Freitag, 29. Jänner 2010

Wovon Fußballer nur träumen: Handball- Euphorie im Land der Teamsport-Puristen

  • Größter Erfolg in Handball-Historie als Lichtblick

In Österreich existieren im Normalfall nur zwei Sportarten: Skifahren und Fußball. Und dabei scheint es ganz egal zu sein, ob es in diesen Bereichen rot-weiß-rote Erfolge zu verbuchen gibt oder nicht. Dass dieses stark reduzierte Interesse der breiten Öffentlichkeit sehr engstirnig gehalten ist, zeigte jetzt Österreichs Herren-Handball-Team wohltuend auf. Aufstieg in die EM-Zwischenrunde, am Ende - noch vor Deutschland (!) - Platz 9 und bei allen Spielen eine volle Halle – zumindest von den sportlichen Erfolgen konnten die Kicker vor und nach der EURO 2008 nur träumen.

Natürlich gab es auch in der Vergangenheit immer wieder Phasen, in denen Athleten abseits von Fußbällen und Torstangen die Euphorie in unserem Lande hochgehen ließen. Etwa Thomas Muster mit großen Tennis-Erfolgen in den 80er- und 90er-Jahren. Oder Altmeister Niki Lauda mit packenden Formel-1-Sonntagen in den 70er- und 80er-Jahren. Aber auch der zweifache Olympiasieger im Judo, Peter Seisenbacher. Man könnte an dieser Stelle noch weitere Würdenträger der österreichischen Sportgeschichte aufzählen - Fakt ist, sie waren zumeist Einzelsportler.

Natürlich ist die Euphorie auch besonders groß und berechtigt, wenn ein Gregor Schlierenzauer sämtliche Skisprung-Schanzen dieser Welt im Vorbeifliegen erobert. Oder wenn Hermann Maier wie der alpine Phönix aus dem Schnee zu einem der wohl größten Sportler aller Zeiten aufsteigt. Dennoch, Erfolge im Mannschaftssport geben der Begeisterung in einem Land nochmals einen Extraschub. Der flächendeckenden Identifizierung sportbegeisterter Menschen mit dem jeweiligen Team, den einzelnen Spielern und der Sportart im Allgemeinen scheinen dann keine Grenzen mehr gesetzt.

Und genau aus diesem Grund muss man Dagur Sigurdsson und der tollen Leistung seines Teams rundum Kapitän und Spielmacher Viktor Szilagyi hohen Respekt zollen. Sie haben bewiesen, dass man mit professioneller Arbeit und großer Motivation auch als kleines Österreich auf großer Bühne mithalten kann. Darüber hinaus ist zu hoffen, dass die Leistung der Handballer einen Prozess ins Rollen bringt, der künftig mehr Fördergelder auch in jene Teamsportarten fließen lässt, die vielleicht in Österreich noch nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Global gesehen muss sich das kleine runde Leder ohnehin nicht vor König Fußball und schon gar nicht vor den winterlichen Bergkünstlern verstecken. (jan)

29.1.2010 17:21