Dienstag, 22. Dezember 2009

Zwei Traditionsmarken unter dem Hammer:
GM & Ford wollen Saab und Volvo loswerden

  • Niederländischer Autobauer Spyker buhlt um Saab
  • Volvo soll an eine chinesische Gesellschaft gehen

Volvo und Saab - zwei traditionsreiche Marken, die lange den Stolz der schwedischen Industrie in alle Welt trugen, sind längst zu Sorgenkindern geworden. Saab-Eigentümer General Motors sucht seit Jänner einen Käufer für die schwer defizitäre Tochter und auch Ford möchte sich besser heute als morgen von Volvo trennen: Der zweitgrößte Lkw-Bauer der Welt muss allein bei Nutzfahrzeugen Verkaufseinbrüche von 41 Prozent hinnehmen. Nun soll der Notverkauf die beiden Marken retten. Und Tausende Arbeitsplätze.

Saab klammert sich inzwischen an einen holländischen Strohhalm. Der kleine niederländische Sportwagenbauer Spyker, der im letzten Jahr lediglich 37 Luxusflitzer produzierte, will den schwedischen Autoriesen schlucken. Klar, dass man so einen Coup nicht im Alleingang bewerkstelligt: Es wird gemunkelt, dass der schwerreiche holländische Investor Marcel Boekhoorn, der Anteilseigner bei Spyker ist, seine Geldbörse weit öffnen wird, um Spykers Griff nach den Sternen zu finanzieren. Boekhoorns dementiert diese Pläne noch: "Alles nicht wahr. Das wurde erfunden", so der Multimillionär.

Und auch Saab-Eigentümer General Motors (GM) will die Gerüchte vorerst nicht kommentieren. "Es ist wichtig für uns, dass die Gespräche mit den Kaufinteressenten und General Motors weitergehen. Wir können noch auf eine Lösung hoffen", ließ ein Sprecher von Saab wissen.

Immerhin wäre eine Einigung für die europäische Autoindustrie wesentlich: Es geht um 8.000 Arbeitsplätze, die direkt oder bei Zulieferbetrieben für Saab tätig sind.

Volvo im Reich der Mitte?
Beim schwedischen Autobauer Volvo klopft indes eine chinesische Investmentgesellschaft an die Tür. 1,4 Milliarden Euro sollen Ford den Verkauf der Traditionsmarke schmackhaft machen. Der Verkauf an die Zhejiang Geely Holding Group ist zwar noch nicht unterschrieben, gilt aber bereits als einigermaßen fix.

Wie im Falle des Opel-Verkaufspokers, an dem der chinesische Autobauer BAIC teilgenommen hatte, dürfte es dieser chinesischen Gruppe um den Erwerb von Patenten gehen. Und genau das könnte den Deal noch gefährden: Der Schutz der Rechte am geistigen Eigentum, aber auch die Sorge um einer patentrechtlichen "Ausweidung" Volvos inklusiver Verlust schwedischer und belgischer Arbeitsplätze erschweren die Verhandlungen. Trotzdem hat Ford wenig Spielraum: Eine Alternative zu dem chinesischen Angebot ist nicht in Sicht.
(mei)

22.12.2009 12:34