"Der Häupl hat nichts fürs Fußvolk über":
Der Kampf ums rote Wien im Gemeindebau
- "Ich hab' ja nichts gegen Ausländer, aber ..."
- FORMAT auf Lokalaugenschein im Schöpfwerk
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um die rote Stadt
Ein FORMAT-Lokalaugen-schein im Gemeindebau

Am 10. Oktober wird in Wien gewählt. Das Integrationsthema wird diese Wahl entscheiden. Im Gemeindebau wird schon jetzt Stellung bezogen und um jede Stimme gefightet. Ein Lokalaugenschein.
Gerhard ist eigentlich Waldviertler. Seit zwanzig Jahren ist er aber auch Schöpfwerker und regelmäßiger Gast im Arkadencafé, dem Treffpunkt der Österreicher im hiesigen Gemeindebau. Beim roten Spritzer hier an der Bar und auch sonst wird der 41-Jährige Schorti genannt. Und eigentlich will ich nichts sagen, sagt dann aber doch was, weil: Wir sind alle ein bisserl stinksauer. Und: Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber
Bürgermeister vermisst
Eigentlich gehe es allen gut. Die Wohnungen seien schön, viel Grün sei auch da. Aber die Österreicher ziehen vom Schöpfwerk weg, die Ausländer kommen nach. Und der Häupl lässt sich einmal alle fünf Jahre blicken. Er hat nichts fürs Fußvolk über. Der Strache sei da anders. Und hier im Café, meint Schorti, seien alle seiner Meinung. Schon Monate vor der Wiener Landtagswahl am 10. Oktober dieses Jahres weiß so mancher hier anscheinend, was man will. Oder eigentlich, was man nicht will: mehr Ausländer, überhaupt und vor allem nicht im Gemeindebau.
Und genau wegen solcher Stimmungslagen wird dieses Thema den kommenden Wahlkampf prägen. Die FPÖ versucht solche Wähler mit markigen und rassistischen Sprüchen zu gewinnen. Und die SPÖ versucht mit positiven Beispielen manche davon noch schnell neu installiert zu zeigen, dass Integration möglich ist. Das Schöpfwerk dagegen ist ein Gemeindebau, wo das Miteinander von In- und Ausländern auch außerhalb des Wahlkampfs gelebt werden muss.
Beschränkungen für Ausländer aufgehoben
Unter den rund 5.000 Schöpfwerker Gemeindebaubewohnern haben rund 60 Prozent Migrationshintergrund. Das sind deutlich mehr als im Schnitt: In Wien leben aktuell fast 1,7 Millionen Menschen. Rund 30 Prozent davon haben Eltern oder Großeltern, die im Ausland geboren wurden. Und sie sind auf den Wohnraum eigentlich gleichmäßig verteilt: Auch unter der halben Million Gemeindebaubewohnern in 220.000 Wohnungen gibt es nicht mehr Migranten als sonst. Seit 2006 können sie in Gemeindewohnungen ziehen. Die Beschränkungen wurden weitgehend aufgehoben: Zwei Jahre Hauptmeldung in Wien, ein Mindestalter von 17 Jahren und Gehaltsobergrenzen gelten für alle als Voraussetzung. Ausländer aus Nicht-EU-Staaten müssen darüber hinaus fünf Jahre lang in der EU gemeldet gewesen sein.
Dass am Schöpfwerk der Prozentsatz höher ist, hat einen einfachen Grund: Die Wohnungen sind groß, 100 bis 150 Quadratmeter keine Seltenheit. Paare, deren Kinder erwachsen sind, ziehen weg. Neue Familien mit Kindern rücken nach, darunter eben auch Zuwanderer. Das ist auf den Wegen zwischen den Häusern sicht- und hörbar: Viele Frauen tragen Kopftuch, Jugendliche unterhalten sich auf Türkisch. So weit hat Schorti Recht. Was daran problematisch ist, kann er allerdings nicht erklären.
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