Der völlig andere Führungsstil des Josef P.
- Hubert Wachter über Josef Prölls Entscheidungen
- PLUS: Wie ist IHRE MEINUNG zu diesem Thema?

In der ÖVP hält das Rätseln um zwei personelle Weichenstellungen an: Wer beerbt Gio Hahn als Wissenschaftsminister? Und gibt man die Hofburg w. o.?
Keine Frage, 2009 war für Vizekanzler und ÖVPChef Josef Pröll ein durchaus erfolgreiches Jahr. Die Fakten sprechen für sich: Seine Partei, obwohl nur Juniorpartner in der großen Koalition, rangiert seit Monaten in allen Meinungsumfragen mit gutem Abstand vor der Kanzlerpartei SPÖ. Und im direkten Kanzlerduell mit Werner Faymann hat der 41-jährige Jung-Parteichef nach Ansicht der Österreicher auch recht komfortabel die Nase vorne. Alles in allem, trotz mancher innerparteilicher Ungereimtheiten (EU-Kommissarsfrage, EU-Delegationszwist Karas/Strasser, Bundespräsidentenkandidaturfrage) eine ziemlich passable Bilanz des schwarzen Frontmannes.
Warum Prölls Stil verblüfft. Dabei: Josef Prölls Führungsstil ist, angesichts der jahrzehntelangen ÖVP-Tradition, nicht nur ein wirklich anderer, sondern auch ein für viele seiner Parteischäfchen eher nervenzerfetzender. Die Marotte des Juniors: Er lässt Entscheidungen, personelle zumal, aber auch in der Sachpolitik, nach außen hin bis zum letzten Abdrücker offen. Setzt keinerlei sichtbare Vorbereitungshandlungen, wie er gedenkt, dieses oder jenes auf den Weg zu bringen. Wilhelm Molterer weiß ein Lied davon zu singen, auch Othmar Karas. Wer neuer Wissenschaftsminister nach Johannes Gio Hahn wird, weiß derzeit nach wie vor als Einziger und das auch nur vielleicht Josef Pröll. Selbiges und ob überhaupt gilt auch für einen allfälligen ÖVP-Hofburgkandidaten.
So soll es auch sein! Dass der Neffe immer erst knapp vor Ultimo die Dinge entscheidet, ringt ihm ein spitzbübisches Lächeln ab: Ja, so soll es auch sein!, erklärt er. Weil er nichts vom Herumgequatsche halte. Weil, und das habe er mittlerweile in der Politik gelernt, dieses oder jenes in den Raum zu stellen, da und dort Hoffnungen zu wecken, Persönlichkeiten nur ramponiere. Drum sei sein Stil anders: Die Dinge, sagt der 41-Jährige, reiften in seinem Kopf in kurzer Zeit und würden schlagartig realisiert. Siehe Nationalbank-Verstaatlichung. Dies gelte dieser Tage erneut: Noch sei die Zeit für den/die WissenschaftsministerIn bzw. die Hofburg- Frage nicht reif, die letzten Jänner-Tage bzw. der März-Anfang würden dafür auch reichen
