Mit den Taliban Frieden schließen? Auf der Suche nach einer Lösung für Afghanistan
- UNO schließt Regierungseinbindung nicht mehr aus
- Afghanen sollen Friedensprozess selbst anführen

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Als Kurt Beck noch Vorsitzender der deutschen Sozialdemokraten war und 2007 bei einem Besuch in Kabul öffentlich über Verhandlungen mit moderaten Taliban nachdachte, löste er einen Sturm der Entrüstung aus. Die CDU nannte den Vorschlag "abstrus". Der damalige afghanische Außenminister Rangeen Dadfar Spanta spottete, dann könne Beck auch eine Koalition mit einer "moderaten NPD" eingehen. Beck war seiner Zeit aber voraus.
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle spricht heute zwar nicht von Verhandlungen mit den Taliban, schlägt aber ein Programm für jene vor, die dem Terrorismus abschwören wollen. Ihnen solle eine soziale und wirtschaftliche Perspektive geboten werden. Es gehe um einen "völlig neuen Ansatz zur Wiedereingliederung von Aufständischen in die Gesellschaft".
Einbindung aller Taliban
Vor der Afghanistan-Konferenz am Donnerstag in London ist deutlich geworden, dass an einer Einbindung der Taliban kaum noch ein Weg vorbeiführt - und gemeint sind nicht nur gemäßigte. Die Staatengemeinschaft vertritt die Auffassung, dass ein Friedensprozess mit den Taliban nur von den Afghanen selber angeführt werden kann. Die Vereinten Nationen sind zur Vermittlung bereit.
In seiner Rede zur Amtseinführung kündigte Präsident Hamid Karzai im vergangenen November eine Große Ratsversammlung an, die dem Land endlich Frieden bringen soll. Ein Datum für die Loya Jirga nannte er nicht, aber er sagte: "Wir laden unzufriedene Landsleute, die keine direkten Verbindungen zum internationalen Terrorismus haben, dazu ein, in ihr Heimatland zurückzukehren." Im Klartext: Die Taliban sollen sich vom Terrornetz Al-Kaida distanzieren.
Politische Lösung einzige Alternative
Die afghanischen Taliban haben ihrerseits im vorigen Jahr behauptet, sie verfolgten mit ihrem Aufstand keine internationalen Ziele - anders als Al-Kaida. Ein europäischer Afghanistan-Experte, der anonym bleiben möchte, sagt, es gebe Hinweise, dass Angehörige der Taliban-Führung nach mehr als acht Jahren im Exil in ihre Heimat zurückkehren wollten. Zu einer politischen Lösung unter Einbeziehung aller Kräfte gebe es keine Alternative. Daran ändere auch der Widerstand in westlichen Parlamenten gegen Verhandlungen mit Terroristen nichts. In der ganzen Dritten Welt seien Aufstandsbewegungen, mit denen schließlich doch Kompromisse erzielt wurden, zunächst als Terroristen gebrandmarkt worden.
(apa/red)
