Mittwoch, 13. Jänner 2010

Karibikstaat versinkt nach Beben in Chaos:
Hunderttausende Tote in Haiti befürchtet

  • Spitäler, Schulen und Wohnhäuser in Trümmern
  • Rotes Kreuz geht von drei Millionen Betroffenen aus

Das schwerste Erdbeben seit über 200 Jahren in Haiti hat nach Befürchtung von Ministerpräsident Jean-Max Bellerive über 100.000 Menschenleben gefordert. "Ich glaube, wir sind bei weit über 100.000", sagte er dem Fernsehsender CNN, als nach Tagesanbruch immer neue Schreckensbilder auftauchten. Er fügte allerdings hinzu, er hoffe, dass er sich irre. Auf welcher Grundlage er zu seiner Einschätzung gelangte, sagte Bellerive nicht. Knapp 24 Stunden nach dem fürchterlichen Erdstoß war das Ausmaß der Katastrophe nicht einmal annähernd auszumachen.

Die zwei Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Port-au-Prince, die in der Nähe des Epizentrums liegt, glich einem Trümmermeer. Verzweifelte Überlebende türmten derweil die Leichen von Angehörigen und Freunden an den Rändern verwüsteter Straßen auf. Senator Youri Latortue erklärte, er rechne sogar mit dem Tod von 500.000 Menschen. Konkrete Zahlen konnte auch er nicht nennen. Die Wucht des Bebens der Stärke 7,0 ließ etliche Schulen und Krankenhäuser einstürzen, von tausenden Häusern blieben nur Trümmer übrig. Auch der Präsidentenpalast, das größte Gefängnis Haitis und die Kathedrale von Port-au-Prince fielen zusammen.

Verzweifelter Kampf ums Überleben
Während ihre Heimat im Chaos versank, suchten die Haitianer in den Schuttmassen verzweifelt nach Angehörigen. Schwerverletzte riefen nach ärztlicher Hilfe - doch die war kaum vorhanden. Hilfsorganisationen warnten, Haiti sei wegen seiner großen Armut nicht für eine derartige Katastrophe gerüstet. Das Rote Kreuz geht von drei Millionen Betroffenen aus, die Hilfe brauchen werden. In zahlreichen Ländern liefen Hilfsmaßnahmen an.

Zu den Toten zählen der katholische Erzbischof der besonders schwer getroffenen Hauptstadt Port-au-Prince, zahlreiche Blauhelmsoldaten und vermutlich auch der Leiter der UN-Friedensmission. Deren Hauptquartier stürzte ein, über 100 Menschen wurden in den Trümmern vermisst. Die Vereinten Nationen befürchteten die höchste Opferzahl in ihrer Geschichte.

Die Leiterin des örtlichen Büros der Hilfsorganisation Care in Haiti, Sophie Perez, berichtet von zahlreichen eingestürzten Schulen: "Die Kinder waren zu der Zeit noch in der Schule, viele dürften noch unter den Trümmern liegen." Das Beben habe mehr als eine Minute gedauert. "Die Menschen schrien, weinten", berichtet Perez. Bei Tagesanbruch sei zu sehen gewesen, dass die ganze Hauptstadt von der Zerstörung betroffen sei. "Jetzt geht es darum, die Menschen aus den Trümmern zu befreien, sie mit Nahrung und Wasser zu versorgen", wird Perez zitiert. Entgegen ersten Augenzeugenberichten ist der größte Flughafen Haitis laut UNO noch voll funktionsfähig - eine wichtige Erleichterung für die anrollende internationale Hilfe.

Notfallhilfe in Bewegung
US-Präsident Barack Obama sagte, seine Gedanken und Gebete seien bei den Menschen in Haiti. Papst Benedikt XVI. und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon baten um Hilfe für die Opfer. Zum Katastropheneinsatz nach dem Erdbeben setzten die US-Streitkräfte Schiffe und Flugzeuge in Richtung Haiti in Bewegung . Der Flugzeugträger "USS Carl Vinson" werde mit einigen kleineren Schiffen die haitianische Küste erreichen, teilte das zuständige US-Südkommando mit. Auch Flugzeuge und Helikopter seien im Einsatz. Sie sollten an Ort und Stelle bei der Notfallhilfe mitwirken und den Weg für die Entsendung weitere Einsatzkräfte ebnen, teilten die US-Streitkräfte mit.

Mit einer Stärke von 7,0 war das Beben, das sich am Dienstag um 16.53 Uhr Ortszeit (22.53 Uhr MEZ) ereignete, nach Angaben der US-Erdbebenwarte das schwerste in Haiti seit 1770. Das Zentrum lag 15 Kilometer westlich von Port-au-Prince in einer Tiefe von 8.000 Metern. Es gab mindestens sechs stärkere Nachbeben. Das Außenamt in Wien bemühte sich um Klarheit, ob sich Österreicher auf Haiti aufgehalten haben oder gar Hilfe benötigen, sagte Ministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal. "Bisher haben wir noch keinen Hinweis."(apa/red)

Helfen Sie!

CARE bittet um Spenden:
PSK 1.236.000, BLZ 60.000, Kennwort: Haiti
Link: www.care.at/spenden

Caritas-Spendenkonto:
PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort: Erdbeben Haiti

Österreichisches Rote Kreuz:
PSK: 2.345.000, BLZ 60.000, Kennwort: Erdbeben Haiti


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13.1.2010 19:58