Dienstag, 12. Jänner 2010

Helferin der Anne Frank stirbt mit 100:
Miep Gies versteckte Familie vor den Nazis

  • Jüdische Familie in Amsterdamer Hinterhaus versteckt
  • Rettete das berühmte Tagebuch der Anne Frank

Die Retterin des Tagebuchs der von den Nazis ermordeten Anne Frank ist tot: Miep Gies starb im Alter von 100 Jahren. Die als Hermine Santrouschitz in Wien geborene Wahl-Holländerin verstarb nach kurzer Krankheit, wie Maatje Mostart vom Anne-Frank-Museum in Amsterdam mitteilte. Gies war die letzte noch lebende Helferin der jüdischen Familie Frank gewesen.

Gies hatte die aus Deutschland stammenden Franks und weitere Juden unter Einsatz ihres Lebens in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nazis versteckt. Sie bewahrte das Tagebuch, das Anne von 1942 bis 1944 als junges Mädchen im Hinterhaus der Prinsengracht 263 geschrieben hatte, vor dem Zugriff der Gestapo. Nur Stunden nach der Verhaftung der Franks ging Gies am 4. August 1944 noch einmal in das Versteck und nahm die Aufzeichnungen an sich.

Anne Frank starb Anfang März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus - kurz vor ihrem 16. Geburtstag und nur wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Krieg übergab Gies das Tagebuch an Anne Franks Vater Otto, der als einziges Familienmitglied überlebt hatte.

Über die Helferin hatte Anne Frank am 11. Juli 1943 in ihr Tagebuch geschrieben: "Miep schleppt sich ab wie ein Packesel. Fast jeden Tag treibt sie irgendwo Gemüse auf und bringt es in großen Einkaufstaschen auf dem Fahrrad mit. Sie ist es auch, die jeden Samstag fünf Bücher aus der Bibliothek bringt. Sehnsüchtig warten wir immer auf den Samstag, weil dann die Bücher kommen, wie kleine Kinder auf ein Geschenk."

Gies wurde vielfach geehrt - unter anderem durch den Staat Israel. Im Juli vergangenen Jahres wurde ihr das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Sie lebte jahrelang zurückgezogen in ihrem Haus in der niederländischen Provinz Friesland.

12.1.2010 07:02