Sechster Sinn: Kater Blacky hat die Fähigkeit zu spüren, wenn sein Frauchen ihn braucht.
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- Auf Platz zwei: die Geschichte von Kater Blacky

Es ist die wunderbare Geschichte einer Beziehung zwischen einem scheuen Streunerkater und einer kranken Frau. Eine Freundschaft, die sich in kleinen Schritten entwickelte und dann Großes schaffte.
Wie alles begann
Irgendwann Ende 1998 oder Anfang 1999 war er plötzlich da; auf unserer Terrasse. Wann genau, das weiß keiner mehr. Und er kam jeden Tag, um Futter zum Überleben zu suchen. Er war ein kleiner, struppiger schwarzer Kater, so scheu, dass er jedes Mal bis zum Ende des Gartens lief, wenn sich irgendjemand im Haus nur der Terrassentüre näherte. Mager war er und höchstens vier bis fünf Monate alt, sein linkes Ohr war verletzt, an der Spitze aufgeschlitzt. Aber er erwies sich als zäher kleiner Kerl, der sich offenbar mich als seine Menschin ausgesucht hatte. Die malträtierte Kreatur und ich passten gut zu einander, wo ich doch schon, wie ich es nannte, das sechste Jahr an der Dialysehölle hing, weil meine Nieren ihren Dienst versagt hatten.
Es verging kein Tag, an dem er nicht nachschaute, ob die Futterschüssel auf der Terrassenstufe für ihn bereit stand. Wählerisch war er anfangs nicht. Er fraß alles, was er bekommen konnte und wenn er fertig war, meinte man, dass der Napf geradewegs aus der Spülmaschine kam. Beim Füttern wiederholte sich immer das gleiche Spiel: er kam; ich sah ihn und richtete sein Mahl; doch, wenn ich mich anschickte, die Türe zu öffnen, lief er aus Angst so weit es ging davon, mich jedoch nicht aus den Augen lassend, ob nicht doch sein Tisch gedeckt würde. Nachdem das Futter draußen bereitstand und ich wieder ins Haus gegangen war, schlich er sich vorsichtig an und fraß dann hastig, immer nervös um sich blickend, ob nicht vielleicht irgendwoher ein Feind sich anpirschte.
Eine Freundschaft entsteht
Das kleine schwarze Schlitzohr und ich wurden bald ein Team. Der Ablauf der Raubtierfütterung blieb immer derselbe. 1999 sollte mein Annus horribilis werden. Doch wie schlimm es tatsächlich kommen sollte, wusste keiner, als mich der kleine schwarze Kater, der von mir und der Familie bald nur mehr Blacky genannt wurde, zu seiner Menschin machte.
Jeden Tag bekam er mindestens eine riesige Portion und durch die gute Ernährung wuchs er zu einem strammen Kater mit schönem glänzendem Fell heran. In seine Nähe jedoch ließ er nicht einmal mich, geschweige denn, dass er sich streicheln ließ. Meine Fütterungstätigkeit musste mehrmals aufgrund von Operationen verbunden mit längeren Spitalsaufenthalten unterbrochen werden. Während dieser Zeit bekam er sein Futter von anderen Familienmitgliedern. Im Sommer dann, als ich nach der vierten, fünften, sechsten Operation viel Zeit zwischen Therapien, Dialysen usw. auf der Terrasse verbrachte, begann ich eine sehr einseitige Konversation mit meinem vierbeinigen Freund.
In der Psychologie hätte man das wohl positive Affirmation genannt, wie ich mit meinem Streuner sprach. Und er hörte interessiert zu, welch` schöner, kluger schwarzer Kater er sei und ein treuer Vierbeiner noch obendrein
Hätte jemand meine Monologe mit (m)einem streunenden Kater belauscht, hätte derjenige vermutlich an meinem Geisteszustand zu zweifeln begonnen, denn immer und immer wieder erzählte ich Blacky dieselbe Geschichte. Doch offensichtlich fand er Gefallen an meiner Sprachmelodie, und auch wenn es anfangs fast unmöglich schien, er kam tatsächlich näher und saß nun schon etwa fünf Meter von mir entfernt, freilich, ohne, dass ich Anstalten machen konnte, weiter in seinen Bereich einzudringen. Auch an seinen Namen schien er sich gewöhnt zu haben, denn, wenn ich ihn rief, kam er über die Felder gelaufen und wartete in sicherer Entfernung darauf, dass sein Futter serviert würde.
So ging das nun schon gut zehn Monate mit meinem vierpfötigen Freund. Der Sommer war vorüber gegangen, der Herbst neigte sich schon fast dem Ende zu, als nach Dutzenden Dialysen, weit mehr als einhundert Physiotherapien, Strahlentherapien etc. meine achte und letzte Operation in diesem Jahr bevorstand.
Die erste Berührung
Wie ich es angestellt hatte, kann ich nicht mehr genau sagen. Vielleicht war Blacky auch einfach nur zu schnell zum Futter gelaufen und nicht rechtzeitig wieder davon gestoben. Es war mir tatsächlich gelungen, Blacky zu streicheln als ich ihm seinen Futternapf hinstellte! Im November 1999, am Vorabend bevor ich meinen letzten Spitalsaufenthalt antrat. Die Tatsache, dass ich nach elf Monaten meinen Streuner berühren konnte und er sichtlich Gefallen daran zu finden begann, baute mich ungemein auf. Positiv gestimmt begab ich mich zu meiner letzten Operation, der achten in diesem Jahr, die ebenso gut verlief wie die sieben vorangegangen.
Blacky schien schon auf mich gewartet zu haben, als ich wieder nach Hause kam und von da an ließ er sich immer beim Füttern am Kopf streicheln. Ja, er begann überhaupt nicht zu fressen, ohne, dass er gestreichelt wurde! Die ehemals arme, kleine, geschundene Kreatur hatte tatsächlich Vertrauen zu mir gefasst!
Weihnachten kam, das magische Silvester des Jahrtausendwechsels ebenso und mein treuer Blacky kam jeden Tag, meist abends, um sich Futter und Streicheleinheiten zu holen. Eines allerdings wollte er nicht: ins Haus kommen. So hockte ich nun bei jedem Winterwetter auf der Terrassenstufe bei ihm, streichelte seinen Kopf während er fraß und wenn er fertig war, machte er sich wieder auf den Weg zu einem etwa 400 m entfernten Bauernhof, wo er dem Geruch nach zu schließen, auf dem Heuboden zu schlafen schien.
Ich war nun schon das siebente Jahr an der Dialyse, der ich zwar das Überleben verdankte, die aber das, was mein Leben gewesen war, total auf den Kopf gestellt hatte. Blacky war ein positiver Fixpunkt für mich geworden, eine Aufgabe. Scherzhaft nannte ich ihn meinen Adoptivkater.
Blacky's sechster Sinn
Eines Abends, es war Freitag, der 4. August 2000, kam Blacky plötzlich ins Haus. Er wollte diesmal um nichts in der Welt draußen fressen, nein, das allererste Mal wollte er von sich aus seinen Futternapf im Esszimmer haben! Ich war an diesem Tag wieder einmal bei der Dialyse gewesen und fühlte mich noch etwas schwach, beschloss auch, mir noch etwas Lasagne in der Mikrowelle zu wärmen, als um 23h15 Blacky war noch immer im Haus bei mir mein Mobiltelefon läutete, das ich entgegen meiner Gewohnheit vergessen hatte auszuschalten. Wissen Sie, wer hier spricht?, hörte ich eine männliche Stimme am anderen Ende der Leitung sagen. Ich war ja keine Hellseherin, wie sollte ich das wohl wissen, schoss es mir durch den Kopf. Wir haben heute schon einmal miteinander telefoniert, meinte der mir Unbekannte weiter. Sie werden sich aufregen und vermutlich nicht schlafen können, das war mir dann zuviel, hatte ich doch schon von allen möglichen Witzbolden und Wahnsinnigen gehört, die zu nachtschlafener Zeit, sich einen Scherz erlaubten und weibliche Wesen telefonisch terrorisierten. Wenn Sie nicht sofort sagen, wer Sie sind und weshalb Sie mich um diese Zeit anrufen, lege ich auf und schalte das Telefon aus, wurde ich etwas lauter. Und trotz allem rührte sich Blacky, der schon fertig gefressen hatte und neben mir auf dem Teppich lag, nicht von der Stelle. Hier spricht der Transplantationskoordinator der Universitätsklinik. Wir haben eine Niere für Sie! Diese Neuigkeit hätte ich zwar nicht erwartet, aber entgegen allen in den Vorjahren angestellten Überlegungen, wie ich mich verhalten würde, wenn diese Nachricht käme, war ich ganz ruhig, und die Organisatorin in mir behielt die Oberhand. Wann muss ich in der Klinik sein? Zwischen 7 und 8 Uhr Früh, war die Antwort. Dann überlegte ich laut Ich werde jetzt das Taxi für 4h15 rufen, packen, duschen und noch einiges erledigen. Um spätestens 7 Uhr bin ich in der Klinik.
Meine Eltern, die schon geschlafen hatten, es war ja schon fast Mitternacht, reagierten über die Nachricht unterschiedlich. Mutti brach in Tränen aus und Vati begann im ganzen Haus auf und ab zu laufen. Ich schickte beide wieder ins Schlafzimmer, denn keinesfalls wollte ich von ihrer Hektik und Nervosität angesteckt werden. Der Einzige, der außer mir ruhig blieb und nicht von meiner Seite wich, war mein treuer Blacky. Meine Sachen waren schnell gepackt, denn darin hatte ich genügend Übung. Das Duschen ging auch fix und als ich dann um knapp vor 2 Uhr Früh wieder ins Esszimmer kam, lag mein Kater entspannt schlafend auf dem Esszimmerteppich. Bald war er aber hellwach und begann zu schnurren. Er hatte mich ja schließlich erwartet und wollte mir beistehen. Blacky blieb in dieser Nacht bei mir im Haus bis das Taxi kam und mich abholte. Er hatte durch seinen sechsten Sinn geahnt, dass ich ihn diese Nacht brauchte. Und nun habe ich schon das achte Jahr eine wunderbare Adoptivniere zu meinem verschmusten Adoptivkater. Beide sind zu mir gekommen und haben mich ausgesucht.
Waltraut U. Andorfer-Winzig
Weltnichtrauchertag 201209:13
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