Donnerstag, 17. Dezember 2009

"Es macht kein schönes Bild": Austria muss
üble 1:5-Pleite gegen Funchal erst verdauen

  • Größtes Europa-Debakel für Wiener seit 18 Jahren
  • Daxbacher sucht Schuld bei sich & offensivem Spiel

Die als versöhnlicher Abschluss der Herbstsaison gedachte Reise nach Madeira hat für den FK Austria Wien mit der empfindlichsten Europacup-Pleite seit mehr als 18 Jahren geendet. Zwei Wochen nach der Heimklatsche (0:3) gegen Athletic Bilbao lief der ÖFB-Cupsieger im letzten Europa-League-Gruppenspiel gegen CD Nacional Funchal in ein empfindliches 1:5-Debakel. Der an diesem Abend farblose Kapitän Milenko Acimovic fasste das Gefühl unter Spielern und Fans so zusammen: "Es macht kein schönes Bild, wenn man vor der Winterpause so verliert."

Eine Spielhälfte lang hielt die Austria mit dem portugiesischen Tabellenvierten mit, Schumacher (21.) brachte die um den ersten Gruppensieg kämpfenden Violetten vor einer Minikulisse von 1.500 Zuschauern sogar in Front. Danach offenbarten die Favoritner aber vor allem in der an sich routinierten Abwehr Schwächen en masse. Noch vor Seitenwechsel drehte die vom überragenden Ruben Micael angeführte Elf von Nacional die Partie, nach drei Treffern zwischen der 57. und 66. Minute war die Schlappe perfekt.

Das 1:5 bedeutet die höchste Europacup-Niederlage der nach der Pause offenbar bereits im Winterschlaf befindlichen Wiener seit dem 1:6 gegen Arsenal am 18. September 1991 in Highbury. In der Europacup-Fremde sind die Favoritner nun schon seit 16 Partien oder 11. August 2005 (2:1 in Sillein gegen MSK Zilina) ohne Erfolg.

"Die erste Spielhälfte war ganz in Ordnung, danach haben die Kräfte nachgelassen und wir sind in Konter gelaufen. Dann hat der Kopf auch noch ausgelassen", meinte Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic. Acimovic analysierte knapp: "Die Konzentration hat gefehlt." Er sprach damit wahre Worte. Zu fehleranfällig agierten die auf der Blumeninsel welken "Veilchen" im Spielaufbau, zu fahrlässig war das Defensivverhalten bei den Gegenstößen der Portugiesen, die an einem rabenschwarzen Tag aus Austria-Sicht auch die Lufthoheit gepachtet hatten.

Daxbacher übernimmt Verantwortung
Karl Daxbacher nahm die Schuld für die Niederlage auch auf seine Kappe. "Wir haben einfach zu offensiv agiert, das war vielleicht auch mein Fehler", meinte der Austria-Trainer über die taktische Ausrichtung der wieder mit der Doppelspitze Diabang-Schumacher agierenden Gäste. "Wir haben in der Vorwärtsbewegung zu viele Fehler gemacht." Während die mitgereisten Austria-Fans "Wir wollen unser Geld zurück" anstimmten und Nacional den höchsten Europacup-Erfolg der Club-Geschichte feierte, mussten sich aber vor allem die violetten Profis eingestehen, dass der letzte Auftritt des Jahres als einer der wohl unrühmlichsten in die Annalen eingehen wird.

Nach dem Abgesang in der Europa League bleibt anzumerken, dass Austria bei zwei Remis und vier Niederlagen am Ende nur vier Tore erzielt, aber gleich deren 16 kassiert hat. Unter dem Strich offenbart sich die Erkenntnis, dass der Tabellendritte der österreichischen Bundesliga auf europäischer Ebene über zu wenig spielerische Klasse verfügt. "In Österreich reicht es, da genügt kämpfen und laufen. Aber international reicht es eben nicht. Was fehlt, ist einfach die Qualität im Vergleich zu Mannschaften aus Spanien oder Portugal", erklärte Daxbacher.

"In Österreich denkt man sich: Nacional Funchal, wer ist das? Aber diese Mannschaft ist Vierter in Portugal und spielte gegen Teams wie Sporting oder Benfica", suchte der Austria-Coach eine Erklärung auch in der Erwartungshaltung von Fans und Medien. Am Ende stehe die Erkenntnis, dass die Austria den Kontrahenten nur im heimischen Horr-Stadion Paroli bieten könne. "Wenn in einem Spiel alles passt, können wir zu Hause mithalten. In Auswärtsspielen wird uns aber dann klar vor Augen geführt, dass ein Unterschied da ist."

Für die violetten Kicker geht es nun einmal bis 6. Jänner auf Urlaub, ehe die Vorbereitung auf die Frühjahrssaison beginnt. In Marbella (20. bis 30. Jänner) und Sotschi (2. bis 6. Februar) wurden zwei Trainingslager fixiert. Danach soll in der Meisterschaft wieder voll angegriffen werden, um im Titelrennen gegen Rapid und Salzburg auf Augenhöhe zu bleiben. "Das Anfangsprogramm im Frühjahr sieht nicht schlecht aus. Wenn wir gleich punkten, können wir noch ein Wörtchen mitreden", richtete Daxbacher den Blick nach vorne.
(apa/red)

17.12.2009 12:30
smonti, 17. 12. '09 13:57
Es reicht.....
..für das Österreichische Niveau aber nicht international.
Man sollte für die Österreicher eine eigene Euroliga gründen!!!!!damit sie mal ein Erfolgserlebis haben....

smo