GEHT'S AUCH OHNE RAPID?
- Tino Teller über den neuen TV-Vertrag der Liga

Solidarität war einmal eine Tugend der Arbeiterbewegung. Gemeinhin versteht man darunter Hilfsbereitschaft des Stärkeren gegenüber dem Schwächeren. Und was hat das Ganze mit unserer Fußballbundesliga zu tun, noch dazu in Zeiten wie diesen? Sehr viel sogar. Rekordmeister Rapid Wien, der Publikumsmagnet und Quotenbringer, will sich in Sachen TV-Vertrag aus der Solidargemeinschaft der Liga verabschieden. Ausgerechnet jener Klub, der vor genau 111 Jahren aus dem 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club hervorgegangen ist und heute von einem in der Wolle gefärbten Sozialdemokraten präsidiert wird. Sollen die Provinzklubs doch schauen, wie sie ohne uns Grün-Weiße zu ihren Fernsehmillionen kommen, heißt es in Hütteldorf. Das klingt ein wenig nach Manchesterkapitalismus, hat aber nichts mit United oder City zu tun. Fakt ist: Die Bundesliga ist ohne Rapid auf dem TV-Rechtemarkt höchstens die Hälfte wert Sky Austria hin, ORF her. Andererseits: Rapid braucht Gegner. Mit wöchentlichen Spielen gegen die eigenen Amateure werden nicht einmal die Hütteldorfer das Hanappi-Stadion füllen können. Bei allen berechtigten Einwänden der Grün-Weißen gegen den neuen TV-Vertrag: Die Liga ist auch so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft.
