Dienstag, 29. Dezember 2009

Scheiber in Bormio-Abfahrt diqualifiziert: Skischuh wird Österreicher zum Verhängnis

  • War als Zweiter hinter Jerman ins Ziel gefahren
  • Slowene gewinnt vor Defago und Walchhofer

Österreichs Ski-Herren müssen weiterhin auf den ersten Saisonsieg in der Königsdisziplin Abfahrt warten. Platz eins beim Klassiker in Bormio ging an den Slowenen Andrej Jerman, der seinen zweiten Weltcup-Erfolg feierte. Der Tiroler Mario Scheiber fuhr zwar auf der Stelvio die zweitschnellste Zeit des Tages, wurde jedoch nach Rennschluss aufgrund einer zu hohen Standhöhe im Atomic-Skischuh disqualifiziert.

Dadurch rückten der Schweizer Didier Defago und der Salzburger Michael Walchhofer, der es erstmals in dieser Saison aufs Stockerl schaffte, auf die Plätze zwei und drei vor. Mit Klaus Kröll (8.) und Hans Grugger (9.) landeten zwei weitere Österreicher in den Top Ten. Der Schweizer Carlo Janka wurde Elfter und löste damit den nicht nach Bormio gereisten Tiroler Benjamin Raich als Leader im Gesamtweltcup ab. Das nächste Rennen findet am 6.1. in Zagreb (Slalom) statt.

Jerman, der die frühe Startnummer 5 perfekt ausnützte, war vor dem Rennen bereits etwas mehr als nur ein Geheimfavorit gewesen. Jerman hatte bereits 2006 (4.) und 2007 (5.) mit Topergebnissen in Bormio aufgezeigt, zudem war der Slowene in den Trainings Zweiter und Erster gewesen. "Mir hat es in Bormio immer schon sehr gut gefallen, das ist eine der schwierigsten Abfahrten der Welt", meinte Jerman über seine Vorliebe für die Stelvio.

"Ich hatte ein gutes Gefühl und eine gute Fahrt, heute hat alles geklappt. Nach der bisher sehr schwierigen Saison ist dieser Sieg eine große Genugtuung für mich", freute sich der Stöckli-Ski-Fahrer, dessen bestes Ergebnis im Olympia-Winter bis Dienstag Rang 18 in Beaver Creek war.

Walchhofer war mit der Fahrt "absolut zufrieden, auch wenn die eine oder andere Kurve etwas bessergegangen wäre". "Die Leistung von Jerman muss man anerkennen, er hat seine Trainingsleistungen super ins Training umgesetzt", gratulierte Walchhofer dem Sieger. Die Bedingungen bezeichnete Walchhofer im Vergleich zu Gröden als "relativ fair", Jerman sei an diesem Tag einfach nicht zu schlagen gewesen.

Frust bei Scheiber
Bei Scheiber war der Frust natürlich riesengroß. "Eigentlich hätte alles gepasst. Leider entgehen mir dadurch wichtige Punkte", meinte der Tiroler, der zuletzt in Gröden Zweiter gewesen war. Scheiber war sich sicher, dass er jenen Atomic-Schuh auch in Gröden getragen hatte und konnte sich den Fehler so wie die Serviceleute und die ÖSV-Trainer überhaupt nicht erklären.

Laut Scheiber wurde am Schuh im Vergleich zu Gröden nichts verändert. Möglich ist, dass sich ein Material innerhalb des Schuhs durch Temperatureinflüsse ausgedehnt hat. Dass die Messung korrekt war, daran bestand jedoch zum Leidwesen von Scheiber kein Zweifel. "Wir müssen dem auf die Spur gehen, irgendwann werden wir sicher draufkommen. Die Entscheidung ist korrekt, man muss sie akzeptieren", meinte ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger ratlos. "Das war vom Reglement her leider eine ganz klare Disqualifikation", erklärte auch FIS-Renndirektor Günter Hujara.

Bei Kröll und Grugger scheint die Formkurve Richtung 2010 und Olympia deutlich nach oben zu zeigen. "Das war ein klarer Schritt nach vorne. Ich habe versucht, sauber skizufahren und das ist mir teilweise auch gelungen", analysierte Kröll, der aber auch doch viel Spielraum nach oben sieht: "In der Pause bis zum nächsten Rennen kann ich am Feinschliff arbeiten. Mir fehlt noch die letzte Überwindung, aber der Weg stimmt."

(apa/red)

29.12.2009 14:54