Dienstag, 19. Jänner 2010

Die Causa Alijew kocht wieder hoch: Neue
Vorwürfe gegen Ex-Botschafter Kasachstans

  • Die Ex-Geliebte gefoltert und in Tod getrieben?
  • Soll unter anderem Namen in Wien-Hietzing leben

Neue Vorwürfe gegen den ehemaligen Botschafter Kasachstans in Österreich, Rakhat Alijew (Aliyev), haben der Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky und die Eltern einer früheren Geliebten des 47-Jährigen erhoben. Alijew habe die junge Frau in der libanesischen Hauptstadt Beirut einer "monatelangen Folter" unterzogen und "zumindest in den Tod getrieben", sagte Lansky im Rahmen einer Pressekonferenz in der Bundeshauptstadt. Für Alijew gilt die Unschuldsvermutung.

Alijew stehe "in massivem Verdacht, psychopathologisch gemordet zu haben", behauptete Lansky. Zum Motiv meinte der Anwalt, die Geliebte des verheirateten Alijew sei schwanger geworden, weshalb sie der Ex-Botschafter vorerst von Wien zu seiner Schwester nach Beirut bringen ließ.

Als sie dort mit einem Internetcafe-Betreiber ein intimes Verhältnis einging, habe Alijew beschlossen, sich dafür zu rächen, führte Lanksy aus.

"Folterzimmer" eingerichtet
Wie der Anwalt und seine Kanzleimitarbeiterinnen unter Berufung auf angebliche Beweismittel konkretisierten, habe Alijew im Libanon ein "Folterzimmer" einrichten lassen und die junge Frau, die er 2001 in Kasachstan kennengelernt hatte, Anfang 2004 gemeinsam mit seinem Leibwächter zunächst persönlich gemartert. Der Frau sei auch das mittlerweile geborene Kind weggenommen worden.

Monatelang sei die Frau im weiteren Verlauf von Mitarbeitern Alijews in der Beiruter Wohnung festgehalten und "total physisch vernichtet worden", so Lansky. Am 18. Juni 2004 entdeckte man dann vor dem Gebäude die auf Stahlbetonträgern aufgespießte Leiche der Frau: Ob sie vom Balkon gestoßen wurde oder in selbstmördersicher Abstand sprang, sei unklar, räumten die Vertreter der Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner ein, doch überwiege ihrer Ansicht nach "die Fremdtötungskomponente".

Sachverhaltsdarstellung eingebracht
Die Kanzlei Lansky hat daher gegen Alijew bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Sachverhaltdarstellung eingebracht, in der jedenfalls die Tatbestände absichtlich schwere Körperverletzung und Freiheitsentziehung als erfüllt angesehen werden. Während die Behörden im Libanon den Tod der Frau als Selbstmord zu den Akten legten, gebe es "zahlreiche Beweise" für die strafrechtliche Schuld des Ex-Botschafters, so Lansky.

Die Zuständigkeit der österreichischen Behörden für diesen Fall leitete Lansky aus dem Umstand ab, dass Alijew von Wien aus die "Vernichtung" seiner Ex-Geliebten befohlen und betrieben habe. Er sei daher als Bestimmungstäter anzusehen, die Vorwürfe seien in einem Inlandsverfahren zu prüfen.

Unter anderem Namen in Wien
Alijew soll laut Lansky mittlerweile einen anderen Namen führen und, seit kurzem verheiratet, als Rakhat Shoraz in Wien-Hietzing leben. Die Staatsanwaltschaft Wien führt seit August 2009 gegen ihn ein Verfahren, weil er hinter der Entführung zweier kasachischer Bankmanager stecken soll. Die Auslieferung nach Kasachstan in dieser Sache hat die österreichische Justiz bisher abgelehnt, weil Alijew in seiner Heimat mit keinem fairen Verfahren rechnen könne.

(apa/red)

19.1.2010 13:38