Seit einem Jahr am Steuer der Weltmacht:
"US-Präsident Obama war zu optimistisch"
- Politische Gegner lassen Überparteilichkeit nicht zu
- "Man kann viel beginnen, aber nur wenig umsetzen"
Fazit nach einem Jahr Amtszeit: Trotzdem positiv
·Gesundheitsreform von Obama wackelt
US-Demokraten verlieren
die Mehrheit im Senat
·Obamas erstes Jahr?
"Ich gebe ihm ein A-"
US-Experte Heinz Gärtner
im NEWS.at-Expertentalk
·Gesundheitsreform, Irak und Guantánamo
Die politischen Highlights im ersten Obama-Jahr
·VIDEO: "George Bush
war so diktatormäßig"
Umfrage: Wird Obamas Vorgänger vermisst?

Ein Jahr Barack im Weißen Haus, und vorzuwerfen ist US-Präsident Obama eigentlich nur ein grober Fehler, wie US-Experte Heinz Gärtner erklärt: "Er war zu optimistisch, was die Akzeptanz seiner Politik betrifft." Ansonsten muss ihm, fern von realitätsfremdem Denken, in dem der US-Präsident als Lösung sämtlicher vorhandenen und nicht vorhandenen Probleme gesehen wird, ein positives Zeugnis gestellt werden.
Zugegeben, Obama hat die Kriege im Irak und Afghanistan bis dato nicht beendet. Er hat die Pforten Guantanamos, Symbol für George W. Bushs regelwidrige Terrorbekämpfung, noch nicht geschlossen. Und er konnte die Arbeitslosenrate von zehn Prozent in den Vereinigten Staaten nicht verhindern. Aber kann man das Obama tatsächlich zum Vorwurf machen?
Der Beginn und die Umsetzung
Nein, kann man nicht. Denn wie Heinz Gärtner, Politologe und US-Experte, im NEWS.at-Interview erklärt, "kann man in einem Jahr viel beginnen, aber nur wenig umsetzen." Und so hat Obama bei den erwähnten Brandherden schon vieles in die Wege geleitet, wozu Vorgänger Bush nicht einmal im entferntesten fähig war.
Für den Irak und Afghanistan existieren konkrete Abzugspläne. Mehr ist nicht im Bereich des Möglichen, denn ein sofortiger und unüberlegter Rückzug hätte Chaos und Instabilität in den betreffenden Regionen hinterlassen. Ob diese tatsächlich eingehalten werden können, wird die dortige Entwicklung in den nächsten Monaten zeigen. Die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo scheiterte bisher daran, dass sich kaum ein Land bereit fand, die Internierten aufzunehmen. Doch ist dieses Hindernis überwunden, steht einer Aufnahme Guantanamos in die Geschichtsbücher nichts mehr im Wege.
"Große Revolution" in den USA
Wäre da noch die hohe Arbeitslosenrate. Zehn Prozent sind zehn Prozent, an dieser Zahl gibt es nichts zu rütteln. Vielmehr sollte man hier aber die Rahmenbedingungen ins Auge fassen, um fern von der Bedeutung zweier Ziffern der Leistung Obamas gewahr zu werden. Angesichts einer Wirtschaftskrise globalen Ausmaßes hat Obama ein gigantisches Bankenrettungspaket unterstützt, was für die Vereinigten Staaten laut Gärtner einer "großen Revolution" gleichkam. Denn staatliche Regulierung, so der US-Experte weiter, galt in der Ära Bush als "Schimpfwort". Vor allem dieser sei es zu verdanken, "dass die Wirtschaftskrise nicht so dramatisch ausfiel wie befürchtet".
Apropos Revolution: Eine weitere bahnt sich auf der anderen Seite des Atlantiks an, denn die Gesundheitsreform, Obamas innenpolitisches Kernstück, steht vor der Finalisierung. Bis zu 31 Millionen US-Bürger sollen dadurch einen wirksamen Schutz im Krankheitsfall erhalten, wodurch der Superlativ "Jahrhundertprojekt" durchaus seine Berechtigung hat.
"Er war zu optimistisch"
Fern von konkreten Konflikten und Herausforderungen aber ist Obama, wenn überhaupt, nur ein großer Fehler vorzuwerfen. Wie Gärtner es ausdrückt, "war er zu optimistisch, was die Akzeptanz seiner Politik betrifft". Im US-Wahlkampf konnte er die Wähler überzeugen, den Weg gemeinsam mit ihm zu gehen. Auf der Bühne nationaler und internationaler Politik hingegen betraten Rivalen und Konkurrenten lieber die gleichen kontraproduktiven Pfade, als Obamas Idealismus zu verfallen. Dabei hat die Welt doch gerade das so bitter nötig.
(hoa)
