Mittwoch, 27. Jänner 2010

Reinfried Herbst wie Alberto Tomba:
Double beim Nachtslalom in Schladming

  • Knacks angedichtet, aber mit Sieg Stärke gezeigt
  • Unkener nun endgültig Top-Favorit für Olympia

Das "Nightrace 2010" in Schladming als Knüller wohin man schaut: 50.000 Zuschauer Fans vor Ort, mehr als 1,5 Mio. verfolgten vor dem TV den spektakulärsten Slalom im Weltcup. Über allem aber thronte Sieger Reinfried Herbst, der nun endgültig Olympia-Favorit ist und sogar auf einer Ebene mit Alberto Tomba steht. Der 31-jährige Salzburger ist der Erste, der wie Tomba (1997 und 1998) zweimal in Folge den Schladming-Slalom gewonnen hat.

Und das, obwohl Herbst wie schon 2009 zuvor in Kitzbühel als Halbzeit-Führender ausgeschieden war. Etwas, was ihm auch schon in Adelboden passiert war. "Man hat mir schon einen psychischen Knacks angedichtet. Aber das lasse ich nicht aufkommen", machte Herbst klar, dass er sich nicht beeinflussen hatte lassen. Zu Hause bei der Familie hatte er Abstand gesucht, mit Sohn Felix (2) Lego gespielt. "Es ist wichtig, Sachen zu tun, die wichtiger sind als der Sport", so Herbst.

Dem Unkener war durchaus bewusst, was der da unter den Schladminger Flutlichtern geschafft hatte. Bei der WM 1991 in Saalbach habe er bei Tomba noch um Autogramme gebettelt. "Jetzt stellt man mich auf eine Stufe mit ihm!" Herbst hat in diesem Winter in allen sechs Slaloms zumindest einen Lauf in den Top Zwei beendet. "Ich würde aber trotzdem nicht sagen, dass ich der beste Slalomläufer der Welt bin. Wenn dann bin ich einer der Besten", blieb er bescheiden.

"Steh' mir oft selbst noch im Weg!"
Statistiken sind Herbst nach eigenen Angaben "ziemlich egal". Deshalb schmunzelte der Slalom-Spezialist auch nur darüber, dass sich die Geschichte aus dem Vorjahr wiederholt hatte. "Nur dass diesmal der Manni Pranger das durchmachen musste, was ich im Vorjahr in Schladming erlebt habe", litt Herbst ein wenig mit seinem Teamkollegen. Er selbst müsse hingegen trachten, nicht immer zu perfekt sein zu wollen. "Da steh' ich mir oft selbst noch im Weg!"

Herbst selbst sorgte freilich für eine weitere statistische Feinheit. Er beendete mit seinem zweiten Schladming-Triumph eine zehn Rennen umfassende Sieglosigkeit der ÖSV-Herren. Letzter ÖSV-Sieger war er selbst im Dezember beim Slalom in Alta Badia gewesen. Vor Silvan Zurbriggen und Pranger. Dem gleichen Einlauf wie nun auch in Schladming.

Wichtiger als alles andere ist Herbst aber das rote Slalom-Trikot. Nur drei Punkte liegt er zwei Rennen vor Schluss vor dem beständigen Franzosen Julien Lizeroux, der Slalom am kommenden Sonntag in Kranjska Gora wird vorentscheidend.

(apa/red)

27.1.2010 14:59