Die Qualmerei lässt die Wogen hochgehen:
Österreichisches Rauchverbot in der Kritik
- NEWS.at-User sind für schärferes Nichtrauchergesetz
- Auf Einhaltung des Verbots wird weitgehend gepfiffen
IHR KOMMENTAR: Was halten Sie vom Rauchverbot?

·Rauchverbot steht auf dem Prüfstand
Gesundheitsminister übt scharfe Kritik an Wirten
·Rauchverbot unter die Lupe genommen
UMFRAGE: Soll Gesetz noch verschärft werden?
·"Tschick" bereits bei
Elfjährigen ein Burner
Österreichs Jugendliche sind Rauch-Europameister
In die Debatte um das Rauchverbot in Lokalen ist zuletzt wieder einiger Schwung gekommen. Seit der Ankündigung von Gesundheitsminister Alois Stöger, die "österreichische Lösung", die den Wirten zahlreiche Ausnahmen ermöglicht, zu überprüfen, gehen die Wogen sowohl bei Glimmstängel-Fans als auch bei Nichtrauchern hoch.
In einer (nicht repräsentativen) Umfrage auf NEWS.at hat sich bis Dienstagvormittag eine knappe Mehrheit (51,2 Prozent) für eine Verschärfung des per 1. Jänner in Kraft getretenen Rauchverbots ausgesprochen. Derzeit dürfen Lokale ab einer Größe von 50 Quadratmetern das Qualmen in durch Türen abgetrennten Extra-Zimmern erlauben. Mindestens die Hälfte des Lokals muss jedoch rauchfrei bleiben. Für kleinere Gastronomiebetriebe oder jene, die nur über einen Raum verfügen, bieten sich jedoch zahlreiche Schlupflöcher, um das Rauchverbot zu umgehen.
Nicht nur für die Initiatoren der Facebook-Initiative "Rauchverbot in Lokalen" ist diese Lösung alles andere als zufrieden stellend. Sie wollen ein generelles Rauchverbot sowohl in Lokalen als auch bei öffentlichen Veranstaltungen. Innerhalb kürzester Zeit hat die Gruppe bereits mehr als 20.000 Mitglieder für ihr Anliegen gewinnen können. Ziel der Initiative ist es, ein österreichweites Volksbegehren zu starten. Dazu braucht man aber exakt 8.032 unterschriebene Unterstützungserklärungen. Ob die Fans der Initiative nur "Schreibtischtäter" sind oder ob sie sich tatsächlich auf den Weg ins Gemeindeamt oder zum Magistrat machen, um ihre Unterschrift zu leisten, bleibt abzuwarten.
Nichtraucherschutz? Pfeif' drauf!
Zu wünschen wäre es der Web-Initiative. In der Praxis hat sich nämlich gezeigt, dass die angedrohten Pönalen bei Verstößen gegen das Gesetz - bis zu 2.000 Euro für Wirte, bis zu 100 Euro für Gäste - praktisch keine Wirkung zeigen. Denn dazu braucht es jemanden, der den Tatbestand auch zur Anzeige bringt. Behördliche Kontrolleure gibt es keine. In den Lokalen löst sich die unausgereifte und so typisch österreichische Regelung somit in Schall und Rauch auf, weil die meisten Wirte auf die Einhaltung der Vorschriften schlichtweg pfeifen und sich elegant durch das Vorschriftengewirr schlängeln. Bei den zahlreichen Ausnahmen, die das Tabakgesetz genehmigt, ist das auch nicht weiter verwunderlich.
Der Schutz der Nichtraucher in Gastronomiebetrieben ist in Österreich jedenfalls nicht mehr als ein politischer Stehsatz, das entsprechende Nichtrauchergesetz ein Affront für alle, denen vor den ungesunden Glimmstängeln graust. Bis 1. Juli 2010 genießen Wirte, die wegen des Verbots Umbaumaßnahmen beantragt haben, noch eine gesetzliche Schonfrist. Bis dahin müssen sie die Bauarbeiten in ihren Lokalen abgeschlossen haben. Die Bauarbeiten am österreichischen Nichtrauchergesetz werden aber hoffentlich weitergehen.
(jt)
