Asylzentrum ist Top-Thema: SOS Mitmensch
fordert mehrere kleine Erstaufnahmelager
- Keine adäquate Betreuung in "Massenlagern" möglich
- Ideal wären 15 Erstaufnahmelager in ganz Österreich
Sonderegger: Man muss Bürgern "die Angst nehmen"

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Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch spricht sich im Zusammenhang mit der Diskussion um das geplante Asylerstaufnahmezentrum im burgenländischen Eberau für die Errichtung mehrerer kleiner Standorte aus. Ideal wären etwa 15 Erstaufnahmelager in ganz Österreich, die jeweils maximal 80 Personen aufnehmen können, erklärte Philipp Sonderegger von SOS Mitmensch im Gespräch mit der APA. Er vermute allerdings, dass Innenministerin Maria Fekter bewusst auf "Massenlager" setze, um die Asylwerber "von der Öffentlichkeit zu isolieren".
Es sei auf jeden Fall "sinnvoll", das Erstaufnahmezentrum im niederösterreichischen Traiskirchen zu entlasten, betonte Sonderegger. Dies müsse man sowohl im Interesse der Umgebung als auch der Asylwerber tun. Um diese "vernünftig" betreuen zu können, seien allerdings kleinere Einrichtungen und keine "Massenlager" notwendig.
Kleinere Zentren würden auch dazu beitragen, den Bürgern die Angst vor Asylwerbern zu nehmen, glaubt Sonderegger. Schon oft habe sich gezeigt, dass bei einem persönlichen Kontakt zwischen Bevölkerung und Asylwerbern in überschaubarer Umgebung "plötzlich die Probleme weg" seien. Die Schwierigkeiten in den Erstaufnahmezentren wie Traiskirchen lägen nämlich nicht an den Ausländern, so Sonderegger: "Würde man nur Österreicher in eine derart große Einheit stecken, würde es die selben Probleme geben."
Unhaltbare "Zustände"
Prinzipiell gehe es um die "Zustände" in den Lagern, verweist Sonderegger beispielsweise auf Massenschlafsäle, die gleichzeitig als Wohnraum genutzt werden. Auch sei es in großen Asylzentren nicht möglich, die Betroffenen adäquat zu betreuen, besonders wenn es sich um traumatisierte Flüchtlinge handle.
Für die Bürger in Eberau, die nicht gerade begeistert auf Fekters Pläne reagiert haben, habe er aber auch Verständnis, betonte Sonderegger: "Die Bevölkerung hat jahrelang gehört, Asylwerber sind Kriminelle, eine Belastung, eine Bedrohung." Auch durch die ständigen Berichte über die Überlastung in Traiskirchen sei es "berechtigt, skeptisch zu reagieren". Dabei, so Sonderegger, hätte man das Problem "früher ganz leicht lösen können", indem man die Asylbehörden "ausreichend" ausgestattet und dadurch die Situation entspannt hätte.
Diskussion "unbefriedigend"
Die aktuelle Diskussion sei jedenfalls "unbefriedigend", und dass sich die Idee mehrerer kleiner Lager durchsetzen wird, glaubt Sonderegger auch nicht. "Es gibt handfeste Interessen hinter den Massenlagern." Fekter habe, wie Sonderegger vermutet, aus jenen Fällen in der Vergangenheit "gelernt", bei denen einzelne Asylwerber derart gut in einer Gemeinde integriert waren, dass sich die Bevölkerung gegen ihre Abschiebung eingesetzt habe. Um dies zu verhindern, versuche die Innenministerin nun offenbar, Asylwerber in großen geschlossenen Erstaufnahmezentren "von der Öffentlichkeit zu isolieren".
(apa/red)
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