Donnerstag, 21. Jänner 2010

Endet Gerechtigkeit auf dem Lohnzettel?
Debatte über Managergehälter ist entbrannt

  • Einkommensunterschiede dramatisch angewachsen
  • Beyrer: "'Debatte in Österreich nicht angemessen"

Wieviel ist ein Manager eigentlich wert? Darf ein Vorstandsdirektor das 50-fache seiner Mitarbeiter verdienen? War es vielleicht sogar die Gier von Führungskräften, die uns in die größte Krise seit 70 Jahren getrieben hat? Eine hitzige Debatte, die in den USA längst erbittert geführt wird, beginnt nun auch hierzulande Fuß zu fassen: Die Frage nach Gerechtigkeit auf den Gehaltszetteln unserer Wirtschaftslenker.

Für Werner Muhm ist das Verhältnis zwischen Einkommen und Leistung unserer Spitzenmanager nämlich längst aus den Fugen geraten. Verdiente eine Spitzenkraft in einem heimischen börsennotierten Unternehmen zur Jahrtausendwende noch das 20-fache Gehalt seiner am niedrigsten entlohnten Mitarbeiter, ist der Multiplikator inzwischen bei 48 angekommen, rechnet der Direktor der Arbeiterkammer Wien vor. Seine Forderung: Gesetzliche Regelungen, die Unternehmen dazu zwingen, die Gehälter ihrer Spitzenkräfte in einem "angemessenen" Verhältnis zu den Mitarbeiterlöhnen zu halten.

Eine mutige Forderung, der Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinung, allerdings wenig abgewinnen kann: "Wir führen in Österreich eine Debatte mit Fakten aus anderen Ländern. Wenn Manager an der Wall Street nach einem schlechten Jahr Boni kriegen, haben viele dafür kein Verständnis. In Österreich gibt es diese Exzesse aber nicht. Die Debatte ist der Sachlage in Österreich also nicht angemessen und eigentlich nur populistisch", so Beyrer gegenüber NEWS.at.

Auf Vorbehalte stößt Muhms Vorstoß auch im Wirtschaftsministerium: "Angesichts der großen internationalen Vernetzung österreichischer Unternehmen sehe ich eine nationale gesetzliche Regelung zur Begrenzung von Managergehältern und Boni sehr skeptisch", lässt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner NEWS.at wissen. Als sinnvoller erachtet der VP-Minister Regelungen, zu denen sich Unternehmen auf freiwilliger Basis bekennen sollen: "Entsprechende Empfehlungen sieht auch der neue österreichische Corporate-Governance-Kodex vor, der mit dem Jahreswechsel in Kraft getreten ist", erläutert Mitterlehner.

Ungleichheit als Ursache der Krise?
Für Brigitte Unger, Wirtschaftsprofessorin an der Universität Utrecht, weist die Frage nach Managergehältern neben einer moralischen auch eine praktische Komponente auf: "So lange die Verteilung der Einkommen auseinander klaffen, haben wir immer wieder neue Krisen."

Spitzengehälter als Ursache für die Krise? Diesen Zusammenhang sieht Mitterlehner in dieser Form nicht: "Generell halte ich es für verfehlt, das Problem der Wirtschaftskrise einzig und allein an Managerbezügen aufzuhängen", um darauf hinzuweisen, dass die Einkommensungleichheit in Österreich geringer ausfällt als im OECD-Durchschnitt. Doch gerade der Hinweis auf andere OECD-Staaten könnte die Debatte hierzulande weiter anheizen: Denn in den USA, Frankreich, Großbritannien, Spanien oder auch den Niederlanden ist die Diskussion um Managerbezüge längst voll entbrannt.
(mei)

21.1.2010 09:39
Vasant, 21. 01. '10 11:08
Dazu sag ich nur eines ....
Gerechtigkeit ist NIE bis zum Lohnzettel gekommen;)
Ivoir, 22. 01. '10 00:15
Re: Dazu sag ich nur eines ....
Stimmt! Bis zu meinem auch nicht!
antikapitalist, 22. 01. '10 07:49
Re: Dazu sag ich nur eines ....
STIMMT NICHT,VASANT:ARBEITSLOSENUNTERSTÜTZUNG FINDE ICH FAIR!!!!!!!
drache68, 21. 01. '10 08:58
Umverteilung
Wir erleben eine Umverteilung des Vermögens von unten nach oben. In der USA stellen sich die Eliten gegen eine allgemeine Krankenversicherung. In Österreich reden wir von einem Transfer- Konto. Sogar der Wegfall der Grenzkontrollen innerhalb der EU ist eine solche. Durch gewonnene Zeit wegen dem Wegfall der Kontrollen, können vor allen die Speditionen mehr verdienen. Es versteht sich von selbst, dass der LKW Fahrer dabei leer ausgeht.

Untern dem Strich gesagt, die Reichen werden immer Reicher und die Armen immer ärmer. Schöne neue Welt.
Vasant, 21. 01. '10 11:14
Re: Umverteilung
Das ist absolut richtig! Und der nächste Schritt ist, dass
die sog. Reichen das Geld auch nicht gestreut verteilen,
sondern nur an einige wenige weitergeben und somit
keine idealer Kreislauf für die "untere" Schicht zum
Leben besteht.

Das war ja auch das Ziel der EU, die ja von vielen Staaten
die ein mega Defizit haben (wie auch Österreich) trotzdem
Millionen Zahlungen verlangen, die dann irgendwo in div.
Kanälen verschwinden.

Die offenen Grenzen haben uns Sicherheit genommen und
Verbrechen gefördert und wie du richtig sagst, anderen
viel Geld gebracht! Die EU war das größte Übel für Europa!

Bestes Beispiel Amerika ... und sogar die Fahne mit den
Sternen hat die EU kopiert, weil man so sein wollte und
plötzlich war man in der gleichen Krise wie Amerika, weil
man nicht anders war!
sidestep, 21. 01. '10 08:20
Warum nicht?
Dazu gibt es nur eines zu sagen: Lenkt ein Manager seinen Betrieb so, dass dieser wirtschaftlich super dasteht und von dieser Wirtschaftlichkeit auch die Mitarbeiter profitieren können, dann soll der verdienen so viel er will, egal in welcher Höhe. Treibt er aber den Betrieb in den wirtschaftlichen Ruin und kann ihm dabei eine Schuld nachgewiesen werden, hat er mit seinem Privatvermögen zu haften und wenn ihm dieses bis auf das Existenzminimum gekjürzt wird. Aus und Ende!
clsc, 21. 01. '10 08:51
Re: Warum nicht?
Die entscheidende Frage stellt sich jedoch, wenn der Eigentümer nicht eine natürliche Person ist. Wer entscheidet nach welchen Kriterien, ob ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist? Sind manipulierbare oder durch weltwirtschaftliche oder politische Zufälligkeiten veränderbare Börsenkurse eine brauchbare Beurteilungsgrundlage? Die vergangene Krise hat bewiesen, dass es das nicht ist! Ohne objektive, wissenschaftlich erstellte,hinterfragbare und überprüfbare Beurteilungskriterien sind solche Entscheidungen über wirtschaftlichen Erfolg sehr fragwürdig.