NEWS: Peter Handkes Stück über Kärnten
Das Partisanen-Epos kommt an die ,Burg
- NEWS hat sich den Text beschafft und berichtet mit
- der Genehmigung des österreichischen Autors

Im Februar 2009 meldete NEWS: Peter Handke schreibt ein Stück über das andere Kärnten, das sich heldenhaft gegen Hitler verschwor. Fast ein Kärntner Epos, nannte er es. Die Protagonisten sind diejenigen, die als Einzige organisiert auf dem Boden des Dritten Reichs Widerstand geleistet haben. Nun ist das Stück da, wird im Frühjahr überarbeitet anzunehmen, dass die atemberaubenden Traumsequenzen noch mehr werden und Anfang 2011 am Burgtheater uraufgeführt. Claus Peymann inszeniert, Gert Voss spielt die Ich benannte Hauptrolle. NEWS hat den Text und berichtet mit Genehmigung des Autors.
1. Akt Eine Heide, eine Steppe, eine Heidesteppe, oder wo. Jetzt, im Mittelalter, oder wann. Was ist da zu sehen? Eine Sitzbank, eine eher zeitlose, im Mittelgrund, und daneben oder dahinter oder sonst wo ein Apfelbaum, behängt mit etwa 99 Äpfeln. So beginnt das Stück. Ich wird von seinen Vorfahren heimgesucht, ein Fremdling im Interkontinentalanzug unter feiertäglich Gewandeten. Valentin erklärt, wie er es zu etwas brachte: Weil er sich von unserer Haus- und Sippensprache, der vermaledeiten, losgesagt hat. Wer rein deutsch sprach, versprach, ein Herr zu sein, heißt es.
1936, sechs Jahre vor Handkes Geburt
Gregor, der Älteste, hat in Maribor Landwirtschaft studiert, ist als stolzer Slowene ins Land der Peiniger zurückgekehrt und führt als Begründer einer Obstzucht die Familie aus der Paria-Existenz. Die Gestalt des Onkels ist präzise bis in die Details gezeichnet. Wieder und wieder findet sich der Name Gregor in Handkes Werk, ein weiteres Mal noch in der idealen Existenz des Widerstandskämpfers. Die Gestalten tanzen ab, nur die Mutter kommt noch einmal zurück: Weißt du denn nicht, dass wir bei dir bleiben bis ans Ende deiner Tage, und vielleicht noch darüber hinaus, du Erztrottel?
2. Akt, 1939
Alle drei Söhne sind im Krieg. Die Mutter ist auf dem Sprung zum Feindwerden. Drei Jahre später sieht man Ursula, die ältere Schwester, im Aufzug fast einer Schweinemagd, über die wie weltstädtisch Gekleidete her-fallen. Das dafür, daß du dir einen von einem Anderweitigen gehst. Während ich im Stroh hinter dem Ziegenstall übernachte, kugelst du mit dem reichsdeutschen Ziegenbock durchs Doppelbett des Hotels ,Tigerwirt. Die Mutter knöpft den Mantel auf. Sie ist schwanger von einem deutschen Soldaten. Für das Ich beginnt der Film des Lebens zu laufen. Benjamin, der Jüngste, fällt. Der Großvater verflucht Deutschland. Und verflucht sei der deutsche Liebeswurm in deinem Liebesbauch. Verflucht sei die Frucht deines Leibes. Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, verflucht sei der Name des Herrn in Ewigkeit. Ursula schließt sich den Partisanen an.
(Heinz Sichrovsky/Dagmar Kaindl)
Den ausführlichen Text zum Stück lesen Sie jetzt im neuen NEWS 02/10!

