Fluggästen droht nun der totale Durchblick:
Nacktscanner sollen Terrorgefahr verringern
- Europas Regierungen liebäugeln mit teuren Geräten
- Größere Sicherheit auf Kosten der Menschenwürde?

·Flugzeugattentat war
ein Werk der Al Kaida
Terrorgruppe aus Jemen
bekennt sich im Internet
·Falscher Bomben-
Alarm auf Flughafen
Mailand: Kein Sprengstoff
in verdächtigem Paket
·Neuer Vorfall auf der
Route Holland-Detroit
"Störender" Passagier
schließt sich am WC ein
·Vereiteltes Attentat
fordert Konsequenzen
Lange Wartezeiten und
Kontrollen bei US-Reisen
·Helden von Flug 253 entgehen Anschlag
Vereitelter Terrorplan in Flugzeug zu Weihnachten
Nach dem gescheiterten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug wird der Ruf nach Nacktscannern an europäischen Flughäfen immer lauter. Den Anfang machte die britische Regierung, die Ganzkörperscanner "so schnell wie möglich" auf den Flughäfen des Königreichs installieren will. Nun wird auch bereits in Deutschland die Schaffung entsprechender Anlagen erwägt. Auf der Strecke bleiben könnte dabei allerdings die Menschenwürde.
Mit einem der umstrittenen "Nacktscanner" wäre der Detroit-Attentäter, der einen in Amsterdam gestarteten Airbus beim Landeanflug auf Detroit mit Hilfe des hochexplosiven Sprengstoffs PETN in die Luft sprengen wollte, nach Ansicht niederländischer Experten vermutlich erwischt worden. Zumindest hätte es eine größere Chance gegeben, den am Körper des Mannes versteckten Sprengstoff zu entdecken, erklärte der Betriebsdirektor des Amsterdamer Airports Schiphol, Ad Rutten. Auf Schiphol werden seit mehreren Monaten 16 "Nacktscanner" zu Testzwecken eingesetzt.
EU verweigert Zustimmung
Insgesamt seien die Tests mit den neuen Scannern in Amsterdam so erfolgreich, so dass Sicherheitsexperten sie gern standardmäßig für alle Passagiere einsetzen würden, erklärte der Betriebsdirektor. Kritiker hingegen befürchten eine unzulässige Verletzung von Persönlichkeitsrechten, weil die Scanner den nackten Körper der kontrollierten Personen erkennen lassen. Auch deshalb hatte das Europaparlament im Oktober 2008 die EU-Kommission gestoppt, die schon bereit war, Körperscanner generell für die Flugsicherheit zuzulassen.
Inzwischen, so Schiphol-Betriebsdirektor Ad Rutten, werde in Amsterdam ebenso wie in vielen Städten der USA, in Moskau, Zürich und London die neueste Scanner-Generation getestet. "Und die sollte dann eigentlich alle Bedenken des Europaparlaments zerstreuen."
Nach Ansicht von Sprengstoffexperte James Crippin hätte man die Chemikalie zudem auch mit anderen modernen Instrumenten aufspüren können: "Puster"-Geräte etwa, die Luft auf einen Fluggast blasen und aufgewirbelte Partikel analysieren, hätten das Pulver wahrscheinlich entdeckt, aber auch Spürhunde hätten die Chemikalie wohl erschnüffelt. Die meisten Passagiere allerdings müssen nur Metalldetektoren passieren.
Kostspielige Geräte
Und billig sind Nacktscanner jedenfalls nicht: Die Geräte seien zwar sehr kostspielig, räumte der britische Innenminister Alan Johnson ein, Großbritannien wolle aber "führend in dieser Technologie" sein. Es gelte zugleich, das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen dem vorrangigen Schutz der Bevölkerung und deren Interesse, weiter ein normales Leben zu führen.
In Deutschland verwies der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach, auf Nacktscanner, die flüssige oder feste Sprengstoffe erkennen könnten, ohne dabei die Intimsphäre der Passagiere zu verletzen. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, bezeichnete dagegen gegenüber dem Blatt Nacktscanner als Verstoß gegen die Menschenwürde. Er forderte stattdessen eine bessere personelle Ausstattung der Polizei bei den Sicherheitskontrollen an Flughäfen.
(apa/red)
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