Mittwoch, 27. Jänner 2010

"Fahrlässige Nutzung direkter Demokratie":
Opposition zerpflückt Wiens Volksbefragung

  • ÖVP, Grüne und FPÖ orten Suggestivfragen der SPÖ
  • "Das sind No-na-Fragen und Selbstverständlichkeiten"

Die für Mitte Februar angesetzte Volksbefragung war einmal mehr Gegenstand heftiger politischer Debatten im Gemeinderat. Die Rathaus-Opposition übte dabei scharfe Kritik an den "Suggestivfragen" und bezichtigte die SPÖ, das Instrument der direkten Demokratie zu verballhornen und Wahlkampf auf Kosten der Steuerzahler zu betreiben. Die Sozialdemokraten wiesen die Kritik umgehend zurück.

ÖVP-Klubobmann Matthias Tschirf, dessen Partei den Urnengang in der Aktuellen Stunde unter dem Titel "Die SPÖ Volksbefragung - suggestive Fragen, irreführende Behauptungen, sündteure Steuergeldverschwendung" thematisiert hatte, sprach von einem "demokratiepolitisch bedenklichen Spiel". Direkte Demokratie so fahrlässig einzusetzen sei ein Skandal. Tschirf bezifferte die Kosten mit sieben Mio. Euro, "wobei wir nicht einmal wissen, wofür das alles verwendet wird". Die bisher letzte Volksbefragung mit einer Wahlbeteiligung von 43,7 Prozent im Jahr 1991 habe 5,5 Mio. Schilling (363.364 Euro, Anm.) gekostet. Dass sich die SPÖ nun mit 25 Prozent Beteiligung zufriedengebe und damit die Latte so niedrig lege, sei beschämend.

"SPÖ-Umfrage auf Kosten der Stadt"
In eine ähnliche Kerbe schlug die grüne Klubchefin Maria Vassilakou. Hier werde eine SPÖ-Umfrage auf Kosten der Stadt veranstaltet, was sie nicht überrascht habe, nichtsdestotrotz jedoch bedauerlich sei. Die Sozialdemokraten seien - wie man bei Wahlen in anderen Bundesländern gesehen habe - derzeit mit massiven Mobilisierungsschwierigkeiten konfrontiert. Unfassbar sei zudem die Vorgangsweise gewesen, der Opposition zu suggerieren, man wolle hinsichtlich der Fragen eine gemeinsame neutrale Formulierung finden. Außerdem wüssten die Teilnehmer nicht einmal, worüber sie eigentlich abstimmen, wobei Vassilakou auf das Beispiel City-Maut verwies.

Johann Herzog, nicht amtsführender Stadtrat der FPÖ, kritisierte die Volksbefragung als "Verballhornung der direkten Demokratie". Es sei schade um die Millionen, die hier zum Zweck der Wahlkampfführung seitens der SPÖ ausgegeben würden. Die Themen, welche die Bevölkerung von 11. bis 13. Februar mit "Ja" oder "Nein" beantworten könnten, seien darüber hinaus keine kontroversiellen, weder in der Bevölkerung noch im Stadtparlament. "Das sind No-na-Fragen und Selbstverständlichkeiten", weshalb auch die Wahlbeteiligung entsprechend niedrig ausfallen werde.

"Fragen nach der Stimmung"
SPÖ-Klubchef Siegi Lindenmayr ließ die einhellige Kritik der Opposition nicht gelten: "Wir legen keine ausformulierten Gesetzesentwürfe vor, sondern fragen nach der Stimmung." Es gebe zu den Themenkomplexen unterschiedliche Weltanschauungen, die man nun zur Abstimmung vorlege. Im Gegensatz zu den anderen Parteien seien die Sozialdemokraten nicht so überheblich, schon im Vorfeld zu sagen, welche Meinung die Wiener zu den gestellten Fragen hätten.

Bei der Wiener Volksbefragung können die Bürger über insgesamt fünf Themen abstimmen: City-Maut, 24-Stunden-Betrieb der U-Bahn am Wochenende, Wiedereinführung der Hausmeister, flächendeckender Ausbau der Ganztagsschulen und verpflichtender Hundeführschein für Kampfhundehalter. Mit der Versendung der Stimmzettel wurde am Montag begonnen. Das offizielle Endergebnis samt Briefwahlergebnis soll am 24. Februar bekanntgegeben werden.

(apa/red)

27.1.2010 13:16
Ibikus, 02. 02. '10 10:40
Wien ist anders.....
diese "Warntafeln" sind an jeder Ortseinfahrt angebracht und sehr aussagekräftig. Dass in Österreich die Bevölkerung verarscht wird - besonders in Wien - liegt an der Führung des Landes. Gibt es noch einen Tag an dem nicht ein Skandal aufgedeckt wird? Dabei gibt es in Wien doch den Donauturm von dem einige Springen könnten, nicht von einer Brücke (Salzburg), ist sicherer!!!!!!!! aber BITTE ohne Fallschirm.
Viennese, 28. 01. '10 15:49
Pure Geldverschwendung
Wenn die Wiener SPÖ wirklich etwas hätte ändern wollen, dann wäre die letzten 5 jahre Zeit genug gewesen. Die Hausmeister waren NIE verboten oder abgeschafft. Es waren die bedingungen mit denen die Hausmeister entlohnt wurden! Nochmals ( aus einer Aussage eines Direktors der größten Wohnbaugenossenschaft: Wir zahlen biszu €7000.- für einen Hauswart!). Hundeführerschein war bereits vor 3 Jahren ein Thema, Resultat die Schilder für das Sackerl mit Gackerl. U-Bahn : In ganz Europa fahren die U Bahnen nachts, wir sind ja angeblich die Nr.1 in Europa. Alle positiven Ereignisse welche heute in Wien stattfinden, sind mehr oder weniger von Helmuth Zilk ins rollen gebracht worden. Wie die SPÖ heute aussieht zeigt doch das Bild mit Schneider, Flecker &Co. >Wie eine Strotterversammlung.
sidestep, 28. 01. '10 08:07
Ein Armutszeugnis
An dieser "No-Na-Befragung" kann man erkennen, wie der Berufsalkoholiker Angst um seine Position in Wien hat.
Vasant, 28. 01. '10 14:39
SPÖ ist in zwei Dingen Weltmeister!
1) Saufen anstatt arbeiten
2) Steuergelder hirnlos verbrennen
surfersilvio, 27. 01. '10 13:46
direkte demokratie
sicher kostet das ganze recht viel, ich finde die möglichkeit, direkt abzustimmen aber super. auf www.wienwillswissen.at kann man außerdem alle themen diskutieren.
ProfAlois, 28. 01. '10 12:29
Re: direkte demokratie
Nein, nein. Das ist pure Verar...e. Die mit absoluter Mehrheit regierende Partei, die die Möglichkeit hat, alles durchzusetzen, was sie für richtig befindet, hält kein halbes Jahr vor der nächsten Wahl eine Befragung ab. Wobei in die Formulierung die Opposition nicht eingebunden wird. Am Stimmzettel steht zusammengefasst drauf: In Wien ist alles super - Wollen Sie, dass es a) noch superer oder b) ganz schlecht wird.
Ich habe nichts angekreuzt und meine Meinung dazu sehr direkt auf den Stimmzettel geschrieben. Mögen andere es mir gleich tun.