Aus "Hopenhagen" wurde "Flopenhagen":
Die Bilanz eines gescheiterten Klimagipfels
- Am Ende stand nur eine politische Willenserklärung
- NEWS.at über die verpasste Wende in der Klimapolitik

Am Ende stand nur ein Formelkompromiss: Nach hektischen Last-Minute-Verhandlungen über ein abschließendes Ergebnis der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen wurde letzten Endes doch noch so etwas wie ein gemeinsamer Konsens unter den 192 teilnehmenden Staaten präsentiert. In dem kurzen Abschlussdokument des Gipfels ist aber lediglich das Ziel enthalten, die globale Erwärmung auf weniger als 2 Grad Celsius zu begrenzen. Die großen Hoffnungen, die in die Konferenz in der dänischen Hauptstadt bis zuletzt gesetzt wurden, sind damit endgültig zerplatzt, aus "Hopenhagen" wurde "Flopenhagen".
Der "Copenhagen Accord" getaufte Formelkompromiss besitzt nämlich keinerlei Rechtsverbindlichkeit und ist nicht mehr als eine politische Willenserklärung. Von den mehr als 45.000 Konferenzteilnehmern wurde er lediglich "zur Kenntnis genommen". Mit welchen Maßnahmen das hehre Zwei-Grad-Ziel erreicht werden soll, darüber schweigt sich das abschließende Papier vollkommen aus.
Kritik rief die magere Erklärung etwa unter den besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten Tuvalu (ein Inselstaat im Südwestpazifik, der im Laufe dieses Jahrhunderts aufgrund des steigenden Meeresspiegels wohl überschwemmt werden wird), Bolivien und Sudan hervor. Umweltorganisationen und NGOs zeigten sich enttäuscht darüber, dass der Graben zwischen den Industrienationen und den Entwicklungsländern in punkto Klimapolitik nicht überwunden werden konnte.
US-Politik hat sich nicht geändert
Auch US-Präsident Barack Obama, der am letzten Konferenztag anreiste und gleich einen dringenden Handlungsappell an die Staatschefs richtete, konnte das "Hopenhagen"-Momentum nicht mehr wiederbeleben. "Obama kam mit völlig leeren Taschen und hat sich keinen Millimeter bewegt. Den USA fehlt nach wie vor das Verständnis für andere Nationen, das ist nichts anderes als das wir schon von Bush gewohnt waren", analysiert Greenpeace-Klimaexperte Bernhard Obermayr, der an der Konferenz im Bella Center teilgenommen hat, im NEWS.at-Interview.
Die verhärteten Fronten zwischen China und den USA sind einer der Hauptgründe, warum der Klimagipfel in die Geschichte hauptsächlich als im großen Stile gescheitertes Projekt eingehen wird - auch wenn Obama und Konsorten sich das Ergebnis im Nachhinein schönreden wollen. "Was vom Gipfel bleibt, ist vor allem große Ernüchterung", fasst es Obermayr zusammen.
Devise: Keinen Millimeter abweichen
Generell fiel auf, dass sich durch wirtschaftlichen Aufschwung selbstbewusst gewordene Länder wie China, Brasilien oder Indien dem Verhalten der Industriestaaten angepasst haben. Im Mittelpunkt der Konferenz standen somit weder Konsens noch Kooperation, sondern Selbstprofilierung und Standhaftigkeit. Keinen Millimeter von seinem Standpunkt, sprich CO-2-Emissionsmenge, abweichen war offenbar die Devise, der sich viele Staaten verpflichtet fühlten. Gerade die reichen Nationen sollten sich aber ihrer historischen Verantwortung bewusst werden, so Obermayr, schließlich seien sie es gewesen, die die globale Erwärmung in Gang gesetzt haben.
Der Graben zwischen den Entwicklungsländern und den Industrienationen ist in Kopenhagen vielleicht noch größer geworden. Bei der nächsten Klimakonferenz kommenden November in Mexiko-Stadt werden die reilnehmenden Regierungen allerdings unter großem Druck stehen, um diese Kluft endlich zu überbrücken und ein rechtsverbindliches Kyoto-Nachfolgeabkommen zu beschließen. Oder in anderen Worten: Eine akzeptable Übereinkunft darüber zu treffen, wie die Rettung des Klimas zu bewältigen ist.
(jt)










