LIEBE LESERIN, LIEBER LESER! Maria & ihre
Asylanten oder Herbergssuche anno 2010
- Kommentar von stv. Chefredakteur Martin Kubesch

EBERAU IST ÜBERALL. Weshalb die Ängste der Bürger verständlich
sind wir aber trotzdem Asylzentren brauchen.
Am 24. Dezember 2009 wurden fünf junge Männer aus einem Zug komplimentiert, da sie keine Fahrkarten vorweisen konnten. Das Quintett, wie sich später herausstellte afghanische Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 18, irrte daraufhin bei Minusgraden leicht bekleidet herum, ehe es von der Polizei aufgegriffen wurde. Die Beamten suchten für die Frierenden eine Herberge für die Heilige Nacht, aber weder das Sozialamt noch eine Pension wollte die fünf aufnehmen. Erst eine Kirchengemeinde gewährte ihnen Quartier, ehe die Jugendlichen, übrigens alle Angehörige des von den Taliban verfolgten Volkes der Hazaren, beamtshandelt werden konnten. So passiert in Schweden, einem Land mit einer ebenso langen Tradition als Sozialstaat mit Gewissen und Verantwortungsgefühl gegenüber Schwächeren wie Österreich.
Alle Ängste ernst nehmen. Auf Herbergssuche ist derzeit auch Innenministerin Maria Fekter, und zwar für ihr Asylzentrum. Im burgenländischen Eberau, wo 1956 (wie sich manche noch erinnern können) Ungarn- Flüchtlingen ebenso herzlich wie bereitwillig Unterschlupf gewährt wurde, ist die Bevölkerung einhellig gegen diesen Plan. In anderen Gemeinden, ob in Kärnten, der Steiermark oder sonstwo, wird das nicht anders sein, sobald sie auf dem Fekter- Radar auftauchen. Denn Fakt ist: Die Menschen haben heute Angst vor Flüchtlingen und Flüchtlingslagern und diese Angst muss man ernst nehmen. Die seit Jahrzehnten verfahrene Situation des Lagers Traiskirchen schreckt ab. Fakt ist aber auch: Österreich hat nach wie vor einen guten Ruf, auch was unseren Umgang mit Flüchtlingen betrifft. Ob 1956 (Ungarn), 1968 (Tschechoslowakei), 1981 (Polen) oder ab 1991 (Jugoslawien) Österreich hat immer geholfen. Es wäre für den internationalen Ruf unseres Landes fatal, würden auch bei uns frierende Flüchtlinge nur mehr in Kirchen Aufnahme finden. Daran sollten alle handelnden Personen denken, die derzeit mit den Ängsten und Schicksalen von Menschen spielen, als wäre es nicht mehr als eine Partie Polit-DKT.
Eine schöne Woche!
