Das Geheimnis unserer Überflieger:
Ein Wunderteam verzaubert Österreich
- Schlierenzauer und Co. springen in eigener Liga
- Was macht sie so stark? NEWS hat die Antworten

·Schlierenzauer
ist überall in Mode
Flug-Rekordler will auch als Jung-Designer glänzen
·Schlierenzauer ist
wieder König der Lüfte
Kulm: Tiroler segelt zu neuem Skiflug-Rekord
Thomas Morgenstern ist mit seinem Sprung unzufrieden. Das sieht man seiner Miene deutlich an. Wahrscheinlich würde er am liebsten so schnell wie möglich zurück ins Hotel, sich ärgern, Fehler analysieren. Stattdessen gibt er lächelnd Interviews, schreibt Autogramme, lässt sich fotografieren. Und schielt mit einem Auge stets zur Schanze, um seine Teamkollegen springen zu sehen. Er freut sich mit dem zwischenzeitlich führenden Wolfgang Loitzl, und als Gregor Schlierenzauer mit 205 Metern vom Kulm zum Tagessieg segelt, ist der Doppelolympiasieger 2006 einer der Ersten, die dem besten Skiflieger aller Zeiten im Zielraum gratulieren. Dort haben sich auch der aktuelle Vierschanzentournee-Sieger Andreas Kofler und jener des Vorjahres, Wolfgang Loitzl, eingefunden. Selbst Martin Koch, der verzweifelt um eines der vier Olympiatickets kämpft, strahlt. Neid und Missgunst? Fremdwörter im ÖSV-Skispringerteam. Ist das etwa das Geheimnis des Erfolgs, nach dem die anderen Nationen so krampfhaft suchen?
In Vancouver ist jeder der vier Protagonisten ein Medaillenanwärter. Und dennoch wirken Morgi und Co locker und uneitel, plaudern selbst kurz vor dem Wettkampf mit ihren Fans. Über allen wacht Cheftrainer Alexander Pointner und lächelt zufrieden. So wie sie sich in der Öffentlichkeit geben, ist nichts gespielt. Sie sind wirklich so. Das ist mir wichtig. Sein Erfolgsrezept beinhaltet eben vielerlei Zutaten.
Soziale Kompetenz
Mein System ist auf Teamwork aufgebaut, sagt Pointner. Kaum zu glauben, dass es in einem Einzelsport keine Reibereien zwischen den Athleten gibt. In der neuen rot-weiß-roten Springergeneration komme das inzwischen kaum noch vor, betont Pointner. Natürlich will jeder gewinnen. Aber den Weg dorthin gehen wir gemeinsam. Wie es aussieht, wenn teaminterne Konkurrenz wichtige Energien raubt, mussten Morgenstern und Schlierenzauer bei der Vierschanzentournee vor zwei Jahren erfahren. Während sie um den Gesamtsieg ritterten und sich Hierarchiekämpfe lieferten, triumphierte letztlich Janne Ahonen. Eine Lehre für alle Beteiligten. Darum steuert Pointner solchen Entwicklungen konsequent entgegen. Mit dem Sportpsychologen Christian Uhl arbeitet er Spiele aus, die die Sportler geistig fordern und auch der sozialen Kompetenz zuträglich sind. Wurde also früher vor den Wettkämpfen locker gekickt, stehen nun Brain Games auf dem Programm, wo es in der Gruppe knifflige Aufgaben zu lösen gilt.
Wunderwaffe AVWF
Die Wunderwaffe AVWF ist schallmodulierte Musik, der die Springer mit riesigen Kopfhörern vor dem Wettkampf lauschen. Sie hilft den Sportlern, den Stress besser zu bewältigen, und wie Pointner es ausdrückt auf ihre Ressourcen besser zugreifen zu können. Oft liegen die Athleten auch alle gemeinsam in einem Raum, um Musik zu hören. Danach sind alle auf einer Basis. Das verbessert auch die Kommunikation untereinander, so Pointner. AVWF ist, das garantiert der Hersteller, allein den Österreichern vorbehalten.
Lesen Sie im neuen NEWS 02/10 warum es bei unseren Skispringern keine Eifersüchteleien gibt und gute Stimmung und Zusammenhalt überall spürbar sind.
Nina Strasser
