Samstag, 9. Jänner 2010

In Haus ist nur die Lindsey richtig daheim:
Vonn gewinnt auch zweites Abfahrtsrennen

  • US-Amerikanerin baut Führung im Gesamtweltcup aus
  • ÖSV-Debakel: Keine Österreicherin unter den Top 20

24 Stunden nach ihrem Sieg im Ersatzrennen für Val d'Isere gewann Seriensiegerin Lindsey Vonn in Haus auch den wegen Schlechtwetters verkürzten "Abfahrtssprint". Damit hat die US-Amerikanerin bei dem noch auszutragenden Super-G die Chance auf das Sieg-Triple in Haus. In Lake Louise hatte sie das in diesem Winter mit zwei ersten und einem zweiten Platz knapp verpasst. Für die ÖSV-Damen gab es ein Debakel.

Während die ÖSV-Abfahrtsdamen mit Anna Fenninger als 21. das ärgste Debakel seit fast 16 Jahren erlitten, gewann Vonn in 1:09,12 Minuten knapp vor der Schweizerin Überraschungs-Zweiten Nadia Kamer und feierte in der Obersteiermark ihren 26. Weltcupsieg. Es war ihr 16. in der Abfahrt, der bereits fünfte in Folge.

Die zweite Abfahrt beim Weltcup-Comeback von Haus ging wegen Nebels mit eineinhalbstündiger Verspätung dann auch nur vom Super-G-Start über die Bühne. Als es endlich los ging, setzte auch noch Schneefall ein, der ausgerechnet bei der Top-Gruppe am heftigsten war.

Via Nintendo zum Sieg
Aber Vonn kann derzeit offenbar ohnehin nichts vom Siegen abhalten. Trotz Handverletzung, Verkürzung, Schneefall und schlechter Sicht blieb die Doppel-Weltmeisterin cool. Sie überbrückte die Wartezeit am Start mit dem Nintendo-Spiel "Gehirnjogging" und hatte dann mit einer Ausnahme auch auf der Strecke alle Sinne beisammen.

Denn am Start verhedderte sie sich mit dem linken Skistock und verlor gleich dort mehrere Zehntel. Dennoch schwang sie nach 69,12 Sekunden (kürzer sind nur die Sprint- bzw. Kombiabfahrten in Aare) im Ziel ab und fing die vom Wetter begünstigte Außenseiterin aus der Schweiz doch noch um 14 Hundertstel ab. "Ich bin echt überrascht. Ich dachte, Attacke wäre genug. Dann musste ich aber wegen des Schneefalls wirklich alles geben und kämpfen", schüttelte die 25-Jährige den Kopf über sich selbst.

ÖSV erlebt dickes Debakel
Während Vonn damit vor dem Super-G am Sonntag ("Ich habe jetzt großes Selbstvertrauen und werde noch mehr Gas geben als zuletzt") schon 99 Punkte Vorsprung auf Maria Riesch (7.) hat, schlitterte Österreichs dezimierte Abfahrtstruppe in ein Debakel. Und das vor den Augen der "Golden Girls", nachdem neben Alexandra Meissnitzer (ORF) auch Michaela Dorfmeister mit Tochter Lea, die hochschwangere Renate Götschl und Brigitte Obermoser dem Rennen einen Besuch abgestattet hatten.

"Für mich ist es nicht so schlimm weil ich ja keine Spezialistin bin und immer noch eine Steigerung verzeichne", sagte Fenninger während Andrea Fischbacher, im Vorjahr noch Zweite in der Weltcup-Abfahrtswertung, nach Platz 23 den Kopf schüttelte. "Wir sind ratlos!"

ÖSV-Alpinchef Hans Pum versuchte einen Tag nach dem verletzungsbedingten Saison-Ende von Maria Holaus trotz des Desasters - Elisabeth Görgl kam als drittbeste ÖSV-Fahrerin auf Platz 36 nicht einmal in die Punkteränge - realistisch zu bleiben. "Man muss auch sehen, wer uns aller fehlt. Natürlich sind wir dennoch nicht zufrieden. Vielleicht fahren die Mädchen daheim einfach zu verkrampft. Da müssen wir jetzt einfach durch!"

(apa/red)

9.1.2010 16:10