Endet Gerechtigkeit auf dem Lohnzettel?
Debatte über Managergehälter ist entbrannt
- Einkommensunterschiede dramatisch angewachsen
- Beyrer: "'Debatte in Österreich nicht angemessen"

·Managergehälter
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Steuern auf Manager-Boni
Wieviel ist ein Manager eigentlich wert? Darf ein Vorstandsdirektor das 50-fache seiner Mitarbeiter verdienen? War es vielleicht sogar die Gier von Führungskräften, die uns in die größte Krise seit 70 Jahren getrieben hat? Eine hitzige Debatte, die in den USA längst erbittert geführt wird, beginnt nun auch hierzulande Fuß zu fassen: Die Frage nach Gerechtigkeit auf den Gehaltszetteln unserer Wirtschaftslenker.
Für Werner Muhm ist das Verhältnis zwischen Einkommen und Leistung unserer Spitzenmanager nämlich längst aus den Fugen geraten. Verdiente eine Spitzenkraft in einem heimischen börsennotierten Unternehmen zur Jahrtausendwende noch das 20-fache Gehalt seiner am niedrigsten entlohnten Mitarbeiter, ist der Multiplikator inzwischen bei 48 angekommen, rechnet der Direktor der Arbeiterkammer Wien vor. Seine Forderung: Gesetzliche Regelungen, die Unternehmen dazu zwingen, die Gehälter ihrer Spitzenkräfte in einem "angemessenen" Verhältnis zu den Mitarbeiterlöhnen zu halten.
Eine mutige Forderung, der Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinung, allerdings wenig abgewinnen kann: "Wir führen in Österreich eine Debatte mit Fakten aus anderen Ländern. Wenn Manager an der Wall Street nach einem schlechten Jahr Boni kriegen, haben viele dafür kein Verständnis. In Österreich gibt es diese Exzesse aber nicht. Die Debatte ist der Sachlage in Österreich also nicht angemessen und eigentlich nur populistisch", so Beyrer gegenüber NEWS.at.
Auf Vorbehalte stößt Muhms Vorstoß auch im Wirtschaftsministerium: "Angesichts der großen internationalen Vernetzung österreichischer Unternehmen sehe ich eine nationale gesetzliche Regelung zur Begrenzung von Managergehältern und Boni sehr skeptisch", lässt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner NEWS.at wissen. Als sinnvoller erachtet der VP-Minister Regelungen, zu denen sich Unternehmen auf freiwilliger Basis bekennen sollen: "Entsprechende Empfehlungen sieht auch der neue österreichische Corporate-Governance-Kodex vor, der mit dem Jahreswechsel in Kraft getreten ist", erläutert Mitterlehner.
Ungleichheit als Ursache der Krise?
Für Brigitte Unger, Wirtschaftsprofessorin an der Universität Utrecht, weist die Frage nach Managergehältern neben einer moralischen auch eine praktische Komponente auf: "So lange die Verteilung der Einkommen auseinander klaffen, haben wir immer wieder neue Krisen."
Spitzengehälter als Ursache für die Krise? Diesen Zusammenhang sieht Mitterlehner in dieser Form nicht: "Generell halte ich es für verfehlt, das Problem der Wirtschaftskrise einzig und allein an Managerbezügen aufzuhängen", um darauf hinzuweisen, dass die Einkommensungleichheit in Österreich geringer ausfällt als im OECD-Durchschnitt. Doch gerade der Hinweis auf andere OECD-Staaten könnte die Debatte hierzulande weiter anheizen: Denn in den USA, Frankreich, Großbritannien, Spanien oder auch den Niederlanden ist die Diskussion um Managerbezüge längst voll entbrannt.
(mei)
