Mittwoch, 27. Jänner 2010

Applaus für Sarkozy in Davos: Präsident
forderte Reform des Weltwährungssystems

  • 40. Weltwirtschaftsforum in der Schweiz eröffnet
  • Motto des Treffens: "Zustand der Welt verbessern"

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat beim 40. Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos zu einer Reform des Weltwährungssystems aufgerufen. Frankreich werde dies 2011 auf die Agenda der G-8- und G-20-Präsidentschaft setzen, sagte Sarkozy am Schweizer Tagungsort.

Ein neues Bretton-Woods-Abkommen sei nötig, forderte der französische Staatschef vor den Wirtschaftsführern und Politikern aus aller Welt. Sarkozy, dessen Ausführungen von einem Teil des Publikums stehend applaudiert wurden, kritisierte das Währungsdumping und sprach von einer Krise der Globalisierung. Diese sei ins Schleudern geraten in einem Moment, wo der Markt immer vorbehalt- und grenzenlos Recht habe und die Ungleichgewichte zur Triebkraft geworden seien.

Sarkozy schießt scharf gegen Finanzkapitalismus
Nicht der Kapitalismus sei dabei in die Krise geraten, sondern der reine Finanzkapitalismus als Abart davon. Sarkozy kritisierte zugleich die Banken, die über den Börsenspekulationen ihre hauptsächliche Aufgabe in der Volkswirtschaft vernachlässigt hätten, nämlich die Vergabe von Krediten und die Bewertung der Risiken. "Lassen Sie sich nicht in eine Karikatur der Marktwirtschaft hineindrängen, das würden die Gegner nur allzu gerne tun", rief Sarkozy abschließend der WEF-Gemeinde entgegen.

Die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard forderte zuvor in ihren Grußwort Politik und Wirtschaft auf, nicht zu den Praktiken vor der Krise zurückzukehren. Eine Regulierung des Finanzsystems sei unbedingt nötig. Sie appellierte dabei insbesondere an die Bankiers, ihre Verantwortung wahrzunehmen und Strategien für nachhaltiges Wachstum zu unterstützen.

Keine Rückkehr zum alten System
Ein Rückkehr zum alten System sei nicht möglich, betonte auch WEF-Gründer Klaus Schwab zum Auftakt. Nach der Finanzkrise 2009 ortete er im laufenden Jahr die gesellschaftliche Krise. Diese könne leicht zur Generationenkrise werden, wenn die echte Problemlösung weiter aufgeschoben werde.

Die Jubiläumsveranstaltung in Davos steht unter dem Motto: "Den Zustand der Welt verbessern: überdenken, umgestalten, erneuern". Schon vor der offiziellen Eröffnung ging es um die Risiken einer ungleichgewichtigen Erholung der Weltwirtschaft, die von dem Boom in China angetrieben und der Arbeitslosigkeit in vielen Industrieländern gebremst wird. "China allein kann nicht der einzige Motor des globalen Wirtschaftswachstums sein", warnte Nouriel Roubini, Finanzwissenschaftsprofessor an der Universität New York, der wegen der Vorhersage der aktuellen Krise bekannt wurde.

(apa/red)

27.1.2010 20:55