"Der schönste Moment meiner Karriere":
Streitberger hat sein Olympiaticket sicher
- Platz drei in Kitzbühel sollte Super-G-Einsatz bringen
- Lanzinger-Unfall war ein einschneidendes Ereignis

Rang drei im Super-G von Kitzbühel ist der zweite Weltcup-Podestplatz seiner Karriere, aber der erste, den Georg Streitberger auch richtig genießen kann. Nicht nur deshalb, weil er in Kitzbühel - klassiert hinter dem Schweizer Didier Cuche und dem Salzburger Michael Walchhofer - wohl ins Olympia-Team fuhr, sondern auch weil die Freude über den Sieg am 2. März 2008 in Kvitfjell ob des tragischen Unfalls seines Zimmer- und Teamkollegen Matthias Lanzinger mehr als nur getrübt war.
Als Streitberger in Norwegen zur Siegerehrung schritt, wusste er noch nicht, dass seinem Freund der Unterschenkel amputiert werden würde. Als er am Freitag in der Gamsstadt von tausenden Zuschauern umjubelt wurde, durfte er aber seiner Freude freien Lauf lassen. "Ja, das kann man sagen, dass das heute der schönste Moment meiner Karriere ist. Es ist ein Wahnsinn! Jeder träumt davon, in Kitzbühel auf dem Stockerl zu stehen. Ich habe mit dem nicht gerechnet, die Saison hat so schwer angefangen für mich. Es war nur ein Kampf - und jetzt kann ich es genießen", sagte der 28-Jährige aus Maishofen.
Könnte für Olympia reichen
In letzter Minute hat sich Streitberger damit für das Super-G-Team in Whistler - mehr als nur - empfohlen. Ein Podestplatz sollte eigentlich das vierte Ticket neben Michael Walchhofer, Benjamin Raich und Mario Scheiber bedeuten, doch hält sich der Salzburger zurück. "Dazu will ich nichts sagen, aber das Ergebnis ist super, ich hoffe, dass das Podium reicht, ich damit ein Thema bin und ich an den Start gehen kann." Platz acht für Hannes Reichelt in Kitz und elf in Gröden wird also möglicherweise zu wenig sein, dieser hofft auf eine Quali, während sich für Klaus Kröll in seinem Fall eine Diskussion erledigt hat, weil er "keine Ergebnisse" hat.
Die Olympia-Generalprobe im Super-G am 21. Februar 2008 hat Christoph Gruber (derzeit verletzt) vor Reichelt gewonnen, hinter Mario Scheiber (9) und Benjamin Raich (11) war Streitberger als Zwölfter fünftbester Österreicher geworden. "Wie gesagt, die Trainer entscheiden. Ich habe heute mein Bestes gegeben, meine Form ist ansteigend. Und vor zwei Jahren in Whistler habe ich einen kleinen Fehler gemacht und war als Zwölfter in Whistler auch nicht langsam", betonte Streitberger, der in der Abfahrt wie Reichelt im Riesentorlauf noch die Chance hat, für die Winterspiele nominiert zu werden.
Lanzinger-Schicksal als Mahnung
Auf kanadischem Boden hat Streitberger vor exakt einem Jahrzehnt als 18-Jähriger schon einmal eine Goldmedaille gewonnen - bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Quebec im Riesentorlauf. Seitdem ist viel passiert, ein einschneidendes Ereignis war der Unfall von Lanzinger, an dem Streitberger die komplette vergangene Saison zu knabbern hatte. "Ich hatte die Bilder lange im Kopf. Ich habe bei gewissen Sachen nicht mehr so attackiert", erklärte der Salzburger. Denn wenn so etwas Matthias passiere, dann könne das jedem anderen auch passieren, habe er sich gedacht. "Bei gewissen Passagen, Übergängen, wo unten ein Tor ist, das man nicht sieht, da zieht man unbewusst ein bisserl zurück. Das war in mir drinnen."
Die Lebensfreude, die Lanzinger schnell wiederfand, die war auch für Streitberger ein Schub in die richtige Richtung. "Das hilft einem auch, wenn man sieht, dass es ihm gut geht. Und bis jetzt hat sich daran nichts geändert, er ist lässig drauf und ein super Mensch." Sportlich wollte es für Streitberger trotzdem nicht recht laufen, die Olympiasaison hatte denkbar schlecht begonnen, Tiefpunkt war die Abfahrt in Gröden am 19. Dezember 2009, als er 4,54 Sekunden Rückstand auf den Sieger hatte und an sich selbst zu zweifeln begann. "Du weißt nicht, wieso du so weit hinten bist und denkst dir, warum machst du das eigentlich?"
"Unten war es schon ein Kampf"
Gravierende Änderungen bei der Abstimmung seines Materials brachten den Umschwung und lieferten die Erkenntnis: "Innerhalb eines Monats kann sich so viel ändern. Man ist schnell hintennach, kann aber auch schnell wieder vorne sein." Dennoch überraschte ihn das gute Ergebnis, als er am Freitag im Ziel abschwang. "Ich habe bei der Fahrt teilweise ein bisserl mehr investiert, weil Schläge drinnen waren, ich bin runder reingefahren, da hält man die Linie leichter. Oben ist alles relativ leicht gegangen. Unten war es schon ein Kampf."
Ein Kampf, der sich gelohnt hat und auch eine gute Perspektive für die Abfahrt am Samstag bietet, wie Streitberger weiß: "Die Top Ten sind drinnen, für ganz vorne sind aber gewisse Sachen wichtig, die ich noch nicht ganz umsetzen kann."
(apa/red)
