Wiener Tourismus kämpft um Besucher:
14 Mio. Euro gegen das Nächtigungsminus
- Zahl der Übernachtungen sinkt im Vorjahr um 3,8 %
- Tourismusverband setzt auf Bewährtes und die Liebe
Von imperialem Erbe über lebendige Kultur bis hin zu geselliger Gemütlichkeit: Wien hat genug Vorzüge, um im Ausland auf sich aufmerksam zu machen. Und doch bekommt auch die Bundeshauptstadt die wirtschaftlichen Turbulenzen zu spüren: Im vergangenen Jahr zerwühlten um 3,8 Prozent weniger Touristen die Hotelbetten Wiens als 2008. Um dem Gästeschwund entgegen zu wirken, setzt der Wiener Tourismus nun auf Altbewährtes - und auf Liebe.
Der Rückgang bei den Nächtigungen auf 9,8 Millionen ist unerfreulich: Besonders aus den von der Wirtschaftskrise stark getroffenen Ländern Spanien, Großbritannien und Russland sind die Gästezahlen im letzten Jahr massiv gesunken und haben die Nächtigungszahlen wieder unter die 10-Millionen-Marke gedrückt. Noch unerfreulicher fällt der Netto-Nächtigungsumsatz aus, der 2009 gleich um 14,1 Prozent eingesackt ist.
Für Renate Brauner ist das aber noch lange kein Grund zur Panik: "Wien hat seine Anziehungskraft schließlich mit sechs Rekordjahren bewiesen, und immer noch sein zweitbestes Jahr nach Nächtigungen und das drittbeste nach Hotellerieumsätzen verzeichnet." Tatsächlich ist es vor allem das Rekordjahr 2008, das mit seinen 10,2 Millionen Nächtigungen die Bilanz des Vorjahres negativer erscheinen lässt.
14 Millionen gegen Gästeschwund
Hinnehmen will der Tourismus diese Entwicklung dennoch nicht, insgesamt nimmt man 14 Millionen Euro in die Hand, um auf den Zielmärkten Präsenz zu zeigen. PR-Beauftragte Vera Schweder kündigte im Gespräch mit NEWS.at an, dass auch Spanien, Großbritannien und Russland "natürlich unvermindert stark bearbeitet werden." In Marketingkampagnen in Zeitungen, Plakaten, Internet und Fernsehen konzentriert man sich dabei auf die Zugpferde Schönbrunn, Staatsoper, Hofburg, aber auch auf das Kaffeehaus, den Heurigen oder die Donauinsel. Unterschwellig, verrät Schweder NEWS.at, läuft dabei auch der Aspekt Sicherheit mit.
Ein Beispiel für die Vermittlung des Sicherheitsgefühls vermittelt der Wiener Tourismusverband bereits mit seinem Werbeplakat "In diesem Moment wird in einer der sichersten Städte Europas schon wieder ein Herz gestohlen", das ein eng umschlungenes Liebespaar in der nächtlichen Innenstadt zeigt. Und pikanterweise ist es auch heuer die Liebe, die als ein weiterer Touristenmagnet wirken soll: Schwule und lesbische Pärchen werden gezielt angesprochen, um ihnen die feierliche Schließen von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu eröffnen - an einzigartigen Orten wie dem Schloss Schönbrunn, dem Riesenrad oder einer Oldtimer-Tram.
(mei)


