Samstag, 30. Jänner 2010

"Imperialismus der Geberländer": Haiti übt Kritik an fehlender Koordination bei Hilfe

  • Regierung in internationale Projekte nicht involviert
  • Zahlreiche Gewalttaten durch geflohene Verbrecher

Der haitianische Präsident Preval hat fehlende Koordination bei der internationalen Hilfe kritisiert. "Viele Länder engagieren sich und haben guten Willen, zu helfen. Aber unsere Regierung wird nicht eingebunden, und man stimmt sich nicht ab", sagte er am provisorischen Sitz der Regierung in einem Polizeigebäude nahe des Flughafens in Port-au-Prince.

"Die Hilfe geht direkt an die ausländischen Organisationen", sagte er. Der Präsident von Ecuador, Rafael Correa, der zuvor mit Preval zusammengetroffen war, sprach von einem "Imperialismus der Geberländer". "Sie geben zwar Geld, aber der größte Teil fließt an sie zurück", sagte er bei der gemeinsamen Pressekonferenz.

Daher will die Regierung demnächst einen eigenen Nothilfe-Koordinator ernennen. Ein Regierungssprecher gab die Zahl der Toten unterdessen mit bis zu 180.000 an, 10.000 mehr als bei der vorigen Bilanz. "Es werden noch immer Opfer gefunden", sagte er.

Voreiliger Wiederaufbau?
Die Regierung will zudem verhindern, dass die Menschen die Häuser ohne jede Planung wieder aufbauen. Sie wolle eine Strategie entwickeln, um die neuen Häuser sicherer zu bauen und die alten Fehler zu vermeiden, sagte Vincenzo Pugliese, Sprecher der UNO-Mission in Haiti, in Port-au-Prince. Die Regierung verbietet außerdem den Weiterverkauf von Lebensmitteln, die gratis von Hilfsorganisationen verteilt werden. "Wer sich nicht daran hält, soll festgenommen werden", sagte Pugliese.

Ärzte in Haiti berichten unterdessen, dass man dringend Antibiotika und chirurgische Hilfsmittel benötige, um weiterhin tägliche Tausende Verletzte behandeln zu können. Nach Angaben von Helfern steht die Lieferung von Medikamenten generell nur an dritter Stelle hinter Lebensmitteln und Zelten. Allerdings sei der Bedarf so gewaltig, dass es einfach nicht möglich sei, die Vorräte schnell genug nach Haiti zu bringen, heißt es.

Gewalttaten steigen weiterhin an
Auch die Gewalt in Haiti nimmt weiter zu: Obdachlose Frauen werden zunehmend Opfer von Gewaltangriffen durch aus den Gefängnissen geflohene Verbrecher. Helfer berichteten von einer angespannten Sicherheitslage. Dorthin, wo wirklich Hilfe benötigt werde, traue sich niemand, berichteten Ärzte. (apa/red)

30.1.2010 19:17
Ferdiburli, 30. 01. '10 20:14
Das ist typisch ...
das Land selbst nicht im Griff haben, dann, nach erfolgter Ersthilfe, kritisieren ...