Riesengroßer Wirbel um Roman Polanski:
Starregisseur in der Schweiz festgenommen
- Hatte vor Jahrzehnten eine 13-Jährige vergewaltigt
- Noch keine Entscheidung über Auslieferung in USA

Am 27. September 2009 schlug für Roman Polanski die Stunde der Wahrheit. Eigentlich hätte der Star-Regisseur beim Zürcher Filmfestival das "Goldene Auge" für sein Lebenswerk erhalten sollen. Doch stattdessen endete sein Ausflug in die Schweiz mit einer Verhaftung. Aufgrund eines US-Haftbefehls wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen aus dem Jahre 1978 wurde Polanski "zur provisorischen Auslieferungshaft" festgenommen.
Im Februar 1978 war der gebürtige Pole Polanski, der seit 1975 französischer Staatsbürger ist, aus den USA geflohen. Dort war ein Prozess gegen ihn anhängig, nachdem er den sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens gestanden hatte. Polanski flüchtete, nachdem der Richter ihn mit einer höheren Gefängnisstrafe bedroht hatte als vereinbart.
Opfer hat Polanski verziehen
Sein damaliges Opfer hat Polanski längst öffentlich verziehen. Im Mai 2009 war der Regisseur dennoch endgültig mit seinem Antrag gescheitert, das Vergewaltigungsverfahren in Kalifornien nach 32 Jahren endlich für geschlossen zu erklären. Ein Gericht in Los Angeles hatte sein Ersuchen abgelehnt und das persönliche Erscheinen des Regisseurs gefordert.
Polanskis Verhaftung war nach Informationen der "Los Angeles Times" schon längere Zeit von der US-Justiz vorbereitet worden. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Polanski in einem Land festgenommen werden sollte, das ein Auslieferungsabkommen mit den USA abgeschlossen hat, zitiert die Zeitung die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Sandi Gibbons. Wenigstens zweimal schon seien alle erforderlichen Papiere in Los Angeles vorbereitet worden. "Aber offensichtlich bekam er Wind davon und änderte seine Reisepläne", sagte Gibbons.
"Ungeheurer Kulturskandal"
Die Verhaftung am Flughafen Zürich löste in der Schweizer Filmszene Protest und Empörung aus. Das Vorgehen der Behörden sei nicht nur eine "groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheuerer Kulturskandal", schrieb der Verband der Regisseure. Die Verhaftung werde dem Land weltweit Schaden zufügen, kritisierte der Verband Filmregie und Drehbuch. Es sei eine "Ohrfeige ins Gesicht aller Kulturschaffenden in der Schweiz". Das Festival in Zürich verschob die geplante Ehrung Polanskis "auf einen unbestimmten Zeitpunkt".
Polanskis Verhaftung löste ein heftige Debatte über seine Schuld aus. Zahlreiche Hollywoodstars stellten sich auf seine Seite, während weite Teile der Bevölkerung sich dafür aussprachen, dem Star-Regisseur keinerlei Sonderbehandlung zukommen lassen, immerhin verjährt Vergewaltigung in den USA niemals.
Auslieferungsantrag
Knapp einen Monat nach seiner Verhaftung, am 23. Oktober 2009, stellten die USA einen Auslieferungsantrag für Roman Polanski. Sein französischer Anwalt Herve Temime sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Polanski akzeptiere das Auslieferungsgesuch der USA nicht. Der Regisseur betonte immer wieder, auf eine Einstellung des Verfahrens zu hoffen.
Unterstützung erhielt er sogar von seinem Opfer Samantha Geimer. Als Minderjährige hatte sie mit Polanski gegen ihren Willien Geschlechtsverkehr gehabt, beantragte bei der kalifornischen Justiz nun aber die Einstellung des Verfahrens gegen den Regisseur.
Gegen Millionenkaution unter Hausarrest
Am 4. Dezember 2009 wurde Polanski nach langem hin und her aus der Haft entlassen und in sein Chalet im schweizer Nobelort Gstaadt gebracht, wo er bis heute unter Hausarrest steht. Sein Arrest wird von den Schweizer Behörden mit einer elektronischen Fessel überwacht.
Für seine Freilassung aus der Auslieferungshaft hatte sich Polanski verpflichtet, "sein Haus und sein Grundstück zu keiner Zeit zu verlassen", wie das Bundesamt für Justiz erklärte. Die Kaution in Höhe von umgerechnet knapp drei Millionen Euro sei überwiesen. Die Ausweispapiere des Oscar-Preisträgers mit französischer und polnischer Staatsbürgerschaft wurden bei der Polizei hinterlegt.
Die Entscheidung über die Auslieferung des in der Schweiz unter Hausarrest stehenden Starregisseurs Roman Polanski in die USA fällt voraussichtlich Anfang 2010. Es brauche Zeit, um das 60-seitige Auslieferungsgesuch der USA und die 40-seitige Stellungnahme der Verteidigung zu prüfen, sagte Folco Galli, der Sprecher des Schweizer Justizministeriums.
(apa/red)










