Freitag, 1. Jänner 2010

Mit Bauchweh zum Triumph in Garmisch:
Gregor Schlierenzauer über seinen Erfolg

  • "Comeback" nach einer Magen-Darm-Verstimmung
  • Konstanz über viele Jahre ist "die größte Motivation"

Gregor Schlierenzauer hat trotz gesundheitlicher Probleme dem Neuen Jahr mit dem Sieg in Garmisch-Partenkirchen gleich wieder einmal seinen Stempel aufgedrückt. Im Interview mit der APA spricht der erst 19-jährige Tiroler mit 27 Weltcupsiegen über sein "Comeback" nach einer Magen-Darm-Verstimmung, Rekorde und Ziele, und auch darüber, dass er sich noch gar nicht als Superstar sieht.

Frage: Wie war es nach den gesundheitlichen Problemen möglich, dass Sie hier nun ihren dritten Saisonsieg feiern konnten?
Gregor Schlierenzauer: "Möglich war es durch eine sehr gute Betreuung von meinem Hausarzt, der mich wieder zu 90 Prozent hergestellt hat. Ihm kann ich sehr viel verdanken. Ich habe immer schon gewusst, dass mir Garmisch sehr gut liegt. Das habe ich auch im ersten Trainingssprung schon gezeigt. Ich habe heute versucht, eine gute Leistung abzurufen. Es ist sehr schön, wenn man weiß, dass man wieder ganz oben steht im Neuen Jahr."

Frage: Schon wieder drei Siege in dieser Saison, die Rekordflut geht weiter. Andi Felder hat gesagt, Sie haben das Zeug, der Beste aller Zeiten zu werden. Sind solche Gedanken in ihrem Kopf oder wollen Sie das gar nicht mehr hören?
Schlierenzauer: "Jeder Springer, der es weit bringen will, muss sich sehr hohe Ziele setzen. Für mich ist es wichtig, auf die eigene Leistung zu schauen. Ich weiß, dass ich schon sehr viel erreicht habe, aber ich habe auch noch sehr viel offen. Ich bin nach wie vor top-erfolgshungrig und möchte so lange wie möglich das Level oben halten, was eine sehr schwere Aufgabe ist."

Frage: Das eigene Team wird immer stärker, es gibt mittlerweile vier Siegspringer in der eigenen Mannschaft. Ist das eine besonders schwierige Situation für Sie?
Schlierenzauer: "Mir taugt's sehr gut, weil es einfach in solchen Momenten wie Oberstdorf bei mir auch irgendwo ein Vorteil ist. Diejenigen, denen es nicht läuft, werden getragen von den anderen. Wenn man weiß, dass die eigenen Kollegen auch jederzeit fähig sind, einen Sieg zu machen, dann strengt man sich natürlich umso mehr an. Das ist der Ansporn und der Reiz, der das ausmacht."

Frage: Nach dem Rücktritt von Hermann Maier werden Sie von vielen als der neue Superstar des österreichischen Sports gesehen.
Schlierenzauer: "Das ist sehr schön zu hören, aber als noch 19-Jähriger fühle ich mich noch gar nicht als der Superstar. Für mich ist einfach wichtig, gesund zu bleiben, und den Weg, den ich mir vorstelle, noch einige Jahre weiterzugehen. Dann ist sicherlich noch einiges realistisch. Momentan mache ich mir über Rekorde oder Helden und Stars weniger Gedanken."

Frage: Wie gehen Sie mit dem Hype um Ihre Person um?
Schlierenzauer: "Es ist sehr schön, wenn man oben steht. Man muss aber auch wissen, dass spätestens, wenn man oben steht, die anderen schon wieder arbeiten. Natürlich ist es nicht einfach, speziell über Jahre gesehen, immer konstant oben zu sein. Ich denke, das ist sicherlich die größte Motivation. Für mich ist einfach wichtig, dass ich das, was ich mir in den Kopf setze, noch einige Jahre machen kann."

(apa/red)

1.1.2010 18:23