USA setzen ab sofort auf nackte Tatsachen:
Einreisende müssen durch den Nacktscanner
- Besonderes Augenmerk auf terrorverdächtige Länder
- Flughafenterminal in Newark vorsichtshalber gesperrt

·Obama: Al Kaida trägt
direkt Verantwortung
Rede: Rechenschaft für Detroit-Anschlagsversuch
·Experte warnt vor Airport-Nacktscanner
Die Röntgenstrahlung könne Krebs verursachen
Nach dem gescheiterten Anschlagsversuch auf eine US-Passagiermaschine zu Weihnachten haben die USA ihre Sicherheitskontrollen an den Flughäfen deutlich verschärft. Vor allem Reisende aus 14 Staaten, die nach Washingtons Einschätzung "Verbindungen" zum Terrorismus haben, werden systematisch abgetastet und mit einem Körperscanner durchleuchtet, wie die US-Flugsicherheitsbehörde TSA mitteilte. Die Sicherheitsvorkehrungen bei USA-Flügen waren bereits am 26. Dezember generell verschärft worden.
Die neuen Maßnahmen gelten seit Sonntag. Zu den 14 Staaten zählen jene vier, die nach Meinung des State Department Terrorismus unterstützen, nämlich Kuba, der Iran, der Sudan und Syrien. Als zusätzliche Staaten mit "Terrorverbindungen" nannte ein ranghoher US-Regierungsbeamter Afghanistan, den Jemen, Libyen, Pakistan, Nigeria und Somalia. Bei den restlichen Staaten handelt es sich nach Informationen der Zeitungen "New York Times" und "Washington Post" um Algerien, den Irak, den Libanon und Saudi-Arabien.
Reisende, die aus diesen Ländern kommen oder über diese Länder gereist sind, werden abgetastet und besonders gescreent. Außerdem wird ihr Gepäck eingehend untersucht. Alle anderen Passagiere sollen stichprobenartig überprüft werden. Die neuen Maßnahmen wurden laut TSA in Abstimmung mit den Justizbehörden sowie "unseren einheimischen und internationalen Partnern" entwickelt.
Am 25. Dezember hatte ein 23-jähriger Nigerianer an Bord einer in Amsterdam gestarteten Maschine der US-Fluggesellschaft Northwest Airlines versucht, vor der Landung in Detroit einen Sprengsatz zu zünden. Er wurde von Passagieren und Besatzungsmitgliedern überwältigt. Zu dem vereitelten Attentat bekannte sich der Al-Kaida-Ableger im Jemen.
Amsterdam und Großbritannien scannen nackt
In Reaktion auf den verhinderten Anschlag wird der Amsterdamer Flughafen Schiphol, von dem aus der Nigerianer reiste, flächendeckend mit Körperscannern ausgerüstet. Auch Großbritannien will die Scanner einführen.
Die EU-Kommission bezeichnete zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen auf Flughäfen als notwendig und stellte einen neuen Vorschlag in Aussicht. Die EU-Behörde hatte ihren Plan vom Oktober 2008, die umstrittenen Körperscanner zur Passagierkontrolle in allen Mitgliedstaaten einzuführen, wegen massiver Ablehnung im EU-Parlament wieder zurückgezogen. Am Montag erklärte eine Kommissionssprecherin in Brüssel, derzeit werde die Situation geprüft. "Wir brauchen zusätzliche Maßnahmen und werden sehen, ob die Technologie sicher ist und im Einklang mit den europäischen Gesetzen steht. Auf dieser Basis könnten wir einen neuen Vorschlag vorlegen."
Chaos nach Terminal-Sperre
Im Terminal C des Newark Liberty International Airport bei New York herrschte am Sonntag Chaos, nachdem ein Mann gegen 17:30 Uhr (Ortszeit) durch einen Ausgang hinter die Sicherheitskontrollen gelangt war. Sechs Stunden lang wurde das hauptsächlich von der Fluggesellschaft Continental genutzte Abfertigungsgebäude gesperrt. Die Maschinen blieben am Boden, während die Sicherheitsbehörden mit Hilfe von Videoaufnahmen vergeblich versuchten, den Unbekannten zu identifizieren.
Die Passagiere mussten zurück in den Check-in-Bereich. Erst um 23:45 Uhr öffneten sich die Tore wieder, und alle Fluggäste wurden erneut kontrolliert, wie eine Sprecherin der Verkehrssicherheitsbehörde (TSA) mitteilte. Nach dieser neuerlichen Überprüfung konnten die ersten Flugzeuge wieder starten.
Betroffene Passagiere reagierten verärgert. "Ich bin wütend, weil es Organisationsfehler gab", sagte die Engländerin Alison Day, die als Teil einer achtköpfigen Reisegruppe - darunter zwei kleine Kinder - stundenlang auf ihren Abflug warten musste. Day kritisierte vor allem den Mangel an Informationen.
US-Präsident Barack Obama steht wegen des Anschlagsversuchs unter massivem innenpolitischen Druck. Zu dem vereitelten Anschlag hat sich der Al-Kaida-Ableger im Jemen im Internet bekannt.
(apa/red)
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