Freitag, 29. Jänner 2010

Gewalt gegen Frauen nimmt in Haiti zu:
Entflohene Häftlinge treiben ihr Unwesen

  • Frauen und Mädchen im Visier von Banditen
  • Dominikanische Republik will zweite Konferenz

Gut zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti werden obdachlose Frauen zunehmend Opfer von Gewaltangriffen durch aus den Gefängnissen geflohene Verbrecher. Laut Polizei werden Frauen und Mädchen, die in Zelten Zuflucht gesucht haben, von Banditen belästigt und vergewaltigt. Die Dominikanische Republik will eine zweite Konferenz für den Wiederaufbau Haitis organisieren.

Polizeichef Mario Andresol machte rund 7.000 verurteilte Kriminelle für die Zunahme der Gewalt verantwortlich, die nach dem Erdbeben aus zerstörten Gefängnissen entkommen waren. "Wir haben fünf Jahre gebraucht, um sie zu fassen, und heute laufen sie frei herum und werden uns Probleme bereiten", sagte der Polizeichef. Offizielle Zahlen zu den Opfern gibt es nicht, Frauenorganisationen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince alarmierten allerdings die Vereinten Nationen.

Die Polizei als einzige Ordnungsmacht des Karibikstaates zählte vor dem Erdbeben rund 8.000 Beamte. Mindestens 70 Polizisten seien ums Leben gekommen, rund 400 verletzt worden, sagte Andresol. 500 würden noch vermisst. Von gut 6.000 Polizisten aus dem Hauptstadtgebiet hätten sich zwei Wochen nach dem Beben nur 3.400 zurückgemeldet.

75 Prozent der Hauptstadt vernichtet
In der Region bemühen sich die Vertreter weiter um eine bessere Koordinierung der Hilfen. Die Dominikanische Republik will am 14. April eine zweite Konferenz für den Wiederaufbau seines zerstörten Nachbarlandes veranstalten. Das Treffen werde auf Bitten des haitianischen Präsidenten Preval organisiert, kündigte der dominikanische Außenminister Troncoso an.

Bisher gingen nach UN-Angaben 2,02 Milliarden Dollar an Hilfszusagen ein oder wurden zugesagt. Der stellvertretende UN-Sondergesandte für Haiti, Paul Farmer, sagte, 75 Prozent von Port-au-Prince seien durch das Erdbeben vom 12. Jänner zerstört worden.

(apa/red)

29.1.2010 07:43
Woodentree, 29. 01. '10 08:39
Same old.
Wie kann man so blind sein, dass das nicht klar gewesen sein müsste? Selbst wenn es keine geflohenen Gefängnissinsassen wären, Frauen und Mädchen sind in Not- und Kriegsituationen immer diejenigen, die der meisten unnötigen Gewalt ausgesetzt sind. Der Schutz der Überlebenden sollte neben Nahrung und Wasser Top-Priorität haben. Lernen wir nichts aus vergangenen Katastrophen? Offensichtlich nicht..