet. "Es ist aufregend zu sehen, dass es derart schwach leuchtende Galaxien damals überhaupt schon gab", sagt Kirsten Knudsen. "Unsere Beobachtung stellt gängige Theorien infrage, wonach die meisten Sterne in größeren und helleren Galaxien gebildet wurden."

Die kommenden Jahre werden nach ihrer Ansicht zeigen, ob die Staubgalaxie eine Ausnahmeerscheinung bleibt. Die Forscher hoffen dabei auf neue Teleskope wie das Atacama Large Millimeter Array in Chile, das in Kürze seine Arbeit aufnehmen wird. Die aktuellen Beobachtungen wurden mit vier Teleskopen auf Hawaii sowie dem Hubble Space Teleskop durchgeführt.

Die Wissenschafter haben ihre Entdeckung im Astrophysical Journal veröffentlicht.

(apa/red)

25.1.2010 15:55