Montag, 21. Dezember 2009

"Von so einem Start habe ich geträumt":
Reinfried Herbst kann sein Glück kaum fassen

  • Alta-Badia-Sieger hält beim Weltcup-Punktemaximum
  • Zum Rennen: "Habe es taktisch sehr klug angelegt"

Sieg in Levi, Sieg in Alta Badia - Reinfried Herbst ist ein perfekter Start in den Olympia-Winter gelungen, nach zwei Saisonslaloms hält der 31-jährige Salzburger beim Punktemaximum von 200 Weltcup-Zählern. "Von so einem guten Saisonstart habe ich geträumt. Ich wollte vom ersten Rennen weg den Rhythmus finden und die Trainingsleistungen ins Rennen umsetzen", freute sich Herbst, der in den vergangenen Saisonen eher als Spätstarter ab Jänner in Erscheinung getreten war.

Eine Erklärung für seine Frühform hat Herbst nicht. "Ich kann es nicht erklären. Aber wenn man so wie heute mit acht Hundertstel Vorsprung gewinnt, dann ist natürlich Glück auch dabei", meinte der Olympia-Zweite 2006, der in Alta Badia knapp vor Silvan Zurbriggen und Manfred Pranger gewann. Sein Levi-Sieg sei "wie aus dem Nichts und völlig unverhofft" passiert, in Alta Badia zählte er sich hingegen schon vor dem Rennen zu den Favoriten. "Ich habe gewusst, dass ich gewinnen kann."

Dass Österreich seit 1997 auf der Gran Risa sieglos war, war für Herbst vor dem Rennen kein Thema. "Im Endeffekt geht es für mich nur um die 100 Punkte, die ich einsacken möchte. Und ob ich die hier oder anderswo gewinne, ist mir eigentlich egal." Im Nachhinein fühle es sich jedoch natürlich gut an, den Bann gebrochen zu haben. "Weil man weiß, dass sich die Österreicher freuen, dass die Serie zu Ende ist."

Rennkonzept durchgezogen
Viel wichtiger war für Herbst aber, dass er sein Rennkonzept durchgezogen hat. "Ich habe es taktisch sehr klug angelegt. Ich wusste, dass ich im oberen Teil meine Stärken habe, deshalb bin ich dort meine schnellen Schwünge gefahren. Danach bin ich mit der richtigen Mischung aus Sicherheit und Risiko gefahren. Damit will ich aber nicht sagen, dass ich noch viel Reserven gehabt hätte", so Herbst, der sich bereits bei seinen jüngsten Europacup-Einsätzen sehr gut gefühlt hatte.

Wirklich schnell hat sich am Montag auf der Gran Risa nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Kurssetzungen niemand gefühlt. Das war auch bei Herbst so. "Das Tempo war niedrig, alles dauerte so lang, es war nicht flüssig. Ich wette, dass sich ohne die Zeittafel im Ziel heute kein Läufer im Ziel richtig einschätzen hätte können."

Bereits sechs Knieoperationen
Beim Riesentorlauf-Sieg von Christian Mayer vor zwölf Jahren in Alta Badia war Herbst bereits im ÖSV, allerdings hatte er damals gerade den ersten seiner drei Kreuzbandrisse zu verdauen gehabt. Bis heute hat der Salzburger sechsmal wegen Knieverletzungen unters Messer gemusst. Deshalb sprach Herbst auch den derzeit verletzten Slalom-Assen Ivica Kostelic und Jean-Baptiste Grange Mut zu.

"Auch mich hat es gepusht, wenn ich gesehen habe, dass andere Verletzte es wieder zurückgeschafft haben. Teilweise kommt man nach Verletzungen stärker zurück als man vorher war", meinte Herbst, der durch seinen siebenten Weltcup-Erfolg auch im Teammatch zwischen den Herren aus Österreich und der Schweiz auf 5:5 ausglich.

Weihrauchgehen und Würstelsuppe
Weihnachten wird Herbst traditionell ("Mit Weihrauchgehen und Würstelsuppe") in seiner Heimat Unken mit Freundin Manuela und dem zweijährigen Sohn Felix feiern. Der nächste Slalom steht am 6.1. in Zagreb an, danach geht es mit Adelboden (10.1.), Wengen (17.1.), Kitzbühel (24.1.), Schladming (26.1.) und Kranjska Gora (31.1.) Schlag auf Schlag.

Auch für Pranger, der nach seiner Bandscheiben-OP vom 7.4. in den vergangenen Wochen wieder starke Rückenprobleme bekommen hatte und sein Training zurückschrauben muss. "Ich darf nur mehr drei Läufe pro Tag absolvieren und muss schauen, dass ich für die Rennen fit bin", meinte der Tiroler, der noch dazu seit der Vorwoche mit einer gefrorenen und entzündeten Zehe zu kämpfen hat.

Pranger wollte unbedingt ein passables Ergebnis einfahren und fuhr daher nicht voll am Limit. "Ich bin nicht mit der letzten Entschlossenheit auf Sieg gefahren", berichtete Pranger, dem dennoch nur 0,17 Sek. auf Herbst gefehlt haben.

(apa/red)

21.12.2009 19:13