Montag, 25. Jänner 2010

Bis zu einer Million Menschen in Haiti
obdachlos: Zelte werden langsam knapp

  • Nachbeben erschüttert erneut leidgeplagtes Land
  • EU-Außenminister besprechen Pläne für Wiederaufbau

Die internationale Staatengemeinschaft hat mit den Planungen für den Wiederaufbau Haitis begonnen. Die EU-Außenminister kamen deswegen in Brüssel zusammen, um sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Unterdessen stieg die Zahl der Obdachlosen nach dem verheerenden Erdbeben weiter. Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte sie die Million erreichen.

Die Zahl der Toten gab die UNO mit über 112.000 an. Und das Land kommt nicht zur Ruhe: Haiti ist von einem weiteren Nachbeben erschüttert worden. Die Erdstöße hatten eine Stärke von 4,7. Über neue Schäden oder Verletzte war zunächst nichts bekannt.

Bis zu einer Million Obdachlose
Das UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung rechnet mit 800.000 bis zu einer Million Menschen, die dringend Zuflucht suchten. Zelte und Baumaterial würden dringend gebraucht. Zudem müssten Übergangslager für die Überlebenden eingerichtet und unterhalten werden. Nach Angaben der UN nutzen immer mehr Menschen die kostenlosen Transportmöglichkeiten, um Port-au-Prince zu verlassen. Schon 235.000 Einwohner hätten die Hauptstadt verlassen.

Die Zeltlager seien jedoch nur eine "vorübergehende Lösung", da sie den Menschen während der im Mai beginnenden Wirbelsturm-Saison wenig Schutz bieten könnten, sagte IOM-Sprecher Jean-Philippe Chauzy der Nachrichtenagentur AFP. Die Hilfsorganisation rief deshalb auch zu Spenden von Baumaterialien auf.

Spindelegger will Hilfszahlungen aufstocken
Außenminister Spindelegger stellte in der Zwischenzeit eine Aufstockung der österreichischen Hilfe für die Erdbeben-Opfer in Aussicht. Schwerpunkt müsse nun die finanzielle Grundausstattung für Ersthilfe sein, so der Minister in Brüssel. Bisher hat Österreich 800.000 Euro humanitäre Soforthilfe für die Erdbebenopfer in Haiti zugesichert.

Kritik an Hilfsaktionen
Unterdessen wächst wieder die Kritik an der mangelnden Effizienz der internationalen Hilfe.So hält etwa der Leiter des italienischen Katastrophenschutzes die internationale Hilfe für den Karibikstaat für gescheitert. Der militarisierte Ansatz der USA sei ineffektiv und gehe an den Bedürfnissen der Menschen vorbei, erklärte Guido Bertolaso, der 2009 die Hilfe nach dem Erdbeben in den Abruzzen geleitet hatte und dafür allseits gelobt worden war.

Der Übergangschef der UNO-Mission in Haiti, Edmond Mulet, forderte für den Hilfseinsatz umfangreiche Verstärkung. "Ich brauche Personal, ich brauche Soldaten", sagte der Guatemalteke dem US-Nachrichtensender CNN. Zusätzlich würden auch zahlreiche Autos und Lastwagen benötigt.

Überlebender geborgen
Zwischen Leid und Trümmern gibt es in Haiti auch ein kleines Wunder: Elf Tage nach dem verheerenden Erdbeben und der offiziellen Einstellung der Suche nach Verschütteten ist ein junger Mann lebend geborgen worden. Er wurde einem eingestürzten Lebensmittelgeschäft gefunden. Im Krankenhaus berichtete Wismond Exantus, er habe sich bei dem Beben unter einen Tisch geflüchtet. In diesem engen Raum habe er auf dem Rücken liegend ausgeharrt und mit Hilfe von Cola, Bier und Keksen überlebt.

"Gott hat mich in seinen Armen geborgen", sagte Exantus. "Er hat mir Kraft gegeben." Rettungskräfte werteten seine Geschichte als Ermutigung, die Suche nach Verschütteten fortzusetzen.

(apa/red)

25.1.2010 15:06