Samstag, 26. Dezember 2009

Terrorplan zu Weihnachten: Helden von
Flug 253 entgehen Flugzeug-Anschlag

  • Mutige Passagiere stoppen Attentäter in Maschine
    Geschockte Augenzeugin: "Ich dachte, das war's"
  • Airbus mit 280 Insassen landet unbeschadet in Detroit

Als der Flug 253 der US-Linie Northwest Airlines bereits auf den Flughafen von Detroit zusteuerte, versuchte Abdul Faruk Abdulmutallab, seinen mörderischen Plan in die Tat umsetzen. Der 23-jährige Nigerianer entzündete Sprengstoff, den er allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz an Bord des Airbus geschmuggelt hatte, um die mehr als 280 Insassen des Linienflugs zu töten.

Dass der Terroranschlag am ersten Weihnachtstag aber fehlschlug, war wohl der Ungeschicklichkeit des Attentäters - und der Geistesgegenwart einiger Passagiere - zu verdanken: Der junge Mann, der nach eigenen Angaben mit dem Terrornetzwerk Al Kaida in Verbindung stand, fing durch den brennenden, aber nicht explodierenden Sprengstoff Feuer und wurde sofort von den Mitreisenden überwältigt.

"Gab einen Knall"
"Erst gab es einen Knall. Alle waren ein bisschen erschrocken. Doch als wir uns umschauten, konnten wir zunächst nichts entdecken", sagte der Passagier Syed Jafry aus Ohio nach der Landung dem US-Sender CNN. Er saß nach eigenen Angaben in der 16. Reihe, drei Reihen hinter Abdulmutallab, und bekam ziemlich genau mit, was sich dann weiter abspielte. "Nach wenigen Sekunden sahen wir ein Licht - wie eine Flamme - und dann Feuer. Einige Leute wurden fast panisch, sie rannten auf den Brandherd zu, versuchten, an Wasser, Decken, einen Feuerlöscher zu kommen."

Ein junger Mann hinter Jafry behielt die Nerven: Er stürmte ebenfalls nach vorne und half zunächst den anderen Passagieren, die Flammen zu ersticken. Dann packte er sich den Verdächtigen und rang ihn nieder. Besatzungsmitglieder halfen, Abdulmutallab in die erste Klasse zu zerren, um ihn von den anderen Passagieren zu isolieren. Laut Jafry hatte der junge Mann schwere Verbrennungen und wehrte sich nicht. Etwa zwanzig Minuten später landete der in Amsterdam gestartete Airbus A330 unbeschadet auf dem Flughafen von Detroit.

Andere Passagiere berichteten dem lokalen Nachrichtenkanal WDIV, dass der mutmaßliche Terrorist einige Zeit vorher mit einem Kissen vor dem Bauch und einer Spritze in der Hand von der Toilette auf seinen Platz zurückgekehrt sei. Kurz darauf seien von seinem Platz Rauch und Flammen aufgestiegen. Er habe einen Knall wie von einem geplatzten Luftballon gehört - "und eine Minute später hörte ich, wie eine Frau immer wieder schrie: 'Was machen Sie denn da, was machen Sie denn da'", erzählte der Passagier Elias Fawaz.

"Ich dachte, das war's"
Während einige Flugzeuginsassen von dem Drama in der Mitte des Flugzeugs gar nichts mitbekamen, glaubte Richelle Keepman, ihre letzte Stunde habe geschlagen. Die Frau aus Wisconsin saß nur wenige Reihen vor dem Verdächtigen. Der Knall, das Feuer und das anschließende Gemenge seien "schrecklich" gewesen, erzählte sie WDIV: "Ich dachte, das war's." Zina Saiga sah noch, wie ein Mann den überwältigten Attentäter mit "heruntergelassener Hose nach vorne zog". Melinda Dennis saß in der ersten Klasse und konnte den Nigerianer genau beobachten: "Er sagte nichts. Sein Bein war ziemlich verbrannt, aber er blieb ganz ruhig, zeigte keinen Schmerz."

Abdulmutallab sagte später in den ersten Verhören aus, er habe mit Hilfe einer mit Chemikalien gefüllten Spritze Pulver zur Explosion bringen wollen, das er an seinem Bein festgeklebt hatte. Den Auftrag für das Attentat und den Sprengsatz habe er im Jemen erhalten.

Der Vorgang erinnert an den Fall des britischen "Schuh-Bombers" Richard Reid. Vor acht Jahren, kurz vor Weihnachten, versuchte Reid, eine Boeing der American Airlines auf dem Weg von Paris nach Miami in die Luft zu sprengen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September waren die Sicherheitsvorkehrungen zwar hoch, und doch war es ihm gelungen, den Sprengstoff in seinen Schuhen an Bord zu schmuggeln. Eine Stewardess konnte damals verhindern, dass er ihn zündete.

(apa/red)

26.12.2009 16:14