Dienstag, 22. Dezember 2009

ÖSV-Herren weiter das Maß aller Dinge:
Österreich führt in fünf von sechs Disziplinen

  • Slalom als Prunkstück - Abfahrt bleibt Sorgenkind
  • Bis Olympia muss ein starkes Abfahrtsteam her

Trotz erbitterter Gegenwehr aus der Schweiz gehen Österreichs Herren auch im Olympia-Winter 2009/10 als Nummer 1 in die kurze Weihnachtspause. Im Gesamt-Weltcup liegt Benjamin Raich in Front, zudem ist man in den Disziplinenwertungen in Slalom (Reinfried Herbst), Super-G (Michael Walchhofer), Riesentorlauf (Raich) und Superkombination (Raich) Nummer eins.

Lediglich in der Abfahrt (Didier Cuche) führt ein Schweizer. Somit liegen fünf der sechs möglichen Roten Trikots unter dem Christbaum. Nach 14 Bewerben hält die Truppe von Cheftrainer Toni Giger bei 5 Siegen, 4 zweiten und 4 dritten Plätzen, in der Teamwertung führt man 277 Punkte vor den Eidgenossen, die so wie die Österreicher bis dato fünfmal gewonnen haben.

"Wir haben natürlich nicht in allen Rennen das erreicht, was wir uns vorgenommen hatten. Aber wir haben eine sehr starke Mannschaft, die mit Ausnahme der Abfahrt schon in jeder Disziplin gewonnen hat und noch dazu jede Menge Rote Trikots ihr Eigen nennen darf. Das sagt schon sehr viel aus", meinte Giger.

Souverän im Stangenwald
"Der Slalom ist unser Prunkstück", weiß der Salzburger nicht erst seit dem Rennen am Montag in Alta Badia, in dem Herbst gewann und Manfred Pranger Dritter wurde. Mit Raich, Jungstar Marcel Hirscher und Mario Matt hat der ÖSV in dieser Disziplin drei weitere, also insgesamt fünf echte Sieganwärter.

Raich ist zwar am Montag mit starken Rückenbeschwerden ausgeschieden, stellt aber nach wie vor das Allrounder-Aushängeschild und die Konstante im Team dar. Mit 565 Punkten hat Raich so viele gesammelt wie noch nie zuvor vor Weihnachten. "Der Benni ist einfach ein Wahnsinn. Er hat einen gewaltigen Grundspeed, mit dem er in vier Disziplinen gewinnen kann", analysierte Giger.

Walchhofer und Scheiber und dann nix
Dass der Sieg ausgerechnet in der Königsdisziplin Abfahrt noch fehlt, schmerzt eine Skination wie Österreich natürlich. Die Abfahrt ist ohnehin aktuell so etwas wie das Sorgenkind der ÖSV-Herren, ein Stockerlplatz in drei Rennen ist mager. "Mit dem Michi (Walchhofer, Anm.) haben wie einen, der immer zu den Sieganwärtern zählt, egal bei welchem Abfahrtsrennen", weiß Giger. Doch Walchhofer wartet in dieser Saison noch auf sein erstes Abfahrtsstockerl.

Mit Mario Scheiber, zuletzt in Gröden Zweiter, scheint die Abfahrtstruppe vor Bormio einen zweiten Sieganwärter zurückgewonnen zu haben. "Scheibers Gröden-Fahrt war sensationell. Wir haben gehofft und gewusst, dass er ganz vorne sein kann, wenn die Bedingungen passen und er es sich zutraut. Aber wenn jemand so oft verletzt ist, dann gehen einem Zeit und Rennen ab. Jetzt ist er auf jeden Fall schon weiter als wir gehofft haben", so Giger über den 2008 arg gebeutelten Tiroler.

Streitberger und Gruber müssen auf Null stellen
Klaus Kröll und Hans Grugger machen laut Giger "Schritte nach vorne", das kann man hingegen von Georg Streitberger und Christoph Gruber nicht wirklich behaupten. "Bei ihnen muss jetzt die Pause genutzt werden, um alles auf Null zu stellen und neu anzufangen. Sie waren in der Vorbereitung ganz gut, sind aber dann völlig außer Tritt gekommen", meinte Giger.

Ausgerechnet in der Abfahrt, in der vor einigen Jahren sogar bei Weltcuprennen teaminterne Qualifikation gefahren werden musste, scheint es also so einfach wie schon lange nicht mehr zu sein, hinter Walchhofer und Scheiber ins Olympia-Team zu rutschen. "In der Abfahrt können sich noch einige Leute empfehlen. Ich bin aber überzeugt, dass wir auch hier ein starkes Team zusammenbringen werden." Im ersten Rennen nach Weihnachten steht in Bormio ein absoluter Abfahrtsklassiker auf dem Programm, das erste Training findet bereits am Sonntag (27.12.) statt.

(apa/red)

22.12.2009 10:13