Kampf um die Bierkultur: Brau-Union macht
es den Kleinbrauereien Österreichs schwer
- trend: Braun-Union startet eine Qualitätsoffensive
- Privatbrauereien müssen um Marktnische bangen

Beim Bier gibt es leider noch kein dem Wein vergleichbares Qualitätsbewusstsein, bedauert Brau-Union-Generaldirektor Markus Liebl. Mit einer Initiative zur Verbesserung der Bierkultur will der oberste Bierbaron des Landes dieses Manko nun aus dem Weg räumen. Sein erklärtes Ziel ist, dass die Biertrinker nicht mehr nur einfach eine Halbe, sondern gezielt ein Pils, ein Zwickl, ein ober- oder untergäriges Bier bestellen und dass die Gastronomen auch wissen, wie die einzelnen Sorten gezapft und in welchen Gläsern sie serviert werden sollen.
Hinter der Imageoffensive des Brau-Union-Chefs, die er mit Bierverkostungen im ganzen Land begleitet, steht freilich auch ein klares wirtschaftliches Kalkül. Der Bierkonsum geht nämlich seit einigen Jahren stetig zurück, und das spürt zuallererst die Brau Union, die mit den fünf Großbrauereien Puntigam, Göss, Schwechat, Wieselburg und Zipf sowie den regionalen Brauereien in Kaltenhausen, Schladming und Lienz der alles überragende Marktführer in Österreich ist.
Mit einem Jahresumsatz von über 600 Millionen Euro hält die zum Heineken-Konzern gehörende Brau Union in Österreich bei einem Marktanteil von 49,8 Prozent. Jedes zweite in Österreich getrunkene Bier kommt aus den Kellern der Brau Union. Doch obwohl die Umsatzzahlen stimmen, konnte nicht einmal die Fußballeuropameisterschaft im Jahr 2008 den weiteren Rückgang bei den Verkaufsmengen aufhalten.
Bierkonflikt
Mit ihrer bierigen Qualitätsoffensive kommt die Brau Union auch den vielen kleinen Brauereien des Landes in die Quere. Liebl betont zwar, dass das große Geschäft in Österreich mit dem Märzenbier zu machen sei und dass das Spitzentrio unveränderlich aus den Sorten Zipfer, Gösser und Kaiser Märzen bestehen werde. Im Zuge der Kampagne zur Verbesserung der Bierkultur, die unter das Motto Wir machen Österreich zum Land mit der besten Bierkultur Europas gestellt wurde, will die Brau Union aber auch neue Sorten wie zuletzt das Kaiser Granat, ein dunkles, sehr malzbetontes Bier mit leichtem Karamellgeschmack, auf den Markt bringen. Obendrein erklärt Liebl, dass die Brau Union in Zukunft verstärkt eigene Spezialsorten für die Gastronomie brauen will. Konflikte mit den rund 160 kleineren Brauereien des Landes, die genau diesen Weg schon seit Jahren beschreiten, sind deshalb bereits vorprogrammiert.
Der marktbeherrschende Großkonzern entdeckt die Nische, weil er bei seinem eigentlichen Geschäft nicht mehr zulegen kann. Der Konsum als solches wächst ja nicht mehr, meint Josef Sigl, Chef der Trumer Brauerei, wir stellen uns aber der Auseinandersetzung mit der Brau Union. Das ist ja für uns nichts Neues. Für die kleinen Brauereien sei es angesichts der Initiative der Brau Union wichtig, ohne Wenn und Aber weiter auf Qualität zu setzen und dabei keine Fehler zu machen, wie etwa mit Limonade vorgemischtes Bier zu verkaufen. Auch Karl Schwarz, Chef der Zwettler Privatbrauerei, schießt in Richtung der Brau Union: Vom Heineken-Konzern, bei dem die Einkäufer die Rohstoffe von Amsterdam aus auf den internationalen Märkten einkaufen, kann doch niemand glauben, dass er sich um die österreichische Bierkultur sorgt.
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