Freitag, 29. Jänner 2010

Finanzwelt weht ein rauher Wind entgegen:
Obama und Sarkozy rücken Banken zu Leibe

  • Schärfere Regulierungen & Vorschriften debattiert
  • Bankenexperte Pichler: "Beschränkung ist möglich"

Gehören Banken an die Leine, um Finanzcrashs in Zukunft zu verhindern? Was seit über einem Jahr auf internationalen Gipfeln für hitzige Debatten sorgt, ist heuer auch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos angekommen: Die Regulierung der Finanzmärkte. Von der Finanzwelt heftig bekämpft, gewinnen schärfere Vorschriften auch unter den Politikern immer mehr Anhänger.

Nachdem US-Präsident Barack Obama mit Plänen zu einer Aufspaltung und Beschränkung von Finanzinstituten vorgeprescht ist, springen nun auch einflussreiche Persönlichkeiten Europas auf den Zug auf: Man müsse "gemeinsame Lehren aus der Krise" ziehen", betont Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, um der Finanzwelt ein neues Weltwirtschaftssystem aufzuerlegen. Zustimmung dafür fand Sarkozy bei Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank.

Wie genau eine Regulierung aussehen soll, steht aber noch in den Sternen. Stefan Pichler bekundet im Gespräch mit NEWS.at, dass eine "Beschränkung der Größe von Banken grundsätzlich möglich ist - immerhin hat man das bei Basel II ja auch durchgesetzt." Der Banken-Experte von der WU Wien gibt aber zu bedenken, dass es sich bei den Regeln "um ein konsistentes System" handeln muss, also ein Maßnahmenbündel erforderlich ist. So könnte man verhindern, dass Finanzinstitute aus stärker regulierten Finanzplätzen zu jenen Standorten abwandern, die mit mit lockereren Vorschriften locken.

Gefahr einer Abwanderung?
Genau davor warnen nämlich Vertreter großen Finanzinstitute: Lord Levene von Lloyds sieht in der Überregulierung eine große Gefahr. "Wir in London haben uns seinerzeit gefreut, als Washington Sarbanes-Oxley – ein strenges Überwachungsgesetz für US-Aktiengesellschaften – verabschiedete. Die City hat davon profitiert, weil große Unternehmen von New York nach London abwanderten", ließ er die "Zeit" wissen.

Dass sich große Player zu so einem Schritt durchringen, ist für Pichler allerdings kaum vorstellbar: "Eine Institut, das sich so etwas erlaubt wird geächtet und nicht mehr als Bank akzeptiert", ist der Bankenexperte überzeugt. So einfach hinnehmen wollen die großen Finanzakteure schärfere Regeln trotzdem nicht. Und das bedeutet gerade in Davos massive Lobbying-Arbeit, um den versammelten Entscheidungsträgern entsprechende Absichten auszureden.

"Ich glaube nicht, dass wir uns in die Richtung einer Aufteilung der Bankaktivitäten bewegen", wagt Patrick Odier, Präsident der einflussreichen Schweizer Bankiervereinigung, eine Prognose. Eine gewagte Einschätzung - denn der Wind, der der Finanzwelt entgegen bläst, wird zusehends rauher.
(mei)

29.1.2010 13:36
founder, 29. 01. '10 23:07
Vollkommene Degeneration zum Spielkasino
Früher vor langer Zeit die Finanzierung des Fortschritts. Eisenbahn, Stromnetz, Telephonnetz.
Heute ein Spielkasino. Da wird keine wichtige zukünftige Entwicklung finanziert, da wird nichts Nachhaltiges gemacht, reines Spielcasion - rene vaplue für den Fortschritt.