"Bio"-Kleidermasche stinkt zum Himmel:
Gentechnik-Baumwolle bei H&M und C&A
- Betrugsskandal um indischen Hersteller im April 2009
- Textilketten wussten offenbar längste Zeit Bescheid

Bio muss nicht immer Bio sein: Die Textilriesen H&M und C&A bringen seit rund zwei Jahren Biokleider unters Volk - die offenbar mit gentechnisch veränderter Baumwolle hergestellt wurden. Der Skandal bei dem verantwortlichen indischen Lieferanten flog schon im April 2009 auf, H&M und C&A wissen offenbar längst Bescheid.
Wie die Financial Times Deutschland recherchiert, sind große Mengen der an die Textilketten gelieferten indischen Biobaumwolle ganz und gar nicht "bio", sondern durch und durch "Gen-Ware". Sanjay Dave, Chef der indischen Agrarbehörde Apeda spricht gar von Betrügereien in "gigantischem Ausmaß", bei dem etliche Siedlungen mit zuständigen Zertifizierungsfirmen gemeinsame Sache gemacht hätten, um gentechnisch veränderte Baumwolle auf den Markt zu werfen. Gentechnische Veränderung widerspricht den strengen Ökostandards und dürfte eigentlich in den Biokleiderserien von H&M und Co nichts verloren haben.
Die Textilketten suchen die Verantwortung für die Affäre bei dem indischen Lieferanten und zwei westeuropäischen Zertifizierern. Die französische Organisation Ecocert und das niederländische Unternehmen Control Union hätten dafür sorgen sollen, dass in der "Biobaumwolle" auch garantiert nur "Bio" steckt. Dennoch wusste man offenbar seit April von diesem Skandal - ohne Konsequenzen daraus zu ziehen: Die Biokleiderlinie wurde weiterhin als "ökologisch angebaute Baumwolle" gepriesen. Immerhin kündigten H&M und C&A gegenüber ORF.at an, gründliche Untersuchungen anzustreben, um die Affäre aufzuklären. Interesse dürften die beiden Textilriesen daran jedenfalls wohl haben: Biokleider gelten als vielversprechender Trend in der Kleiderindustrie.
(red)
