Wenn die Kärntner Sonne verschwindet...:
Über das verlöschende Erbe des Jörg Haider
- NEWS.at-Kommentar zu seinem 60. Geburtstag

Am 26. Jänner wäre Jörg Haider 60 Jahre alt geworden. Obwohl der im Oktober 2008 tödlich verunglückte Landeshauptmann immer noch präsent zu sein scheint, lassen die Entwicklungen der letzten Wochen den Verdacht aufkommen, dass die sogenannte "Kärntner Sonne" bald am Horizont verschwinden wird.
Politische Heimat hat der langjährige "Landesfürst" keine wirkliche mehr. Im derzeitigen Kärntner Parteien-Wirrwarr beansprucht zwar das FPÖ/FPK-Geflecht Haiders Erbe für sich. Doch sprachen sich gegen diese Wiedervereinigung sowohl Haiders Mutter Dorothea als auch dessen Schwester Ursula Haubner aus. Abgesehen davon wirken die Argumente der Scheuchs und Straches, um Haiders Einverständnis vorzutäuschen, nur allzu konstruiert.
Wäre da noch das BZÖ, das sich zu Recht als Partei des Jörg Haider bezeichnen darf. Allerdings ist von diesem Bündnis nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Die stärkste Landesgruppe ist mitsamt Landeshauptmann, Landesregierung und Obmann abgewandert und in den restlichen acht Bundesländern verwehrte der Wähler den Zutritt in die jeweiligen Landtage. Bliebe als (oranger) Fels in der Brandung noch der Parlamentsklub auf Bundesebene, der aber stetig an Größe verliert. Nach dem Rausschmiss des Salzburger Abgeordneten Erich Tadler sind es derzeit noch 16 Mandatare. Tendenz fallend.
Jörg ... wer?
Politische Auflösungserscheinungen alleine wären für das Haidersche Lager wohl noch zu verkraften gewesen, hat man dem BZÖ ja bereits direkt nach seinem Tod ein zeitiges Ende prophezeit. Schlimmer für alle Haider-Jünger muss aber die scheinbar schwindende Beliebtheit des Kärntner Übervaters sein. Hat diese vor seinem Tod gar "lebensmenschliche" Ausmaße angenommen - die zigtausend Gäste an den Trauerfeierlichkeiten dienen hier als unwiderlegbarer Beweis - so verliert der Name Jörg Haider zusehends an Glanz. Die ihm gewidmete Ausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum beispielsweise haben bisher knapp 4.000 Besucher angelockt. Erhofft hatte man sich 70.000. Und ein Porsche 911, der einst Haider gehörte, fand keinen Abnehmer. 45.000 Euro für den dunkelblauen Flitzer wollte einfach keiner berappen.
Am 31. Jänner lädt das Land Kärnten zu einer Gedenkmesse in den Gurker Dom. Einen Tag zuvor wird das "Jörg-Haider-Gedenkrennen" am Katschberg durchgeführt. Nur noch Zwischenetappen, bis die "Kärntner Sonne" endgültig am Horizont verschwindet?
(hoa)
