Dienstag, 26. Jänner 2010

"Volk ausgeblutet, gemartert & am Boden zerstört": Haiti benötigt jahrelange Hilfe

  • Wiederaufbau dauert mindestens fünf bis zehn Jahre
  • Auch Staatspräsident ist nach Erdbeben obdachlos

Das von einem Erdbeben schwer zerstörte Haiti hat die internationale Gemeinschaft um langjährigen Beistand gebeten. Das Land brauche mindestens fünf bis zehn Jahre lang Hilfe beim Wiederaufbau, sagte Ministerpräsident Jean-Max Bellerive bei der Geberkonferenz im kanadischen Montreal. Das Volk sei ausgeblutet, gemartert und am Boden zerstört. "Die Menschen von Haiti brauchen mehr und mehr und mehr Hilfe, um den Wiederaufbau zu schaffen."

An der Konferenz nahmen unter anderem US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr französischer Kollege Bernard Kouchner teil sowie Vertreter von weiteren zwölf Staaten. Bei dem Treffen sollten der akute Bedarf im Katastrophengebiet geklärt und erste Weichen für den Wiederaufbau gestellt werden. Finanzielle Zusagen standen zunächst nicht auf der Tagesordnung. Auch Haiti selbst wies Forderungen von Hilfsorganisationen beispielsweise nach einem Schuldenerlass vorerst zurück. "Angesichts der tatsächlichen Not, die herrscht, ist unser Schuldenproblem klein", sagte der Regierungschef. "Was wir brauchen sind langfristige Zusagen."

Finanzierung des Wiederaufbaus
Die Teilnehmerstaaten beschlossen eine internationale Konferenz zur Finanzierung des Wiederaufbaus für März an. Sie soll am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York stattfinden. "Wir versuchen das, in einer sinnvollen Reihenfolge zu tun", sagte Clinton. "Gelegentlich gibt es Geberkonferenzen, ohne dass man eine Idee davon hat, was man mit dem Geld anfangen will."

Die haitianische Regierung erwägt unterdessen, das Zentrum der beim Erdbeben zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince für eine Zeit lang abzuriegeln. Während dieser Zeit soll der Abriss und der Wiederaufbau bewerkstelligt werden. "Wir müssen die Menschen dazu bewegen, in ihre Heimatprovinzen zu gehen, indem wir dort die Lebensbedingungen verbessern", sagte Jean Baleme Mathurin, Wirtschaftsberater des haitianischen Regierungschefs. Nach seinen Worten haben bereits 400.000 der etwa 3 Millionen Einwohner die Stadt verlassen.

Dankbar für internationale Hilfe
Die haitianische Regierung sei dankbar für die große internationale Hilfe, die ins Land gekommen sei, sagte Mathurin. Jetzt komme es darauf an, den Menschen die Möglichkeit zu geben sich am Wiederaufbau aktiv zu beteiligen. "Wir haben jetzt die Möglichkeit Bedingungen zu schaffen, damit die Menschen in Würde in ihrem eigenen Land leben können", sagte der Wirtschaftsprofessor. "Das Land kann jedem die Möglichkeit zum Leben geben, wenn wir es schaffen, Schulen, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen auf dem Lande zur Verfügung zu stellen." Dadurch könne der Einwanderungsdruck auf Port-au-Prince vermindert werden, das ursprünglich nur für 300.000 Einwohner geplant worden sei.

Dass es nicht nur die Armen getroffen hat, zeigt der Fall des haitianischen Präsidenten René Préval: Er wird wie Tausende seiner Landsleute demnächst in einem Zelt leben müssen. Auch sein Haus wurde bei dem verheerenden Erdbeben zerstört. Préval werde in ein Zelt im Garten des eingestürzten Nationalpalastes ziehen, sagte Tourismusminister Patrick Delatour, der auch für den Wiederaufbau verantwortlich ist.

Notunterkünfte reichen nicht aus
Rund 10.000 Familienzelte stehen als Notunterkünfte in Haiti schon bereit, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Weitere 30.000 Zelte würde in Kürze erwartet. Aber dies wird nach Angaben nicht ausreichen, um alle Obdachlosen unterzubringen. Die Organisation schätzt, dass rund 100.000 Zelte gebraucht werden. Nach Schätzungen der UN wurden bei dem Beben rund eine Million Menschen obdachlos. Préval appellierte am Montag, Flugzeuge, die Zelte brächten, sollte eine vorrangige Landeerlaubnis bekommen.

Brasilianische Soldaten haben unterdessen damit begonnen, am Stadtrand von Port-au-Prince eine riesige Zeltstadt aufzubauen. Sie planierten rund fünf Hektar Land nördlich der Stadt. Es soll die erste von rund einem halben Dutzend Zeltstädten werden, die vor der Regen- und Hurrikansaison im Sommer fertig sein müssen.

(apa/red)

26.1.2010 09:53
Vasant, 26. 01. '10 15:25
Scheinheiligkeit und Nutzen!
Die EU hat 420 Millionen, die USA 89 Millionen und Japan
49 Millionen an Spenden für Haiti zugesagt.

In den drei größten Städten sind mehr als 50% der
Infrastruktur zerstört und in nur 6 Hilfslagern existiert
reines Trinkwasser.

Ein kompletter Wiederaufbau würde mindestens 10
Jahre und maximal 25 Jahre dauern bzw. sind dafür
7 Milliarden Euro mindestens notwendig.

Haiti hat enorme Erdölreserven, aber keine Mittel
um diese zu nutzen, also frag ich mich ... warum
sind aufeinmal so viele Länder daran interessiert
rasch zu helfen? Wegen der Opfer?

Der Tsunami in Phuket hat 165.000 Todesopfer
gefordert und nicht annähernd so schnell bzw. so
viel Hilfe erhalten!

Das sind Fakten und Tatsachen! Hier gehts meiner
Meinung nach nicht um Hilfe, sondern um Erdöl und
das im Namen des Mitleids
Vasant, 26. 01. '10 17:25
Glaube geht in Spendenlawine unter!
Egal auf welchen Seiten man derzeit unterwegs ist ... hab
jetzt z.B. auf myspace gesehen, dass man für HAITI auch
spenden kann! Mit "nur" 5 Euro sind sie ein Helfer, wird da
angekündigt und daneben steht gleich 4,83 Euro werden
für jede SMS als "Transportleistung" ebenfalls berechnet?

Also wenn das für den "Transport" der SMS ist, dann frag
ich mich ... wem helfe ich denn da? Dem Betreiber der
Seite?

Ich denk mir einfach, dass derzeit sehr viele mit dem
Leid anderer (wie auch bei anderen Sachen) einfach nur
Geld machen wollen und den Glauben in Spenden bzw.
deren "Betreiber" habe ich bereits vor langer Zeit
verloren! Auf der Strecke bleiben dann leider auch
die wirklich Bedürftigen, weil der Glaube an Hilfe
durch Geschäftemacher zerstört wird!


Meine Meinung dazu!