Dienstag, 26. Jänner 2010

Handball-Herren sorgen für Furore: Erfolg auch Auszeichnung für heimische Liga

  • aon Fivers-Manager Menzl betont großes Potenzial
  • Steigender Fokus der Spielermanager auf Österreich?

Auf Nationalteam-Ebene ist Österreichs Männerhandball in Europa angekommen. Das hat der Einzug in die Hauptrunde der Heim-EM in Wien eindrucksvoll bewiesen. Für die Handball Liga Austria (HLA) kann dieser Befund noch nicht gestellt werden. Das lässt sich am mageren Europacup-Abschneiden ebenso ablesen wie an der im Vergleich zu den Topnationen schwachen finanziellen Ausstattung. Thomas Menzl, Manager der aon Fivers Margareten und bis zum vergangenen Sommer Geschäftsführer der HLA, betonte dennoch das große Potenzial.

Mit Staunen schielt man nach Deutschland, wo der Handball große Popularität genießt und die Spitzenclubs mit Budgets von sieben, acht Millionen Euro jonglieren. Passenderweise verdingen sich acht Spieler des heimischen Kaders in der Nachbarliga. Dort verdienen die absoluten Topakteure, zu denen die rot-weiß-roten Spieler freilich nicht gehören, höhere sechsstellige Euro-Beträge, netto versteht sich. "In Österreich kommen die Topstars, und die sind an einer Hand abzuzählen, vielleicht auf ein Zehntel dieser Beträge", sagte Menzl.

Junge spielen für wenig Geld
Richtig reich wird in Österreich also keiner, gerade bei jungen Spielern ist es nur die Liebe zum Sport, der sie bewegt. "Junge bekommen teilweise 100, 150 Euro im Monat", betonte Menzl, "auch wenn sie schon in der Kampfmannschaft stehen. Da geht es einfach darum, hineinzuschnuppern." Und er führt das Beispiel seines Ex-Tormanns Thomas Bauer an, der am vergangenen Samstag im Spiel gegen Serbien mit Glanzparaden zum Matchwinner geworden war und seit dieser Saison in der zweiten deutschen Liga unter Vertrag steht. "Bauer hat bei uns für sehr wenig Geld gespielt", so Menzl.

Auch ein anderer seiner Ehemaligen, der 2005 eingebürgerte Mitte-Rückraum-Spieler Vitas Ziura, zeigte in den bisherigen EM-Partien für Österreich zumeist erstklassigen Handball. Ziura war im Sommer seiner Lebensgefährtin Gorica Acimovic nach Viborg gefolgt und hatte dafür sogar ein Angebot eines deutschen Erstligisten ausgeschlagen. "Ich bin sicher, dass sich nach der EM nicht nur dänische Vereine für ihn interessieren", sagte Menzl.

Beispiele wie diese, aber auch jene von Konrad Wilczynski und Nikola Marinovic, die in den vergangenen Jahren von Bregenz nach Deutschland gewechselt waren, sind ganz nach Menzls Geschmack: "Das zeigt, dass man sich in Österreich entwickeln kann, um dann den Schritt ins Ausland zu machen. In dieser Liga ist was drinnen." Die EM habe das unterstrichen und werde auch bei den internationalen Beobachtern ihre Spuren hinterlassen: "Es werden in Zukunft auch die Spielermanager ihren Fokus verstärkt auf Österreich legen."

(apa/red)

26.1.2010 15:43